Unterwegs Wenn Singles reisen

Urlaub sollte eigentlich für alle Menschen erholsam sein. Aber während sich die einen monatelang auf die schönste Zeit des Jahres vorbereiten, beginnt für andere der Alptraum spätestens im Reisebüro.

Das Kopfschütteln auf die Frage, ob man zu zweit verreist, ist oft Auftakt einer Odyssee der Erschwernisse. Die doppelte Strafe ist sichtbar in einem mitleidsvollen Augenaufschlag, der unausgesprochen eine Rechtfertigung verlangt, aber auch mit einem Blick in den Katalog erkennbar: Der Einzelzimmerzuschlag, der zwischen 300 bis 500 Euro betragen kann.

Die Hoteliers verdienen mit doppelt belegten Zimmern mehr und wollen mit dem Zuschlag dieses Defizit ausgleichen - diese Erklärung erwartet Dankbarkeit von Alleinreisenden, dass ihnen vom Hotelier überhaupt Asyl gewährt wird. Und diese fügen sich in ihr Schicksal. Der finanzielle Mehraufwand als Kasteiung, das schlechte Gewissen als Buße, weil sie für den geringeren Gewinn der Hoteliers verantwortlich sind. Das Gefühl, Reisender zweiter Klasse zu sein, wird zum ständigen Begleiter.

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Denn entweder nächtigen Alleinreisende in einem als Einzelzimmer ausgegebenen Doppelzimmer, in dem dann abends zwei Betten viel Platz für Reflexionen lassen, die nach 14 Tagen garantiert in Einsamkeit, Selbstzweifel und Depression enden. Statt Erholung werden psychische Schäden mit nach Hause gebracht. Lediglich Ärzte und Psychologen sind erfreut über dieses Mitbringsel.

Manchmal gibt es auch Einzelzimmer - klein, fensterlos und leicht mit einer Abstellkammer zu verwechseln. Die körperliche Bestrafung für den fehlenden Partner in Form von zu schmalen Betten ist bei jedem Umdrehen zu spüren.
 
Beim Abendessen verweist der Kellner auf den Katzentisch hinter der Schwingtür zur Küche, eine moderne Form der Quarantäne. Da hilft nur tägliches Überlebenstraining in Form des Ignorierens der mitleidsvollen Blicke der anderen Gäste.

Reiseveranstalter müssen glücklich verheiratet sein. Und wollen anderen das Reisen mit sich selbst erschweren. Finanzielle und psychische Bestrafungen als Anstoß zur Bekehrung, die Selbstständigkeit aufzugeben. Vielleicht ist auch der Neid auf die Selbstbestimmung Auslöser der Benachteiligungen. Damit der Urlaub garantiert vermiest wird oder in einer Partnersuche endet.

Der Verweis auf spezielle Anbieter verstärkt diese Vermutung. In Clubs abgeschoben, ist das Gefühl der Aussätzigkeit nahezu perfekt. Die Angebote bestärken die Annahme, dass diese Form des Unterwegsseins kein natürlicher Zustand sein kann. Eine Art zeitgenössischer Inquisition. Dass Alleinreisende im Urlaub nicht zwingend wünschen, Bekanntschaften zu machen, scheint niemand zu glauben.

Das hat die Emanzipation bestimmt nicht gewollt. Dass der Mut Ungebundener in einem Fegefeuer von Unterdrückungen endet. Die Hoffnung ruht noch auf dem Anti-Diskriminierungsgesetz. Oder vielleicht sollte beim nächsten Urlaub der Tipp der Reiseverkehrsfrau umgesetzt werden: "Wenn Sie wenigstens ein Kind hätten. Da gibt es schon viele Ermäßigungen."

 
Leser-Kommentare
  1. Ich empfinde es auch für eine Frechheit, dass der Einzelzimmerzuschlag so in die Höhe getrieben wird. Es gibt auch Menschen, die einmal ganz alleine ausspannen wollen oder diversen Arbeiten erst nachgehen können, wenn sie im Urlaub den Kopf vom Alltagstrubel befreien können. Allgemein ist das Reisen zu zweit oder mit mehreren Personen für mich schöner. Aber das ist und bleibt Ansichtssache. Es kann ja auch vorkommen, dass die Freunde und Bekannten, die man gerne im Urlaub dabei hätte, keine Zeit haben oder sich die Reise nicht leisten können. Da sollte der Alleinreisende nicht noch zusätzlich belastet werden.

  2. Trotz bestehender Beziehung verreise ich gerne ein- bis zweimal im Jahr nur für mich. Nichts ist erheiternder als allein mit meinem Koffer auf Reisen zu gehen, zum Flughafen zu fahren und zu wissen, eine Woche lang kann ich nun tun und lassen, was ich will - ohne Absprachen, ohne Kompromisse, nur den eigenen Wünschen folgend, ein Land oder eine Region entdecken. Meine Sinne sind dann besonders ausgefahren, ich nehme alles viel intensiver und deutlicher wahr und allein dadurch wird so eine Reise sehr viel spannender. Allerdings überlege ich mir vorher genau wohin ich fahre und um Clubs und klassische Pauschalreisen mache ich einen weiten Bogen. Ein gutes Reiseziel für Alleinreisende ist z.B. Malta. Dort gibt es viele Sprachschulen und somit auch viele Sprachschüler und die verreisen nunmal meistens ohne Anhang. Das heißt, das Bild wird dort nicht von Paaren oder Familien geprägt und davon profitiert auch, wer keine Sprachreise macht. Auf Malta kam ich mir in keinster Weise "komisch" oder "anders" vor, vielmehr schien meine Art zu verreisen, dort voll ins Bild zu passen, die Hoteliers und die Malteser schienen daran gewöhnt zu sein. Auf Malta war ich entgegen meiner Gewohnheit sogar "pauschal".
    Wohl gefühlt habe ich mich außerdem in Griechenland. Auf den Inseln gibt es zahlreiche private Unterkünfte, meistens Studios, die im Vergleich zu den Hotels oft günstiger sind und einen Kühlschrank und eine kleine Kochecke haben. Das hat den Vorteil, dass man sich selbst versorgen kann und sich die krampfige Stimmung - übrigens auch unter Paaren- im Frühstückssaal erspart.
    Entkrampfend wirkt zudem die Anreise mit einem Billigflieger oder einer Linienmaschine (z.B. Aegean Airlines nach Griechenland). Dort sind nicht nur deutsche Touri-Pärchen an Bord, sondern Geschäftsleute, Studenten, Menschen aus dem Start- und dem Zielland - eine schöne junge bunte Welt . Und spätestens dort wird einem klar, dass sich neben der familienorientierten Pauschal- oder Clubreise längst eine Szene etabliert hat, die mobil sein will, und dies ist, egal ob mit oder ohne Partner, ob für zwei Tage, um sich mal den Louvre in Paris anzuschauen, oder für eine Woche, um am Meer auszuspannen. Reiseveranstalter braucht doch niemand mehr, dank der Angebote der Billigflieger und der Recherche- und Buchungsmöglichkeiten des Internets.

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