Justiz

Ungerechte Härte und Milde

Die Urteile im italienischen Fußballskandal sind gefällt - ein neuer Skandal wird geschaffen.

Rom - Nach dem allgemeinen Freudentaumel über den WM-Sieg folgt die Guillotine der Sportjustiz. Im Urteil gegen die Drahtzieher des italienischen Manipulationsskandals sprach das Sportgericht drakonische Strafen aus: Der italienische Rekordmeister Juventus Turin muss in die zweite Liga, in die Serie B, absteigen und erhält zudem für die kommende Saison 30 Punkte Abzug. Nach dem Urteil muss Juventus Turin zum ersten Mal in seiner 109-jährigen Geschichte in die Zweitklassigkeit - und das für mindestens zwei Jahre. Denn mit dem zusätzlichen 30-Punkte-Abzug ist für den Verein nicht an einen sofortigen Wiederaufstieg zu denken. Der AC Florenz und Lazio Rom steigen ebenfalls in die Serie B ab – Florenz mit zwölf, Rom mit sieben Punkten Abzug. Allein der AC Mailand kann in der ersten Liga, der Serie A, bleiben, darf aber nicht an den europäischen Wettbewerben teilnehmen und erhält für die kommende Saison einen 15-Punkte-Abzug. Von Amnestie nach dem WM-Titel konnte keine Rede sein.

Anzeige

Der kommissarische Leiter des italienischen Fußball-Verbands, Guido Rossi, wollte, dass das Sportgericht ein Exempel statuiere. Die Urteile in dem Fußballskandal, der nach FIFA-Präsident Joseph Blatter "beispiellos" ist, sollten abschrecken und von Säuberungsaktionen gefolgt werden. Doch am Ende entpuppten sie sich als beispiellose "Skandalurteile", wie sogar die römische Sportzeitung Corriere dello Sport kommentierte, die in ihren Kolumnen der vergangenen Wochen vom Sportgericht ein hartes Durchgreifen verlangt hatte.

Allenthalten herrschte Fassungslosigkeit darüber, dass die Richter offenbar mit zweierlei Maß gemessen hatten. Sie hatten zwar mit ungekannter Härte Juventus Turin, den AC Florenz und Lazio Rom getroffen, doch den AC Mailand behandelte das Gericht mit unerklärlicher Milde: Der Klub wird auch in der nächsten Saison in der Serie A spielen und am UEFA-Cup teilnehmen. Empoli, der Verein, der nach Mailands rückwirkendem 44-Punkte-Abzug für die vergangene Saison vor Mailand rangieren würde, hat sich nämlich nicht für eine Teilnahme am europäischen Wettbewerb angemeldet. Die Mailand-Führung fühlt sich dennoch als Opfer der Justiz. Von einer "außerordentlichen Ungerechtigkeit" war in einem Kommuniqué die Rede.

Zentrale Figur des Fußballskandals ist der Ex-Manager von Juventus Turin, Luciano Moggi. Wie ein Krake beherrschte er beinahe die gesamte Serie A. Über ihn verhängte das Sportgericht ein mindestens fünfjähriges Berufsverbot sowie eine Geldstrafe von 5000 Euro pro manipuliertem Spiel. Die gleichen Urteile ereilten den ehemaligen Juventus-Turin-Geschäftsführer Antonio Giraudo, den Florenz-Präsidenten Andrea Della Valle und dessen Bruder Diego sowie den Lazio-Rom-Präsidenten Claudio Lotito. Für zwei Jahre gesperrt wurde auch der Vizepräsident des AC Mailand, Adriano Galliani. Und der ehemalige Verbandspräsident Franco Carraro und sein Vize Innocenzo Mazzini werden für fünf Jahre gesperrt. Daneben werden insgesamt acht Schiedsrichtern und zwei Linienrichtern die Lizenzen entzogen. Alle betroffenen Klubs haben angekündigt, in Revision zu gehen. Roms Präsident Claudio Lotito kündigte sogar an, nötigenfalls bis zum Europäischen Gerichtshof zu kämpfen.

Tatsächlich enthält das Urteil Ungereimtheiten. "Wir können nicht verstehen, warum wir den diesjährigen Meistertitel aberkannt bekommen, obwohl die letzte Meisterschaft gar nicht Gegenstand der Ermittlungen war", sagte der neue Juventus-Turin-Präsident Giovanni Cobolli Gigli. Der börsennotierte Klub hatte seine gesamte Führung ausgewechselt und man zeigte Kooperationsbereitschaft, was eine "interne Säuberungsaktion" anging. Noch etwas wunderte die Klubführung: Bereits am Morgen nach der Verkündung waren die Urteile in der Mailänder Gazzetta dello Sport zu lesen gewesen, lediglich die Punkte-Zahlen bei den Abzügen wichen vom tatsächlichen Urteil ab. Es muss also in der Richterkommission eine undichte Stelle gegeben haben, die die Presse informierte.

Mailand-Präsident und Medientycoon Silvio Berlusconi kündigte ebenfalls an, in Revision zu gehen. "Wenn wir in der Serie A bleiben dürfen", argumentierte er, "heißt es, dass wir nicht schuldig sind." Schon in den Tagen vor der Urteilsverkündung hatte der Oppositionspolitiker geschickt Interviews lanciert, in denen er sich wieder einmal als Opfer einer Verschwörung sah – für ihn hat gewissermaßen alles schon mit dem Fußball angefangen.

 
Anzeige
Leser-Kommentare

  1. aber ich wollte an dieser stelle (vielleicht ist es auch die falsche) nur mal sagen, wie sehr mich diese bekloppte werbung auf der hauptseite nervt. dieses werbefenster, das einem beim lesen permanent penetrant die sicht verdeckt und dann noch dieses monotone wellenrauschen im hintergrund, das jedes mal kommt wenn man zur hauptseit zurückkehrt. verdammt! den verantwortlichen fehlt das nötige feingefühl für ihre leser! respektlos diese werbemsche!

  2. 2. \N

    Klickt man den "schließen"-Button an, geht das Werbefenster
    erst recht auf. Man könnte in die Tischplatte beißen wegen dieser zwangsweisen Werbebeglückung!

    • 16.07.2006 um 19:23 Uhr
    • Mzungu

    Safari / Mac OS X. Firefox kanns auch.

  3. Wenn man die letzte WM in D betrachtet und die Italiner mal genau verfolgt hat: Zweifelhafter Elfmeter in letzter Sekunde gegen Australien; Komplott gegen Frings; die bewußte Provokation Zidanes, dann muß man feststellen:
    Gegen die Aktivitäten Italiens in Sachen Fußball ist der Radsport geradezu blütenweiß. Selten wurde eine Trophäe sportlich gesehen so entehrt wie der WM-Pokal durch die Italiener. Und das setzt sich in der ital. Liga fort bzw. vice versa.
    Vielleicht sollte man bei manchen Fifa-Mitgliedern bzw. Schiedsrichtern mal die Kontobewegungen beobachten.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service