Revue de Presse Le cas Zidane

Nach dem Kopfstoß des Fußballhelden im WM-Finale: Das Volk verzeiht seinem "Zizou". Frankreichs Zeitungen dagegen politisieren. Die gesprochene Presseschau von

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Leser-Kommentare
  1. 1. \N

    Nun ja, Tätlichkeiten sind m.E. nie zu rechtfertigen. Allerdings hat sicherlich jeder Mensch einen wunden Punkt, und erfahrungsgemäß gibt es Beleidigungen, bei denen sich einem die Kehle zuschnürt und man nicht mehr verbal reagieren kann. Vielleicht hat der italienische Spieler bewusst oder unbewusst genau so eine Beleidigung ausgesprochen, dazu kam, dass Zidane unter Stress stand, und schon hat es gekracht. Gescheiter wäre es gewesen, einfach wegzuhören, aber wer ist schon gescheit?

    Celestina

    • vasili
    • 12.07.2006 um 9:17 Uhr
    2. \N

    natürlich verzeihen die franzosen zidane. zurecht, denn nur ahnungslose holzköppe reduzieren seine karriere auf einen peinlichen moment der unbeherrschtheit.

    der kopfstoss war falsch, keine frage. das gilt unabhängig davon, ob zidane provoziert wurde oder nicht. zizou bleibt trotzdem ein grossartiger fussballer.

    • EROL
    • 12.07.2006 um 15:59 Uhr

    Auch Sie klingen nach den Italienern die in dem Artikel über Korruptionen in Italien erzählt, erwähnt werden. Ich kann mir vorstellen wen Sie in Schutz nehmen. Ignorieren und verharmlosen auch Sie als ob das nicht genug Leute tun würden. Wir brauchen etwas zum lachen.

    • FURIO
    • 12.07.2006 um 8:39 Uhr

    Kein Wunder: jeder verteidigt seine eigene Freunde.

    Oft nach der Festnahme von kriminellen rechtsextremisten habe ich von Rechtsparteien gehoert: "Unsere Kameraden sollen befreit werden" und selbstverstaendlich nach der Festnahme von kriminellen Linksextremisten habe ich Linksparteien gehoert: "Unsere Genossen sollen befreit werden".

    Was Zidane auch gemacht haben kann, ist er fuer viele Franzosen ein geliebter Fussballspieler. Scheinbar ist das fuer die meisten das Wichtigste.

    Jedenfalls gibt's immer Provokationen auf dem Fussballfeld.
    Wenn wir Gewalt als Antwort auf Provokationen recht-fertigen, koennten wir bei jedem Wettkampf Schlaegereien sehen.

  2. Wie hat ein guter Freund von mir letztens beiläufig gesagt: "Zidane ist einfach nicht ganz sauber im Kopf, desshalb lieben wir ihn ja so sehr". Mein Freund ist Franzose, die stehen ihrem Team und besonders den Trainern der Equipe Tricolor prinzipiell eher skeptisch gegenüber. Ebenso so wie wir das bis zum 9. Juni diesen Jahres auch taten. Aber Zidane war schon seit jeher über jeden Zweifel erhaben. Er steht nämlich genau für das, was viele junge Franzosen gut finden. Für Leistung, Ehrlichkeit, Erfolg und Eigensinn. Er wehrt sich, wenn ihn jemand beleidigt und er wehrt sich, wenn ihm unrecht geschieht. Genauso wie sich das junge französische Volk gegen die Kündigungschutz-Pläne der Regierung und die Beleidigungen eines unverschämten Sarkozy wehrte. Ob das nun fairplay war ist nebensache, es war ebenso wenig fairplay wie die Äusserungen Matterazis. Nur war Zidane nicht so feige wie sein italienischher Kollege. Er war eben wie das junge französische Volk.

    • hronek
    • 17.07.2006 um 9:38 Uhr

    Zidane hat mit seiner Tätlichkeit die eigene Mannschaft geschwächt, was ihm, als er ausgeschlossen wurde, sehr bewusst zu sein schien, er wirkte wie ein kleiner Junge, der sich schämt, weil er einen Fehler begangen hatte.
    Da war Mitgefühl möglich; zumal wenn man die Stress-Situation mitbedachte, in der er stand (und auch, da sein Opfer ja nicht verletzt war).
    Bei seinem Kommentar, Tage später, setzt er sich indes auf die inzwischen stattgefundene Täter-Opfer-Umkehr drauf und tut damit so, als hätte er keinen Fehler begangen, als hätte er keine andere Wahl gehabt, als mit dem Kopf zuzuschlagen, als sei dies Notwehr gewesen.
    Das ist schäbig.
    Denn Materazzis Beleidigungen als Provokation kennt Zidane auch in ihrem Wortlaut ganz gewiss seit vielen Jahren auswendig. Und sie waren nur wirksam im Zusammenhang mit der Frustration Zidanes, der gerade den besten Angriff des Spiels mit einem brillanten Kopfball abgeschlossen hatte, aber dabei an Buffon gescheitert war. (So gesehen wäre Buffon an Zidanes Ausrasten nicht weniger "schuld" als Materazzi.)
    Mir liegt völlig fern, Zidanes Tätlichkeit moralisierend überzubewerten.
    Richtig ist auch, dass provozierende Beleidigungen nicht die feine Art sind und sich eigentlich nicht gehören. Aber ein "Schurke" Materazzi und ein "Held" Zidane? Das ist ein schlechter Scherz.
    Mit seinem Fehler, dem Kopfstoß, der Tätlichkeit in seinem letzten Spiel, in einem Augenblick, in dem es um nichts weniger ging (aber auch nicht um mehr), als Weltmeister zu werden oder nicht, ist Zidane vom Podest der Heldenverehrung hinunter gestiegen und schien unbewusst signalisieren zu wollen, dass er eben auch nur ein gewöhnlicher Mensch sei und nicht überlebensgroß. Das hatte einen Anflug des Tragischen (und damit schon wieder Erhabenen im Schillerschen Sinn).
    Mit seiner Rechtfertigung, er habe nicht anders können, als die "Ehre" seiner Familie zu verteidigen, mit dieser billig-schäbigen Unschuldsbeteuerung, mach Zidane sich ganz klein.

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  • Quelle ZEIT online, 12.07.2006
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