AntivirensoftwareAbkehr von Windows

Jahrelang sind die führenden Hersteller von Antivirensoftware gut mit dem Betriebssystem von Microsoft gefahren - es war ein offenes Tor für Gewürm und Viren aller Art. Doch jetzt raten die Firmen zum Wechsel auf andere Systeme. von Nico Brünjes

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Ausgerechnet von Symantec hätte wohl kaum jemand einen solchen Ratschlag erwartet: In seinem "Security Report 2006" empfiehlt der Hersteller des bekannten Sicherheitstools Norton Antivirus , vom omnipräsenten Windows künftig auf andere Betriebssysteme wie Mac OS X oder Linux umzusteigen. Auch Sophos, ebenfalls Hersteller von Antivirensoftware, überraschte mit der Feststellung, dass Apple-Computer viel weniger durch Schadsoftware bedroht seien als PCs. Ungeschützte Windows-Rechner gebe es so viele, dass Schadsoftware fast ausschließlich für Windows programmiert werde. Tatsächlich entdeckte man erstmalig im Februar dieses Jahres ein Virus für Mac OS X. Es konnte sich nicht nennenswert verbreiten.

Was aber steckt hinter diesem überraschenden Bekenntnis zu Mac und Co.? Im Grunde müssten Symantec wie Sophos mit der Verbreitung der anfälligen Windows-PCs hochzufrieden sein. Schließlich leben sie davon, diese Rechner mit ihrer Software vor Viren zu schützen - eine Einnahmequelle, die durch wirklich sichere Rechner in Gefahr geriete.

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Hauptgrund dürfte sein, dass Microsoft jetzt selbst in den Markt der Antiviren- und Sicherheitssoftware einsteigt. Mit OneCare hat das Unternehmen ein Paket geschnürt, das in den USA nach mehrmonatigem Beta-Test bereits erhältlich ist. OneCare enthält neben einem Antivirenprogramm auch eine Firewall, ein Backupsystem und weitere Tools, um den Windows-PC sicherer zu machen. Der Einstieg von Microsoft verursacht starken Wirbel in der Branche, was auch daran liegt, dass OneCare mit moderaten Preisen an den Mann gebracht wird: das Paket kostet knapp 50 US-Dollar, im Angebot bei amazon.com sogar nur 20 US-Dollar. Mit dieser Preispolitik können die Hersteller von Antivirensoftware kaum konkurrieren: Norton Anti Virus ist um die Hälfte teurer. Zudem ist das Microsoft-Produkt im Gegensatz zu allen anderen Fabrikaten ins so genannte XP-Sicherheitscenter eingebettet. Im neuen Windows Vista, das Anfang 2007 erscheinen soll, ist Microsofts neuestes Antivirenprogramm Defender dann schon ab Werk enthalten.

Auch auf dem Markt für Großkunden wird Microsoft bereits mit Dumpingpreisen tätig. Das Programm Antigen , das E-Mail-Viren, -Würmer und Spammails bekämpft und pro Nutzer und Monat abgerechnet wird, ist nach einer Laufzeit von 2 Jahren zwischen 50 und 63 Prozent billiger als vergleichbare Produkte. In seinem Weblog spricht es der Chef der Sicherheitsfirma Sunbelt, Alex Eckelberry, offen aus: Microsoft wolle seine Konkurrenten mit Dumpingpreisen aus dem Geschäft drängen. Konkurrenz muss halt nicht immer das Geschäft beleben, soviel hat man aus der dreißigjährigen Microsoft-Geschichte gelernt.

Preisdumping, Integration ins Betriebssystem und Aufkaufen - das sind bekannte Microsoftmethoden, und Firmen wie Symantec, Sophos, McAffee und Sunbelt bekommen zu Recht kalte Füße. Eine mögliche Verteidigungsstrategie scheint daher die Empfehlung für alternative Betriebssysteme. Das könnte für die Noch-Windows-Abhängigen sogar Sinn ergeben, denn sobald die Anwenderzahl von Mac OS und anderen einen gewissen Punkt überschritten hat, dürften auch bislang unbehelligte Betriebssysteme zum Angriffsziel von Viren und anderer Schadsoftware werden. Dass sie im Ernstfall wirklich sicherer sind als Windows, ist ja nicht endgültig bewiesen.

Leserkommentare
    • macneo
    • 12. Juli 2006 18:30 Uhr

    Monokulturen waren nie besonders gewappnet vor Schädlingen. In der Natur nicht und im PC Mark, wo Microsoft den Markt mit einem Marktanteil von >90 % dominiert, schon überhaupt nicht.
    <br />
    <br />Der Glaube, dass dies alles so toll bequem und praktisch ist, wenn jeder das gleiche System einsetzt ist ein Trugschluss. Kompatibilität und Datenaustausch nicht unbedingt gewährleistet, bei der vielen unterschiedlichen Software die es gibt. Nicht mal Word ist unter sich mit allen Versionen kompatibel.
    <br />
    <br />Irrwitzigerweise stellen viele Firmen auf Windows XP wegen der Sicherheit um. Irgendwer hat den Systemadministratoren und Entscheidern erzählt, dass diese Systeme Sicher sind, obwohl sie es eben nicht sind.
    <br />
    <br />Heterogenen Netzen gilt die Zukunft, damit bei eiem Befall nicht ganze Firmen, gar ein ganzes Land oder die ganze Welt auf einmal ohne Daten dasteht. Man stelle sich nur mal vor ein "böser" Hacker würde eine Schadsoftware schreiben, die alle Daten auf Windows-Systemen löscht, gerade wo Windows 2003 Server immer beliebter wird und die Firmen wie verrückt darauf umstellen, mit zweifelhaftem Ziel der Sicherheit und Kompatibilität. Kompatibilität mit propiretären Sprachen und Formaten, die Einzig Microsoft bestimmt und dominiert und mittlerweile dem geneigten User diktiert.
    <br />
    <br />Deswegen wäre in diesem Artikel eine deutliche Empfehlung schön gewesen. Ja stellt um auf andere Systeme.
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    <br />Vielfalt statt Einfalt.

  1. Viren werden für Microsaft geschrieben, allein des erdrückenden Marktanteiles wegen. Für Mac/Linux lohnte bislang der Aufwand nicht. Wird sich ändern, sicher. Die Virenfreiheit von Non-Gates-System beruht bestimmt nicht auf deren "excellence", sondern schlicht auf ihrem Nischendasein. Warten wir es also beunruhigt ab.
    <br />Solange Bürger Haustür &#38; Wohnungstür verrammeln, jede Mail von "Andrea, I've been missing you" oder "Sparkasse" aber einfach öffnen, ist eh Hopfen&#38;Malz verloren. Nach fünf Jahren in der Erwachsenenbildung weiß ich, dass nicht die Betriebssysteme die Schwachstelle sind, sondern die Anwender.
    <br />Die meisten haben nämlich windows als textprogramm und word als betriebssystem und menüs sind bitte was???
    <br />Insofern halte ich die Empfehlung von Symantec&#38;Co auch nur für das Ergebnis eines gut gesetzten "Beratungshonorars" oder eben einer anderen in der SaureGurkenZeit.

  2. Der Autor dieses Artikel zeigt gleich im Dutzend das er von der Materie keine Ahnung hat.

    <br />

    <br />Sowohl Mac OS X wie Linux (als Gesamtsystem) sind Nischensysteme bei denen der Aufwand für einen Schädling in keinem Verhältnis zum Nutzen steht. Trotzdem, zeigen einige Vorgänge das es natürlich geht, wenn man will.

    <br />So etwa der Slapper-Wurm und sein Abkömmling Devnull die etwa 60% bis 80% aller Apache-Server unter Linux befielen, und immer noch können:

    <br />

    <br />[Link gelöscht, die Redaktion]

    <br />[Link gelöscht, die Redaktion]

    <br />

    <br />

    <br />Und mit der Sicherheit und Stabilität eines Mac ist es auch nicht weit her:

    <br />

    <br />[Links gelöscht, die Redaktion]

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    <br />Ansonsten sollte man vielleicht mal im MacUser-Forum mitlesen: [Link gelöscht, die Redaktion]

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    <br />Ihre Behauptung Herr Nico Brünjes: "... Falls Microsoft den Markt für Sicherheitssoftware auf ähnliche Weise angeht, stehen der Computersicherheit dunkle Zeiten bevor.

    <br />", ist schlicht polemischer Quatsch. Die Aufforderung der AntiViren-Hersteller ist blanke Panik, weil MS in den betreffenden Markt einsteigen will und das auch noch mit einem kostenlos mitgelieferten Produkt. Und dieses Produkt ist garantiert nicht schlechter als das Zeugs was bis heute verkauft wird, eher besser.

    <br />

    <br />Auch Ihre Bemerkung zum Internet Explorer ist nur Nachgeplapper wie man es aus einschlägigen Foren kennt. Bei richtiger Einstellung ist ein IE sicherer als der OpenSource-Krempel der von der Anti-MS Front immer empfohlen wird. Falls Sie mir nicht glauben sollten, hier eine kleine aber feine Auswahl:

    <br />

    <br />[Link gelöscht, die Redaktion]

    <br />Mozilla und Firefox geben sensible Informationen preis

    <br />

    <br />h[Link gelöscht, die Redaktion]

    <br />Exploit für Sicherheitslücke in Firefox 1.5 öffnet shell

    <br />

    <br />[Link gelöscht, die Redaktion]

    <br />In der Version 1.5.0.1 haben die Entwickler einige Sicherheitslöcher gestopft, Speicherlecks abgedichtet

    <br />

    <br />Es ist also keineswegs eine schlechte Idee von Microsoft, wenn es in den Markt für mehr Sicherheit eintritt.

  3. @macneo - gehen wie gleich "in concreto":
    <br />
    <br />Ihr Vergleich der Natur mit einer technischen Angelegenheit ist Quarsch! Ist es nicht immer, aber hier!
    <br />
    <br />Natürlich wäre es praktisch gesehen gut, wenn alle das gleiche System einsetzen würden, wenn es vollständige Kompatibilität gäbe. (Können Sie sich vorstellen wie es aussähe, wenn es den Ur-Meter nicht gäbe sondern immer noch die "Ellerei"?).
    <br />
    <br />Natürlich ist Word kompatibel zu älteren Versionen, und ebenso natürlich ist, daß die Rückwärtzkompatibilität ihre Grenzen haben muß.
    <br />Auch für das Lieblingskind des BRD-Michels gibt es nicht bis in die Ewigkeit Ersatzteile!
    <br />
    <br />Windowssysteme sind sicher, wenn man sich mit ihnen beschäftigt und sie entsprechen konfiguriert. Ihre Aussage über Windows xp zeigt nur, daß Sie keine Ahnung über Betriebssysteme haben. Der erste Grundsatz in dieser Hinsicht lautet nähmlich, ein BS ist so sicher wie der Admin gut ist. Oder eben nicht!
    <br />
    <br />"Heterogenen Netzen gilt die Zukunft..." - Das ist schlicht unqualifizierter Blödsinn! Für einen Angreifer der so etwas wie einen Slapper oder Sasser schreiben kann ist die entsprechende Anpassung an sog. heterogene Systeme kein Problem; nur Schreibaufwand.
    <br />
    <br />Im übrigen, wenn Sie auch nur die geringste Ahnung hätten dann wüßten Sie, daß zum Beispiel ein ix-System (etwa Linux, Mac OS X) viel leichter zu demolieren ist als ein Windowssystem. Bei den ix-Systemen brauche ich bloß das "/home"-Verzeichnis löschen und bewirke damit einen "Supergau" für den betreffenden Nutzer.
    <br />
    <br />Es war gut, daß sich der Autor wenigstens Ihre letzte ebenso unqualifizierte Empfehlung verkneifen konnte.
    <br />
    <br />Fazit:
    <br />Schuster bleib bei Deinen Leisten!

  4. Kann mir nicht vorstellen, dass unter Linux das Antiviren Geschäft besonders gut laufen wird.
    <br />Linux ist aus folgenden Gründen dafür kaum anfällig:
    <br />* Es gibt nicht DAS Linux. Linux ist nur eine Idee. Fertige Produkte werden von Distributoren geschnürrt. Es wird sicherlich die eine oder andere Distribution geben, die für einen Virus anfällig ist. Der Virus wird jedoch sicherlich nicht von einer Distribution auf die andere springen können. Unterschiedliche Programmversionen, Einstellungen etc. werden da dem Virus im Weg sein.
    <br />* Software Design Fehler wie zB ActiveX wurden/werden vermieden
    <br />* Es gibt für fast jede Aufgabe mehrere Programme. Ein Virus kann sich immer nur auf ein Programm konzentrieren.
    <br />* Linux ist Open Source. Es ist sicherlich viel spannender, Sicherheitslücken dem Author des Programmes mitzuteilen oder sogar selbst zu fixen und dadurch bekannt zu werden, als mit der ständigen Angst entdeckt zu werden Viren zu schreiben.
    <br />

  5. 6. och ne

    ein Heise-Troll hat sich im Die Zeit-Forum verirrt: AnathemaX.
    <br />Und gibt den gleichen Unsinn von sich, wie die trolle im Heise-Forum. Oh schreck.
    <br />
    <br />Gruß

  6. ...falsch ?! Aus guten Gruenden gibt es seit Jahren keinen Viren-Scanner auf meinen WinX-Rechnern mehr. Die Anwender die ich betreue oeffnen so ohne weiteres keine E-Mail Anhaenge. Klar - es gibt immer einen Router im Netz und mag das Netz noch so klein sein - und eben konsequent keinen IE oder Outlook. Es gibt dann KEINE Probleme - wenigstens bis jetzt nicht !
    <br />
    <br />Gruss,
    <br />Klaus

    • DJGHH
    • 12. Juli 2006 23:18 Uhr

    Ich kann es nur bestätigen. Andere Betriebssysteme bringen langfristig nicht viel (Ich arbeite mit Linux seit Kernel 0.99 oder so), auch wenn das nicht verkehrt ist. Ich kann mich noch an die DEC-Zeiten (Digital Equipment Corp.) erinnern. Die ersten Viren, von denen ich gehört habe, waren für VMS (damals noch nicht OpenVMS). Von Amiga, Atari, Apple II und Co, will ich gar nicht reden.
    <br />Es ist auch ein Irrtum zu glauben, dass die Virenschreiber ihr Unwesen für den ewigen Ruhm treiben. Es ist ein hartes Geschäft, in dem die Antivirensoftware nur ein Teil ist. Es sei an DDoS Attacken erinnert oder Spam- Aktionen.
    <br />Somit kann man nur sagen: wenn du nicht weiß, worum es geht, dann geht es ums Geld.
    <br />

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