Mein Leben mit Musik (27) Ich gründe ein Label

Die eigene Plattenfirma: Welcher Musiker träumt nicht davon? Fette Rhythmen, fingerdickes Vinyl, ganz einfach. Bloß einen Namen muss man finden. Unser Autor sucht seit Wochen. – Erfahrungen aus dem tönenden Alltag

Manche Menschen denken von uns Musikern, wir hätten das beste Leben der Welt. Wir würden immer gefeiert und würden auch selbst immer feiern, würden nur hin- und wieder einmal ins Studio gehen, um unter Drogeneinfluss ein paar Liedchen zu trällern, die uns dann unsere Millionen einbrächten, mit denen wir weiter feierten und einmal im Jahr zur Blutwäsche in die französische Schweiz führen. Das entspricht auch fast der Wahrheit, wären da nur nicht diese kleinen Unannehmlichkeiten, mit denen wir uns ständig herumschlagen müssen, wie beispielsweise die Suche nach einem geeigneten Namen für ein neu gegründetes Plattenlabel.

Um unsere elektronische Tanzmusik zu veröffentlichen, erwog ich vor zwei Monaten mit zwei Kollegen die Gründung eines eigenen Plattenlabels. Das geht ganz einfach, man sagt nur: „Wir machen jetzt ein eigenes Label“, überlegt sich bei einem kühlen Weißbier auf der nächsten gemeinsamen Zugfahrt einen Namen, und fertig ist die Plattenfirma.

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Kaum ein Mensch kann sich allerdings vorstellen wie schwierig es ist, einen guten Namen dafür zu finden. Immerhin muss man diesen in der Zukunft (sollte das Label überhaupt eine solche haben) ganz oft schreiben oder sprechen, und man will sich natürlich auch nicht mit so banalen Titeln wie „Träx“ oder „Quite Cool“ zufrieden geben.

Apropos „Quite cool“: In unserer Nachbargemeinde gibt es ein Bekleidungsgeschäft, welches den Namen „Quiet Cool“ trägt und ihn in riesigen Lettern, auf Hauswand und Leuchtreklame gedruckt, dem Passanten präsentiert. Wann immer ich den Namen lese, frage ich mich, ob die Besitzer den Laden absichtlich „Quiet Cool“ genannt haben, weil sie auf „stille Kühlheit“ stehen, oder ob sie den Namen in der Annahme gewählt haben, „ziemlich cool“ würde mit „ quiet cool “ übersetzt. Möglicherweise waren sie auch noch cooler und haben das „t“ und das „e“ absichtlich vertauscht, nur um sich einen Spaß zu machen mit Typen wie mir, die ihnen dann sogar noch zu kostenloser Publicity verhelfen. Vielleicht war es aber auch der Grafiker, der beim Erstellen der Druckvorlagen – von seinem quasselnden Büronachbar genervt und sich nichts sehnlicher als ein wenig Stille wünschend – „Quiet“ anstatt „Quite“ in seinen Computer schrieb, quasi als freudschen Vertipper.

Nun, die Bahnfahrt beginnt, das Weißbier ist bestellt: Man könnte natürlich bereits existierende Label- oder Firmennamen so verändern, dass wieder etwas Neues und Lustiges dabei entsteht. Da hieße unser Label dann etwa „Zony BtmG“, „B Kitsch Control“ oder „Rotor“. Aber mal ehrlich, lustig ist so etwas schon lange nicht mehr.

Des nachts im Tanzclub gibt es zwischen zwei DJs, bzw. einem DJ und einem Clubbesucher eine stets wiederkehrende Kommunikation, die wie folgt abläuft:

DJ (inaktiv) bzw. Clubbesucher: „Hey, was läuft denn da für eine Platte?“

DJ (aktiv): „Das ist eine neue Platte aus dem Wignomy-Brothers-Umfeld.“

DJ (inaktiv) bzw. Clubbesucher: „Ah, und auf welchem Label kommt die raus?“

DJ (aktiv): „Auf Musik Krause!“

Was liegt also näher, als ein auf Tanzmusik spezialisiertes Label mit einem Namen zu versehen, der mit dem häufig vorangestellten „auf“ eine witzige Bedeutung bekommt oder interessant klingt?

Da fallen mir sofort einige Möglichkeiten ein, wie zum Beispiel „Drehen“, „Wiedersehen“ oder „Brezeln“. Das ergäbe in DJ-Gesprächen demnach „aufdrehen“, „auf Wiedersehen“ oder eben „aufbrezeln“. Für den Anfang ja schon Ordnung, aber da gibt es noch Besseres und Subtileres wie zum Beispiel „Biegen und Brechen“ oder „Smaul“, was zu folgendem Dialog führen könnte:

Leser-Kommentare
    • 3000
    • 16.07.2006 um 19:00 Uhr

    und nach artikel fast ebenso auf den namen, wie auf das label. nur schade, so sagt ein teil von mir, dass die musik schon da ist.

    grüße,
    rené / holz

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