Indien Polizei verhört 180 Verdächtige
Massenfestnahmen sollen die Attentäter vom Dienstag dingfest machen.
Nach der Anschlagserie in Mumbai hat die Polizei in der Nacht zum Donnerstag mehr als 180 Menschen in der westindischen Finanzmetropole vorübergehend festgenommen und befragt. 23 davon würden weiterhin verhört, berichtete der Nachrichtensender NDTV am Donnerstag unter Berufung auf die Polizei. Die Ermittler hätten Phantomzeichnungen von Verdächtigen angefertigt. Die Zahl der Toten stieg unterdessen auf 186. 772 Menschen waren verletzt worden, als am Dienstagabend Zeitbomben in sieben Vorortzügen explodierten.
Als Hauptverdächtige gelten zwei muslimische Terrorgruppen. Aus dem Innenministerium hieß es, die Polizei konzentriere sich bei den Verhören auf Anhänger der in Indien verbotenen islamischen Studentenbewegung SIMI. SIMI steht im Verdacht, die Anschläge gemeinsam mit der angeblich aus Pakistan heraus operierenden Terrorgruppe Laskarh-e-Toiba (Armee der Reinen) geplant und ausgeführt zu haben. Vermutlich sei der Plastiksprengstoff RDX verwendet worden, den die Laskarh-e-Toiba immer wieder bei Anschlägen benutzt.
Die Laskarh-e-Toiba wies eine Tatbeteiligung zurück. Sicherheitsexperten halten das Dementi aber für nicht glaubwürdig. Die indische Regierung hatte die Laskarh-e-Toiba und die SIMI für Anschläge in Mumbai im August 2003 verantwortlich gemacht, bei denen mehr als 50 Menschen starben und RDX verwendet wurde.
Nach den Spannungen vom Mittwoch bekannte sich die indische Regierung zum Friedensprozess mit Pakistan. Der Staatsminister im indischen Außenministerium, Anand Sharma, sagte, es sei wichtig, diesen Prozess zwischen den beiden Atommächten fortzusetzen. Zuvor hatte sich der Ton zwischen den Atommächten Indien und Pakistan verschärft. Die indische Regierung nannte Äußerungen des pakistanischen Außenministers Khurshid Mehmood Kasuri »erschreckend«. Kasuri hatte die Anschläge mit dem Kaschmir-Konflikt in Verbindung gebracht. Indien forderte Pakistan erneut dazu auf, die »Terror-Infrastruktur« auf pakistanischem Territorium aufzulösen. Indien und Pakistan führen seit Anfang 2004 Friedensgespräche.
Singh äußerte sich in einer Ansprache an die Nation nicht zu möglichen Tätern oder zu Pakistan. Er rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. »Unsere Stärke liegt in unserer Einheit. Lasst uns zusammenstehen als ein Volk, als eine Nation«, sagte er. »Wir werden diesen Krieg gegen den Terror gewinnen.«
Das indische Luftfahrtministerium kündigte an, die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen zu verschärfen, um Anschlägen vorzubeugen. Die betroffenen Bahnlinien nahmen am Mittwoch wieder den Betrieb auf. Die Züge waren leerer als sonst, wurden aber von Pendlern genutzt. Für gewöhnlich fahren täglich mehr als sechs Millionen Menschen mit den Vorortzügen Mumbais, die das meistgenutzte Nahverkehrsmittel aller Großstädte weltweit sind.
Auf die Börse in Mumbai, der wichtigsten Indiens, hatten die Anschläge keine negativen Auswirkungen. Der Leitindex Sensex stieg am Mittwoch leicht an. Schulen und Universitäten waren geöffnet, das Leben in der 14-Millionen-Metropole kehrte langsam zur Normalität zurück. In den Krankenhäusern spielten sich allerdings dramatische Szenen ab. Verzweifelte Menschen suchten unter den Verletzten und den Leichen nach vermissten Angehörigen und Freunden.
- Datum 13.07.2006 - 04:53 Uhr
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- Quelle ZEIT online, dpa, 11.7.2006
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Weil bisher ALLE solchen Terroranschläge (Attentate? Freiheitskämpfe?) von Moslems (ganz selten christlichen Arabern oder, noch seltener, deren Sympathisanten) verübt wurden, ist die wahrscheinlichste und plausibelste These, dass sie es wieder waren. Aber selbst wenn nicht, der Terroranschlag ist "die logische, fast zwingende Konsequenz" [(c) Christian Ströbele] anderer islamischen Terroranschläge UND DER REAKTIONEN DER WELT AUF SIE. Durch bestenfalls milde, nur pro-forma Verurteilungen, über Verständnisbekundungen, Beschwichtigung, bis sogar lautem Beifall für solche Anschläge wenn sie, sagen wir mal, gegen ein unbeliebtes, von Vernichtung bedrohtes Völkchen gerichtet wurden, während diejenigen, die gegen Terroristen kämpften, regelrecht verteufelt wurden, MUSSTEN Terroristen lernen, dass sich der Terror lohnt. Umso mehr, weil sie dadurch direkte und konkrete Vorteile für sich erpressen konnten, von Freilassung gefangener Terroristen bis, für alle praktischen Zwecke gesehen, einem eigenen Staat. Indien hat bei diesem Theater auch kräftig mitgemacht.
"As long as young people feel they have got no hope but to blow themselves up you are never going to make progress." --- Cherie Blair
Es ist sicher nicht klar, dass der Anschlag von Islamisten oder anderen Muslimen ausgeführt wurde. Doch die Wahrscheinlichkeit dürfte nicht gering sein.
Zur Stützung meiner Wahrscheinlichkeitsaussage zitiere ich Abdul Al-Rashed: "Nicht alle Moslems Terroristen sind, aber - schmerzlicherweise - fast alle Terroristen Moslems."
Aber man soll die Hoffnung nie aufgeben. Hier ein Beispiel, das einen hoffen läßt:
"Die Sensation von Istanbul: Muslimische Würdenträger und Intellektuelle verabschieden ein Manifest gegen den fundamentalistischen Terror." in der Zeit vom 06.07.2006
Hier ein paar Auszüge:
"»Wir verurteilen und verabscheuen die gewalttätigen Aktionen einer kleinen Minderheit von Muslimen, die Gewalt und Terror gegen ihre Nachbarn und Mitbürger entfesselt haben, indem sie die Lehre des Islams verdrehen.«"
"Die junge Soziologin Hebba Rauf Izzat aus Kairo kritisierte die Tendenz zur »Einkapselung«. Statt das Anderssein zu kultivieren, solle man sich lieber fragen, was die Muslime zum Florieren der europäischen Gesellschaften beitragen könnten. Moscheen sollten keine Reservate sein, in denen Muslime ungestört eine möglichst reine Identität ausbilden könnten, sondern »offene, zivile Räume«."
"Tariq Ramadan ging noch weiter in der Selbstkritik: »Häusliche Gewalt, Zwangsheiraten und die Ungleichheit von Mann und Frau müssen wir in unserem eigenen Interesse kritisieren nicht nur, weil es uns von außen nahe gelegt wird.« Drakonische Strafgesetze in islamischen Ländern wie etwa Steinigung von Ehebrecherinnen nannte er »unislamisch«. Er zeigte sogar Verständnis dafür, dass sich viele Europäer vor dem Islam fürchteten: »Nicht jede Kritik an uns ist mit Vorurteilen und Islamophobie zu erklären. Die Europäer haben gute Gründe, Angst zu haben, wenn sie vorgeführt bekommen, was Muslime anrichten.« Die friedliebenden Muslime müssten sich den Medien öffnen und sich als »kritisch loyale« Bürger ihrer Nationen verstehen. Ihre Kritik sollten sie nicht aufgrund islamischer, sondern auf der Basis britischer, deutscher, französischer Werte formulieren. Das Ziel müsse ein »neues Wir« sein. Darum gelte es, die alten Streitigkeiten der Herkunftsländer hinter sich zu lassen und die »vielen guten Elemente der europäischen Kultur« anzuerkennen wie Rede- und Religionsfreiheit, Rechtsstaat und Demokratie."
Das Hauptproblem wird m.E. jedoch der Koran, das unveränderliche Wort Gottes aus islamischen Sicht, bleiben. In ihm ist Gewalt ausdrücklich vorgesehen. Eine nicht unerhelbiche Lehrauffassung im Islam besagt, dass die älteren toleranten Aussagen im Koran durch die späteren Gewaltaussagen stark relativiert wenn nicht gar aufgehoben sind. Inwieweit der Koran für eine Rekontextualisierung zu öffnen ist, kann wohl niemand sagen.
Nach der derzeitigen Lage gibt es also wenig Hoffnung, dass man bald sagen könnte: Es gibt nicht mehr islamische Terroristen als nicht-islamische.
Geht es Ihnen nicht gut?
die logische, fast zwingende Konsequenz" [(c) Christian Ströbele] ;-)
Welch differenzierte Argumentation!
Wie vorhergesagt, war genau dies zu erwarten. Die Dinge werden so gesteuert, wie man sie braucht.
Wie sehr es dem Iran selbst schaden würde, hiermit in Verbindung gebracht zu werden, ist offenbar Teil eines zu hohen intellektuellen Diskurses...
Ist es den Islamisten peinlich das Bin Laden Moslem ist oder warum machen sie ihn zum USAma?
Vielleicht ist es auch so eine islamische Verwirrungstaktik? J.S.
@ zharquon
Haben sie denn Beweise dafür, dass es keine Islamisten waren?
Natürlich hat die indische Regierung die Bomben selber gelegt, um die Tat islamistischen Unschuldslämmern in die Schuhe zu schieben.
Tatsächlich ist es völlig egal wo auf der Welt globalisierte Terroristen Zivilisten töten. Beschwichtiger und Terroristenversteher werden selbst dann weiter beschwichtigen und Erklärungen suchen, wenn Omas kleines Häuschen mitsamt Omas Nachbarschaft in die Luft gehen. Sie sind die eigentlichen Menschenverächter.
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