Öko-Investments Grün als Glaubensfrage
Nachhaltigkeitsfonds versprechen ordentliche Renditen. Das gute Gewissen für den Anleger gibt es obendrein. Aber längst nicht alle legen gleich strenge Kriterien an.
Gute Rendite mit gutem Gewissen - das ist das Motto von Anlegern, die auf nachhaltige oder grüne Aktienfonds setzen. Dabei soll das angelegte Kapital nicht nur einen guten Gewinn abwerfen, sondern auch ein verantwortungsbewusstes Wirtschaften unterstützen. Die steigende Nachfrage nach ethisch und ökologisch unbedenklichen Kapitalanlagen hat dazu geführt, dass immer mehr Anlagefonds unter dem Begriff "Nachhaltigkeit" firmieren und damit sogar ordentliche Renditen erwirtschaften.
Ein Paradebeispiel scheint auf den ersten Blick der "Equity Fund Green Invest" von Swisscanto, der Fondsgesellschaft der schweizerischen Kantonalbanken zu sein. Nicht nur grün, sondern äußerst erfolgreich noch dazu - so präsentiert sich der Fonds, der laut Fondsmanagement weltweit vorwiegend in Unternehmen investiert, die "den Grundsätzen der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit Folge leisten". In den letzten drei Jahren legte der Fonds um insgesamt 89 Prozent zu, während der MSCI-Weltaktienindex als Vergleichsmaßstab nur um 51 Prozent stieg.
Wer jedoch in den Fondsberichten nachschaut, mit welchen Aktien solche Gewinne möglich sind, steht vor der Frage: Wie grün ist dieser Fonds wirklich? Zwar ist derzeit der Sonnenenergiekonzern Solarworld das größte Einzelinvestment, doch dicht dahinter folgen der Pharmakonzern Johnson & Johnson, der Konsumgüter-Multi Procter & Gamble, die Bank of America und der Computerkonzern IBM. Das sind Unternehmen, die nicht unbedingt das Image von grünen Pionieren haben.
Nicht viel anders sieht es oftmals beim Blick in die Zusammensetzung anderer Anlagefonds aus, die ebenfalls unter der grünen Flagge der Nachhaltigkeit segeln. Beispielsweise beim "Global Sustainability"-Aktienfonds von Allianz und Dresdner Bank: Dort tummeln sich dann Unternehmen wie der Autokonzern Toyota, der US-Elektrokonzern General Electric, die Citigroup oder der Pharmakonzern Pfizer. Die Zahl der unterschiedlichen Grün-Schattierungen ist groß: Praktisch jeder Fondsmanager legt die Kriterien von nachhaltigen oder ethischen Investments anders aus, bestätigt Natalia Siklic von der Fondsratingagentur Morningstar: "Einheitliche oder verbindliche Standards gibt es nicht."
Anders ausgedrückt: Nachhaltig muss noch lange nicht grün sein. So kommt bei einer Nachhaltigkeits-Auswahl meist der so genannte Best-In-Class-Ansatz zum Tragen. Innerhalb der jeweiligen Branche werden die Unternehmen bevorzugt, die in Bezug auf Umweltschutz und Sozialstandards die strengsten Kriterien anwenden. Dann sind zwar beispielsweise Ölkonzerne im Depot, die bei der Ölförderung die wenigsten Umweltschäden verursachen - aber ausgeschlossen ist diese Branche keineswegs. Ein wichtiger Nachhaltigkeits-Aktienindex ist der Dow Jones Sustainability Index (DJSI) , der nach diesem Prinzip gestrickt ist und alle Branchen umfasst. Wichtige Indexvarianten sind der DJSI Global mit mehr als 300 Aktien aus der ganzen Welt und der DJSI Stoxx mit 160 europäischen Aktien.
Ausschlusskriterien für ganze Wirtschaftszweige gibt es oft erst beim "ethischen" Investment, das häufig bei institutionellen Anlegern aus dem kirchlichen Bereich anzutreffen ist. Dort sind dann aus Gründen der Glaubensmoral beispielsweise Aktien von Unternehmen tabu, die ihren Umsatz ganz oder teilweise mit Rüstungsgeschäften, Tabak, Alkoholgetränken, Kernkraft oder Glücksspiel machen. "Grüne" Aktienfonds im eigentlichen Sinne wiederum konzentrieren sich auf wenige Branchen. Schwerpunkt sind meist Unternehmen aus den Bereichen Wind- und Sonnenenergie, Naturmedizin, Handel mit ökologischen Produkten, Recycling und Wasseraufbereitung.
- Datum 08.08.2006 - 07:35 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 18.7.2006
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