Naher Osten Sprengsatz Iran
Der Libanonkonflikt birgt die Gefahr eines großen Krieges. Ein Kommentar von Gero von Randow
Nein, das ist nicht bloß eine weitere grausige Szene des nicht enden wollenden Dramas. Der soeben ausgebrochene Libanonkrieg hat machtpolitische Beimischungen, die aus ihm den Beginn einer Katastrophe werden lassen können. Um das zu verhindern, müssen internationale Mächte handeln.
Denn hatte nicht die Analyse des iranischen Atomkonflikts ergeben, dass Teheran die Rolle einer führenden Regionalmacht anstrebt? Es hat keinen Sinn, die Augen davor zu verschließen: Zur Stunde agiert Iran genau so. Dem jetzigen Konflikt waren demonstrative Besuche iranischer Spitzenpolitiker in Damaskus vorausgegangen. Irans Top-Unterhändler Ali Larijani eilte, kaum hatte er am Mittwoch den Europäern die Intransigenz seines Regimes vor Augen geführt, von Brüssel nach Damaskus. Am Donnerstagabend verbreiteten syrische Agenturen die Nachricht, Iran stelle sich schützend vor Syrien, sollte jemand es wagen, das am Konflikt nicht gerade unschuldige Land anzugreifen.
Die beiden Länder haben erst vor kurzem ein Verteidigungsabkommen abgeschlossen; das werden sie nicht aus Langeweile getan haben, sondern erstens aus symbolischen Gründen (um der Welt zu zeigen, dass sie gemeinsam ein Machtfaktor sind), und zweitens vielleicht, um für die jetzige Eskalation vorzusorgen.
Über den Einfluss, den Iran und Syrien auf die Hisbollah ausüben können, mögen die Experten zwar unterschiedlicher Ansicht sein. Aber niemand dürfte auf den Gedanken verfallen, dass Damaskus und Teheran, auf deren Ressourcen die radikale Schiitenorganisation baut, an Entscheidungen größerer Bedeutung unbeteiligt sind.
Diesmal geht es um viel, nicht nur um die Macht im Libanon, sondern auch um die operative Vereinigung radikaler Palästinenser und extremistischer Schiiten sowie, was am Wichtigsten ist, um eine führende Rolle der Achse Syrien/Iran – und damit letztlich um Irans Gewicht. Eben das macht die Angelegenheit so brisant, denn Iran fährt einen Konfrontationskurs nicht nur gegen Israel, sondern mittlerweile gegen alle Mächte der Welt. Selbst die Russen und Chinesen, die sich mit Iran doch eigentlich aus geostrategischen Gründen gut stellen wollen, müssen sich zurzeit dazu bequemen, an einer Politik der Einhegung Teherans teilzunehmen, weil das Regime es einfach zu weit treibt.
Der Weltsicherheitsrat hat, um den iranischen Fall weiterzuführen, soeben das Angebot veröffentlicht, das Iran gemacht wurde und auf das es so wenig ermutigende Reaktionen aus Teheran gibt. Die Weigerung, sich im Juli dazu zu erklären, kann nur bedingt als typisch iranische Verhandlungstaktik interpretiert werden. Der Umstand, dass Iran immer noch auf Zeit spielt, gibt auch Gutwilligen zu denken. Denn wer sich so verhält, hofft ja auf einen günstigeren Zeitpunkt – nur, auf was genau? Eine andere amerikanische Präsidentschaft? Dafür ist der Einsatz zu hoch. Eine Neuordnung der regionalen Kräfteverhältnisse in Nahost? Die dürfte den Iranern keine besseren Karten im Atompoker geben.
Bleibt also noch eine andere Interpretation, nämlich die, dass Iran eben doch heimlich rüstet, womöglich nuklear. Manches spricht dagegen, etwa die Erfahrung, dass Teheran bislang noch jeden Fortschritt seiner Rüstung in Machtpropaganda ummünzte, oder auch, dass zwar Urananreicherung durchaus im Geheimen betrieben werden kann (zurzeit geht das Gerücht um, in Natanz sei noch eine zweite, klandestine Zentrifugenkaskade in Betrieb), der Bau von raketenfähigen Atomsprengköpfen aber eine dermaßen komplexe Operation ist, dass ihre Geheimhaltung nie hundertprozentig sein kann.
Möglich gleichwohl, dass Iran noch für sehr böse Überraschungen gut ist. Denkbar auch, dass das Regime in Teheran einer verhängnisvollen Fehleinschätzung unterliegen könnte und in einer Weise in den Libanonkonflikt eingreift, die den jetzigen Krieg gewaltig ausweiten würde. In Teheran hält man Amerika derzeit für schwach: Weder im Atomkonflikt, noch im Irakkrieg, noch in Nahost oder Afghanistan bestimmt Washington das Gesetz des Handelns, und auch der neue Multilateralismus der amerikanischen Diplomatie dürfte von den Iranern als Schwäche ausgelegt werden.
Was die Machthaber Irans indes nicht übersehen sollten, ist der Umstand, dass sie sich zusehends isolieren. Die jüngste Einlassung ihres Präsidenten Ahmadineschad, dass die „Zusammenarbeit“ mit dem Westen ein Ende finden könne, bedroht sie eigentlich eher selbst. Vielleicht kann die internationale Staatengemeinschaft diese Gefahr dem Regime so vor Augen führen, dass es die Risiken seiner Politik besser einzuschätzen lernt?
- Datum 15.07.2006 - 08:53 Uhr
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Da das Endziel Israels der Angriff auf den Iran sein wird, ist es an der Zeit die Propaganda mit der Wahrheit zu konfrontieren.
Jonathan Steele vom Guardian hat bereits im Juni geschrieben, dass es sich bei dem Irans Präsidenten in den Mund gelegten "Israel von der Landkarte wischen" um eine Fälschung und Propagandalüge handelt.
Was er wirklich sagte war "das Besatzungsregime von den Seiten der Geschichte tilgen", was wohl eine etwas andere Bedeutung haben dürfte. Vor allem dann, wenn er diesen Vorgang mit dem Sturz des Schahs vergleicht...
Nun hätte dies wohl nicht so schön in die Propaganda gepasst um das Feindbild Iran zu zementieren. Die Wahrheit stirbt zuallererst...
Ich kann mich daran erinnern, Herrn von Randow im Kommentar gefragt zu haben, ob er denn Farsi sprechen kann, da er auf diese angeblichen Aussagen Ahmandineschads einstieg und die Panik schürte. Er verneinte dies, mit Hinweis auf die Meldungen der englischen Presseagenturen. Soviel Investigativjournalismus bei einem Thema, dass um nicht weniger als Krieg und Frieden geht ist schon allerhand.
Prüfen Sie meine Aussagen selbst nach, beim Guardian oder auch der galerie-arbeiterfotografie.
PS: Im Spiegel-Interview war von "Wip off the map" übrigens auch nichts zu lesen...
Die gegenwärtige Eskalation bringt dem Iran bereits jetzt 5.5 Millionen US-Dollar zusätzlich pro Tag ein!
"Im asiatischen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI 78,08 Dollar und damit 1,38 Dollar mehr als am Vortag."(1)
Experten halten 80 Dollar für möglich, wenn die Situation in Nah-Ost weiter eskaliert. Das würde dem Iran dann 13 Millionen US-Dollar pro Tag mehr einbringen, wie vor der Entführung des israelischen Soldaten durch die vom Iran kontrollierte Hisbollah! J.S.
( Der Iran förderte letztes Jahr 3.979 Millionen Barrel Erdöl pro Tag.)
1."Öl so teuer wie nie"
http://www.zeit.de/online...
wie wäre denn damit: vielleicht kommt israel die eskalation im nahen osten nicht ganz ungelegen. schließlich gibt es ein grosses problem, das nicht zu lösen scheint: der iranische plan einer atombombe, und damit zusammnenhängend, die permanenten drohungen aus teheran, sei die bombe erst fertig, ließe man sie sogleich auf tel aviv fallen. daß die derzeitigen diplomatischen bemühungen am iranischen entschluß, die bombe zu bauen, nichts ändern, ist so sicher wie nur irgendetwas. und israel hat immer bewiesen, daß es sich stets nur an fakten, nie aber an zusagen hält. nun hat israel - als verteidiger der eigenen grenzen und befreier gefangener soldaten - die möglichkeit, mit einem schlag reinen tisch zu machen: > die unlliebsame neue, radikale regierung der palästinenser wird ebenso in ihre schranken gewiesen wie die lästigen hisbolah-milizen im libanon. > sollte syrien unterstützung zusichern und dann sein wort halten, wären kampfhandlungen gegen den östlichen nachbarn unvermeidbar. höchstwahrscheinlich mit einem raschen (militärisch) positiven ende für israel. dann wäre, in einem aufwasch, der weg frei, um - mit amerikanischer unterstützung - den mullahs im iran ihre atomaren träume zu zerstören oder zumindest um jahre zurückzuwerfen. denn im irak stehen schon die usa und sollte israel frei über syrisches gebiet operieren können, wären militärische luftschläge gegen iranische atomanlagen nicht mehr im bereich des unmöglichen. vielleicht liegen schon pläne in den schubladen in jerusalem und washington.
Falls ich ein Gut verknappe und dadurch den Preis hochtreibe, kann ich den gleichen/höheren Umsatz und Gewinn machen...
Insbesondere dann, wenn die spare capacities bei Null sind.
Umsatz = Preis x Menge
Gewinn = Umsatz - Kosten
Ihr ökonomisches Wissen, sehr geehrter JdotSdot, steht Ihrem politischen in nichts nach.
Die Mathematik widersteht zum Glück dem Fanatismus...
Da wird also der Libanon - die libanesische Bevölkerung - angegriffen, um sie für die "Untätigkeit" der libanesichen Regierung gegenüber der Hisbollah zu strafen.
Diese Argumentation war schon gegenüber der palästinensischen Selbstverwaltung Unsinn, die wie jetzt die libanesische Regierung schlicht nicht in der Lage war, etwas zu erreichen.
Ebensowenig übrigens wie Israel selbst, dass nach langen Besatzerjahren den Libanon verlassen musste, OHNE die Hisbolah besiegt zu haben - und da soll ausgerechnet eine schwache libanesische Regierung mehr Erfolg haben ? Ziemlich unlogisch.
Was, wenn ein Herr Ahmadinedschad mit derselben Begründung die Strasse von Hormuz sperrt, um die westlichen Industrieländer zum Handeln zu zwingen ? Die (Un-)Logik wäre dieselbe - und würde den Westen zumindest wieder mal in Argumentationsnöte bringen.
keine sorge herr randow,
denn selbst wenn das mullah-regime am abgrund steht, werden Sie herr Randow als der üblicher APOLOGET versuchen irgendwas gutes in diesem regime zu finden.
Sie werde die übliche rede/discussion über:
pragmatisten versus fundamentalisten,
reformer verus pragmatisten und fundamentalisten beginnen und sugerieren das man mit dem Regime reden kann.
Warten sie kurz, ich muss mich erst einmal richtig aufrappeln ihrer so vorzüglich vorgebrachten ökonomischen Formeln.
Richtig ist, dass Umsatz = Preis * Menge und Gewinn = Umsatz - Kosten ist.
Nur leider/gott sei Dank hat Iran nicht die Mittel, den Preis symmetrisch über die Menge zu steuern, soll heissen, wenn Iran die Menge an Öl halbieren würde, die sie verkaufen, würde nicht gleichzeitig der Ölpreis um das doppelte steigen, um den Umsatzverlust wieder wettzumachen, und warum das? Ganz einfach, weil der Iran nur einen Bruchteil des gesamten Ölmarkts (kein Monopol) mit Öl beliefert und daher keine solch substantielle Macht besitzt. Ergo ist das Argument von JdotSdot korrekt. Eine einseitige Ölverknappung des Irans würde am stärksten den Iran belasten. Hinzukommt noch, dass im Falle eines höheren Ölpreises der Konsum sinken würde, wodurch wiederum ein sinkender Effekt auf den Preis die Folge wäre.
Bleiben sie lieber bei der iranischen Propaganda, das können sie besser als Ökonomie, da haben sie nämlich nur 0815-Wissen an den Tag gelegt.
Zurück zum Thema: hier wird schön auf die Leiden der Libanesen hingewiesen, die durch die israelische Aggression entstehen. Vollkommen vergessen wird dabei, dass die Libanesen ein Spielball und Spielwiese für Syrien ist, oder will etwa jmd. behaupten, dass das nicht wahr wäre und nur westliche Propaganda sei? Haben diese Leute schon vergessen, wer den libanesischen Präsidentschaftskanditaten ermordet hat, vergessen, wie die Libanesen gegen die Quasi-Besatzung der Syrer auf die Straße gingen. Dieses Verhalten ist heuchlerisch, also wenn Syrien was macht, ist das erlaubt, alles klar.
Richtig Leid tut mir der Kim-Jong Il, da kommt der Typ aus der Grotte hervor, rasselt mit seinen Raketen, um wieder auf dem Radar aufzutauchen, und dann kommen die Hezbollah und die Hamas, machen mal ein wenig Krawall, Israel springt wie ein Bulle auf, und schon vergisst jeder Nordkorea.
Und wieder einmal Krieg. Wieviele iranische Menschen wollen eigentlich Krieg führen, wieviele israelische? Klar, jedes der beteiligten Länder findet einen Grund, damit gesagt werden kann, man verteidigt sich..... . Diese Worte entströmen in diesen Fällen meist dem Staatspräsidenten, hoppla, Stichwort. Das sind doch die lautesten Kriegsschreier! Ein paar Namen gefällig? Kaiser Franz Josef, recht staatsmännisch 1914, "an meine Völker", der Thronfolger war ermordet worden, ein willkommener Grund. Als 1898 die Kaiserin ermordet wurde, weder die Schweiz noch Italien wurde angegriffen. 1939, Hitler, Polen, ohne Worte. 1979, Russland, Afghanistan, ebenso. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Kriege werden von den Machthabern erklärt, ausbaden muß diese Entscheidungen das Volk.
Nun ist es mal wieder soweit, mit den üblichen Verdächtigen, wer nicht mitschreit, wird ( noch nicht ) erschossen. Kollaborateur, versteht sich. Hoffentlich besinnen sich noch einmal alle Beteiligten.
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