Arbeitsmarkt Streit um Kombi-Lohn
Franz Müntefering bekommt derzeit Schläge von allen Seiten. Sein Kombilohnmodell wird sowohl von Unions- als auch von SPD-Seite kritisiert.
Die Kombilohnpläne von Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) stoßen innerhalb der Bundesregierung auf Skepsis. »Dieser Vorstoß scheint mir noch nicht ausgereift«, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Hartmut Schauerte (CDU), am Dienstag im ZDF-»Morgenmagazin«. Im Wirtschaftsministerium sei man »etwas überrascht und skeptisch«.
»Ich sehe wenig Philosophie und wenig gedankliche Anstrengung, wie wir Missbraucheffekte, Drehtüreffekte vermeiden können«, kritisierte Schauerte. Beim Kombilohn für die über 50-Jährigen und die unter 25-Jährigen gehe es um ein Drittel aller Arbeitsplätze in Deutschland. »Wenn man da die falschen Akzente setzt, kann man so viel Geld los werden, wie wir nirgendwo schöpfen können.«
Müntefering will mit seiner »Initiative 50 plus« Arbeitslose über 50 Jahre mit Lohnkostenzuschüssen wieder in den Arbeitsmarkt bringen. Außerdem sollen Unternehmen Zuschüsse bekommen, wenn sie ältere Arbeitslose einstellen. Müntefering will so bis zu 100.000 Arbeitslosen wieder eine Stelle verschaffen.
Schauerte bezweifelte im ZDF diese Zahl. »Das ist eine vollkommen willkürlich gegriffene Zahl, mit der er eine Modellrechnung aufbaut.« Schon jetzt gebe es eher zu viel als zu wenig Transfergelder im Arbeitsmarkt. »In kein Arbeitsmarktsystem der Welt fließt so viel Geld wie in das deutsche - und dennoch sind wir nicht effektiv.« Es sei wahrscheinlich nicht ausreichend, einfach nur auf der Ausgabenseite etwas draufzulegen.
Grundsätzlich zeigten sich einige Unionspolitiker zwar erfreut darüber, dass Müntefering das Modell, das ursprünglich ein Unions-Vorschlag gewesen sei, aufgreifen wolle. Vielen geht Münteferings Vorschlag aber nicht weit genug. »Es ist positiv, dass jetzt auch die SPD den Kombilohn als wirksames Mittel gegen Langzeitarbeitslosigkeit betrachtet«, sagte CSU-Generalsekretär Markus Söder dem
Handelsblatt
. »Allerdings muss es auch für junge Arbeitslose eine gezielte Förderung geben.« Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Ralf Brauksiepe (CDU), nannte Münteferings Vorschläge »bemerkenswert«, nachdem sich die SPD ursprünglich gegen die Idee des Kombilohns gewehrt habe. »Unsere Vorstellungen sind aber noch ambitionierter. Man sollte versuchen, mit dem Kombilohn eine deutlich sechsstellige Zahl von Menschen zu erreichen.«
Ablehnend äußerte sich dagegen der Unions-Mittelstand. »Wie Müntefering das plant, geht das nicht«, sagte der Vorsitzende der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung (MIT), Josef Schlarmann, der
Berliner Zeitung
. »Das ist nur ein Kurieren an Symptomen, das Kosten für die öffentlichen Kassen verursacht und damit die Lohnnebenkosten und die Steuern erhöht. Gleichzeitig wird es erhebliche Mitnahme-Effekte geben. Positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sind nicht zu erwarten.« Schlarmann plädierte für die Schaffung eines funktionierenden Niedriglohnsektor. »Dafür muss das Arbeitslosengeld II so weit abgesenkt werden, dass es sich wieder lohnt, zu Marktlöhnen zu arbeiten.«
- Datum 18.07.2006 - 12:42 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 18.7.2006
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Es ist einfach traurig zu sehen, wie die Arbeitnehmer
ab einem bestimmten Alter einfach so zum alten Eisen
erklärt werden.
Unsere Gesellschaft wird aber nicht mehr ewig dem
Jugendwahl hinterherlaufen können. Wir werden älter
und es werden wieder mehr ältere Arbeitnehmer gebraucht
werden.
Den Unternehmen geht es offensichtlich sowieso nicht um
einen erfahrenen Arbeitnehmer, sondern einfach nur um
neue junge Arbeitnehmer, die in erster Linie einfach
erstmal wenig kosten.
Das die Unerfahrenheit der jüngeren die Beriebe unter
Umständen viel Geld kostet, daß interessiert komischer
Weise niemanden.
Man erinnere sich an seine tolle 1 Euro Job Idee. Ein weiterer Vorschlag zur Vernichtung normal bezahlter versicherungpflichtiger Arbeit. Ich frag mich sowieso, welcher eingriff in den Arbeitsmarkt einen positiven Beschäfftigungseffekt hatte, ich meine außerhalb der BA.
die Zielstellung, ältere Mitbürger wieder verstärkt in Lohn und Brot zu bringen, in allen Ehren, bin ich doch skeptisch über Lösungsansatz. Wenn man die willkürliche Grenze für die staatliche Förderung an einem bestimmten Alter festmacht, werden hier z.B. 50-jährige gegenüber ihren 49-jährigen Mitbewerbern gezielt benachteiligt. Wie ich unsere gesetzgebungswütigen Allgemeinverwalter kenne, werden sie zwar versuchen, dies durch eine Reihe von Zusatzbestimmungen zu verhindern, eine praktikable oder gar zielführende Lösung ist davon jedoch nicht zu erwarten.
Es ist andererseits auch völlig unausgegoren, das Renteneintrittsalter anzuheben, wenn der Arbeitsmarkt offenkundig bereits jetzt nicht so viele Arbeitskräfte benötigt wie ihm zur Verfügung stehen (unbesehen von Alter und Qualifikation)
Vielleicht sollten die Damen und Herren Staatslenker sich mal Gedanken über ein neues gesellschaftliches Konzept machen, dass über die zwanghafte Erwerbstätigkeit um jeden Preis hinaus geht. Es gibt sicherlich viele Dinge zwischen Himmel und Erde, die sinnvollerweise getan werden könnten, die jedoch nicht so lukrativ sind als dass sie dem Verichtenden ein Auskommen beschehren.
Dort gehört m.E. der Hebel angesetzt.
Der Skandal, das in Deutschland aktuell kaum noch Arbeit zu existenzsichernden Löhnen an über 45jährige vergeben wird, wird von Lobbyisten des Mittelstandes jetzt also sogar noch getoppt, indem als nächster Schritt schon die Absenkung des ALG 2 ins Visier genommen wird.
Mit dieser bestimmt auch noch als intelligent angesehenen Kombinatorik mancher Fortschrittsmuffel aus der CDU, die es den Sündern an der Steuerfront zudem besonders gern leicht machen, rückt der Abgrund für die deutsche Demokratie, die sich seit 1989 mit einem "Riesenalimentationsproblem" rumschlagen muss, ein beträchtliches Stück näher.
Vorbei die Zeiten, als Ernst U. von Weizsäcker mit "Faktor 4 Doppelter Wohlstand halbierter Naturverbrauch" den Weg aus dem selbstverschuldeten Dilemma der konservativen Dickschädel und machtgieriger Interessenverbände wies.
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