Nahost Das israelische Dilemma
Nachgeben kann nur die Hamas stärken, die israelische Opposition fordert eine viel härtere Faust - für Olmert hat die Regierungszeit eines echten israelischen Ministerpräsidenten begonnen
Wenn das Radio Ich habe kein anderes Land spielt und aus den Lautsprechern in den Tel Aviver Kiosken laut Nachrichten dringen, dann ist das ein sicheres Zeichen, dass die Wogen wieder einmal besonders hoch schlagen. An diesem Mittwochvormittag signalisierte das melancholische Lied die Entführung von zwei Soldaten durch die Hisbollah im Libanon.
Ganz überraschend kommt das nicht. Offiziell will die proiranische Miliz zwar auf die jüngste israelische Militäroffensive im Gazastreifen reagiert haben, in Wirklichkeit aber hat sie schon oft in blutigen Krisenzeiten ganz bewusst eine „zweite Front“ im Norden eröffnet. Israels andauernde Konfrontation mit der Hamas war somit eine „gute Gelegenheit“ für den Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah.
Er hatte sich ohnehin in den letzten Wochen zum aktiven Berater der Hamas gemacht. Nach seiner Meinung sollte die Hamas keinesfalls – also auch nicht unter noch so viel Druck – den von ihr entführten Soldaten Gilat Shalit freigeben, ohne im Gegenzug die Freilassung palästinensischer Gefangener zu erreichen.
Nasrallah weiß, wovon er redet. Er selber hatte vor nicht allzu langer Zeit einen Gefangenenaustausch mit Israel durch indirekte Verhandlungen erreicht: die israelische Geisel Elhanan Tennenbaum und die sterblichen Überreste israelischer Soldaten gegen die Freilassung libanesischer und palästinensischer Häftlinge.
Nicht wenige Israelis erinnern an diese Episode, wenn Premier Ehud Olmert fast täglich wiederholt, dass er nicht mit Terrororganisationen über Gilat Shalit verhandeln werde, weil dies „einen Präzendenzfall“ schaffen würde, der Schule machen könnte.
Bevor es aber zu eventuellen Kompromisslösungen via dritten Parteien kommen könnte, die es allen Seiten erlauben würden, das Gesicht zu wahren, kämpft die Armee – neben Gaza – nun auch noch an der libanesischen Front. Zu diesem Zweck wurden Reservisten am Mittwoch mobilisiert. Der Staat Israel befinde sich, wie schon oft in der Vergangenheit, in einer schwierigen Prüfung, sagte Olmert in einer Pressekonferenz, aber man werde die Krise auch diesmal überwinden. Die Operation der Hisbollah sei kein „Terroranschlag“ gewesen, betonte er, sondern ein Angriff eines souveränen Staates auf einen anderen. Die libanesische Regierung sei für die Ereignisse verantwortlich und müsse deshalb auch die Konsequenzen dafür tragen.
Israel steht dennoch vor einem riesigen Dilemma: Sollte es tatsächlich nachgeben und sich auf einen Deal mit den Entführern einlassen, könnte das nicht nur zu weiteren ähnlichen Aktionen führen, sondern würde auch die Hamas bei den Palästinensern nur noch populärer machen. Zu Hause wiederum wächst der Zorn der rechten Opposition, die für eine viel härtere Faust plädiert.
Hinzu kommt die Solidarität, die viele Israelis mit den Familien der Entführten verspüren. In der Knesset riefen am Mittwoch die Abgeordneten dazu auf, von der Tagesordnung abzurücken und sich nur der sich ausweitenden Krise zu widmen. Für Ehud Olmert, kaum drei Monate im Amt, hat am Mittwoch die Regierungszeit eines echten israelischen Ministerpräsidenten begonnen.
- Datum 17.07.2006 - 10:55 Uhr
- Quelle ZEIT online
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Die Entführung der 2 weiteren Soldaten zu diesem Zeitpunkt vom Libanon aus war offensichtlich sorgfältig überlegt. Dadurch kann die Hisbollah ihre Wichtigkeit als Vertreterin palästinensischer Interessen unterstreichen und verhindern, dass die Hamas sich in den zwischenzeitlich über Ägypten gelaufenen Geheimverhandlungen mit Israel einigt.
Zuvor hatte bei der ersten Entführung ja schon Khaled Meshal aus Damaskus klargemacht, dass er der eigentliche Chef der Hamas ist.
Auf diese Weise wird die Politik der Palästinenser von aussen gelenkt - es ist ein Machtkampf der palästinensischen und pro-palästinensischen Gruppierungen zwischen Beirut, Damaskus und Gaza.
Das Israel militärisch reagieren würde, war den Initiatoren dieser neuen Entführungen vollkommen klar und bewusst einkalkuliert. Sie hoffen darauf, davon für ihre eigene Machtposition zu profitieren.
Nach geltendem Völkerrecht ist der Überfall der Hisbollah ein Kriegsgrund! Das sieht Olmert ganz richtig.
Wenn die Hisbollah die beiden Kriegsgefangenen gemäß Genfer Konvention behandeln, ändert das nichts an der Tatsache, das ein Casus Belli vorliegt. Ganz abgesehen davon das Islamisten auf die Genfer Konventionen pfeifen.
Und die Israelis sind gut beraten, die Gelegenheit zu nutzen und die Hizbollah zu erledigen. Die Hizbollah hat im südlichen Libanon ca. 15000 Raketen stationiert die bis weit nach Israel hinein reichen. Diese kann Israel nun unschädlich machen. Vernünftig wäre es jedenfalls. J.S.
Hezbollah greift Israel an, tötet 3 Soldaten und entführt 2 weitere. Israel währt sich. In einer gerechten Welt würde man Libanon aufs schärfste verurteilen und Israel jede erdenkliche Hilfe anbieten. In einer nicht so gerechten Welt würde man Libanon verurteilen und gleichzeitig Israel zur Zurückhaltung aufrufen. Was macht aber der UNO-Generalsekretär?
"UN Secretary General Kofi Annan both condemned the Israeli offensive and called for the soldiers' release."
Ist das zu fassen??? Israel wird verurteilt, aber nicht Hizbollah!!! Das ist nicht mal die so ungerechte "Ekvidistanz", bei der man den Täter und das Opfer gleichermaßen verurteilt; das ist schlichte Perversion jeglicher Gerechtigkeit!
Die Tatsache, dass Israel wg. der Entführung von 2 Soldaten direkt eine Kriegserklärung abgibt, zeigt welchen wahren Hintergrund die aktuelle Nahostoffensive hat.
Dass Israel sich auf Völkerrecht beruft, ist angesichts der unzähligen Verstöße dagegen, alleinigem Gegenstimmen (oder im Verbund mit den USA) gegen den Rest der Welt bei UN-Resolutionen, fast schon lächerlich, wäre der Anlass nicht so toternst für die Beteiligten.
Man betrachte sich aber die Medien-Schlagzeilen: "2 Israelis entführt". Das ist sicher tragisch, aber wurde einmal über die Toten der Offensive der vergangenen Tage bei den Palästinensern geschrieben oder in den Breaking News berichtet? Hier wird scheinbar mit zweierlei Maß gewichtet. Die Realität erhält in den Massenmedien kein Abbild mehr.
Zu JdotSdot:
Ich bin noch nie mit diesem Zeit-Kommentator einer Meinung gewesen, spreche mich aber trotzdem / oder gerade deshalb dafür aus, dass er weiterhin nicht zensiert wird. Gewisse Standpunkte sind auf ihre Weise immer eine Komplettierung der Sichtweisen. Mit persönlichen Verunglimpfungen könnte man sich allerdings in Zukunft zurückhalten...
"für Olmert hat die Regierungszeit eines echten israelischen Ministerpräsidenten begonnen"
Was will uns die Kommentatorin damit sagen?
Da schleicht er wieder durchs Netz auf der Suche nach den für ihn passenden Artikeln um dort seine zähe Propaganda loszuwerden! Was wohl sein Lohn ist?
@IdiotSdot Sagen Sie es doch frei heraus, was Ihnen am Herzen liegt: wohl nichts weniger als die Endlösung der Palästinenserfrage. Ich frage mich wirklich, warum die Zeit-Redaktion Sie noch rumsudeln läßt.
Der israelische Premier Olmert ist der Ansicht: Die Operation der Hisbollah sei kein Terroranschlag gewesen, betonte er, sondern ein Angriff eines souveränen Staates (Libanon) auf einen anderen. Weiter betont er dass, der Überfall der Hisbollo kein Terroranschlag gewesen sei.
Wenn dem aber so ist, dann ist der Entführte kein Entführter sondern ein Kriegsgefangener der durch Verhandlungen wieder frei werden könnte. Aber nee Reservisten werden eingezogen und in ein fremdes Land geschickt.
Manchmal glaube ich da unten sind alle verrückt geworden.
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