China Festgenommener ZEIT-Reporter wieder frei
Chinesische Polizisten hatten den Pekinger ZEIT-Korrespondenten Georg Blume in Gewahrsam genommen. Sie verlangten, er solle Recherche-Material zu einem umstrittenen Staudammprojekt herausgeben.
Blume war von der Polizei wegen "illegaler Interviews" in der südwestchinesischen Provinz Yunnan festgehalten worden. Beamte des Kreises Lushui wollten, dass er Notizen und Filmmaterial an die Behörden übergibt, die bei einer Recherche zu einem umstrittenen Staudammprojekt am Nu-Fluss entstanden sind. Das berichtete Blume am Donnerstag
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via Mobiltelefon. Er verweigerte die Herausgabe seiner Unterlagen, unterschrieb aber eine Erklärung, keine weiteren Interviews zu führen und die Region umgehend zu verlassen. Nach fünf Stunden kam Blume wieder frei, nachdem er einen Teil seiner Unterlagen selbst vernichtet hatte.
"Ich bin in dem Dorf Xiao Shaba von zwei Polizeistreifen festgenommen worden, nachdem ich dort mit Bauern über das Staudammprojekt und ihre geplante Umsiedlung gesprochen habe", sagte Blume. "Die Polizisten haben mich in die Polizeistation von Liuku gebracht. Dort sagte eine Mitarbeiterin des Propaganda-Amts, ich werde ‚zu meinem eigenen Schutz' festgehalten."
Die Bewohner des Dorfes, 400 an der Zahl, sollen in zwei Monaten in eine neue Siedlung ziehen, an der schon gebaut wird. Allerdings ist die Umsiedlung wie der gesamte Bau des ersten von dreizehn Staudämmen, dem das alte Dorf zum Opfer fallen soll, noch immer nicht von der Zentralregierung in Peking genehmigt. Dort gibt es offenbar Widerstände aus dem Umweltministerium. Mit der Umsiedlung wollen die Provinzbehörden nun vermutlich Fakten schaffen. Der Nu ist einer der zwei letzten unberührten großen Flüsse in China und wurde von der Unesco zum Kulturerbe erhoben. Dennoch planen die Chinesen, hier Wasserkraftwerke zu errichten, die einmal 22.000 Megawatt Strom produzieren sollen. Das wäre weit mehr, als der umstrittene Drei-Schluchten-Staudamm am Jangtse erbringt.
Blumes Recherchen hatten unter anderem ergeben, dass die Bauern in dem betroffenen Ort den Umzug nicht ablehnen. Sie leben in einfachsten Verhältnissen, wegen verstopfter Wasserrohre ist die Trinkwasserversorgung ständig unterbrochen. Von der Umsiedlung erhoffen sie sich bessere Lebensbedingungen.
Nachdem sowohl die örtlichen Behörden wie der Landkreis auf einer Herausgabe des Recherchematerials bestanden hatten, entschied zuletzt die Provinz Yunnan, Blume müsse nur einen Teil seiner Notizen vernichten und könne "als Tourist" weiterreisen. Der
ZEIT
-Korrespondent hatte darauf beharrt , seine Notizen zu behalten oder das zu vernichtende Material selbst auszuwählen, um seine Informanten zu schützen. Erst kürzlich war ein Bauer, der einem Korrespondenten der ARD Auskunft gegeben hatte, nach der Veröffentlichung zusammengeschlagen und schwer verletzt worden. Er ist seitdem gelähmt. Auch die deutsche Botschaft in Peking riet dazu, die Dokumente nicht zu übergeben. Blume hielt sich auf Einladung der Provinzregierung in Yunnan auf.
Lesen Sie hier die Reportage von Georg Blume über die Krebsdörfer
Lesen Sie hier, unter welchen Umständen Bauern in China leben
- Datum 06.07.2006 - 06:03 Uhr
- Quelle ZEIT online
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Gott sei Dank!
Nach dem Zeit-Dossier über den (Online-) Journalismus in China (http://www.zeit.de/2006/2...) hatte ich den Eindruck, dass kritische Berichterstattung in Maßen und unter gewissen Umständen mittlerweile möglich sei. Die erneute Festnahme Blumes sowie vor allem der Angriff auf den Umweltaktivisten Fu Xiancai zeigen, dass China immer noch eines der freiheitsfeindlichsten Länder überhaupt ist. Aber so wie kritische Stimmen in China enden, so siecht auch die Demokratie und die Freiheit in dem Land dahin: vom Hals abwärts gelähmt.
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