Satire Die polnische KriseSeite 2/2
Schließlich das Vertreibungszentrum. Nicht leugnen lässt sich eine deutsche Neigung, sich verspätet in die Opferrolle hineinzureden. Wir wollen endlich auch Anerkennung für unsere Vertriebenen, für unsere Opfer!, was schnell einen revisionistischen Unterton bekommt. Dann schwingt nämlich mit, wir hätten die Geschichte so meisterlich "bewältigt" und seien so wunderbare Demokraten, dass wir endlich mal Tacheles über unser Leiden reden könnten.
Viele polnische Ängste mögen übertrieben gewesen sein. Aber verständlich waren sie vielfach dennoch. Im Falle der Satire und ihrer Folgen aber sieht es anders aus: Wenn Präsident Kaczy
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ski glaubt, in Europa müsse endlich mal die nationale Karte gezogen werden "wie es andere auch machen", wenn er einen Diplomaten strafversetzt, der den
taz
-Text (immerhin ein Dokument, das etwas verrät) in die offizielle Pressemappe aufnimmt, wenn er glaubt, es sei nun Sache der Berliner Politiker, das Problem zu bereinigen - dann weist das alles auf ein innerpolnisches Drama hin. Beherrscht wird die Warschauer Bühne derzeit von Politikern, die Schlachten von vorgestern schlagen: die Deutschen, die Brüsseler EU, und, wenn sie nicht mehr finanzielle Hilfe leisten, bald vielleicht auch die hochverehrten USA als Feinde.
Polens Regierungselite wickelt sich in einen Kokon ein, der ihr den Blick auf die Realitäten verstellt.
Aber wir sollten ihn uns nicht verstellen lassen. Polen ist ein modernes Land, mit viel ansteckender Aufbruchstimmung an den Universitäten, erstaunlich europäisch gesonnen und nicht von der Kaczy
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ski-Angst vor dem Souveränitätsverlust an den "Kreml in Brüssel" geplagt, mit enormen sozialen Divergenzen zwischen Stadt und Land, Arm und Reich. Es ist nicht mehr so frühkapitalistisch wie in den neunziger Jahren. Es ist aber auch nicht sozialdemokratisch - Mitte-links ist implodiert. Polen ist ein Land, das wir immer noch nicht hinreichend ernst nehmen oder zu gern ein bisschen paternalistisch behandeln.
Wenn die Herrschaft der Kaczy
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ski-Regierung auf insgesamt zwanzig Prozent der Wählerstimmen basiert, ist das viel.
Polen hat liberalen Geist. Klar, dass nun autonome Kritiker ebenso wie die acht Außenminister oder das Fernsehen möglichst an die Kandare genommen werden sollen. Der autoritäre, antiliberale Umgang mit Minderheiten und mit den freien Medien ist fast das Bedenklichste, was man aus der Berliner Distanz registriert.
Man kann, in der Rolle des "Geisterfahrers", eben auch die eigene Fahrstrecke zur einzig richtigen erklären. Wenn man die Macht hat, die Leute am Steuer auszutauschen, wird man sich noch mehr darin bestätigt fühlen, im Recht zu sein. Den ausländischen Rest, von der
taz
bis zur
Frankfurter Allgemeinen
, kann man dann "antipolnisch" nennen. Man kann "Krise" und "Feuer am Dach" rufen. Das alles wird dennoch nicht in eine deutsch-polnische "Krise" münden. Artikel in Zeitungen, sagt der Regierungssprecher in Berlin, kommentiere die Regierung prinzipiell nicht. Man kann nicht löschen, wo kein Feuer ist. Er hätte auch hinzusetzen können, dass der amerikanische Präsident, derzeit Gast in Mecklenburg bei Frau Merkel, schon viel härteren Satiretests ausgesetzt wurde - echolos.
Präsidenten schießen tunlichst nicht mit Kanonen nach Spatzen, sie sind aus anderen Gründen gewählt. Hierzulande könnte die Warschauer Erregung aber leider das Desinteresse bestärken. Oder aber es entsteht ein Zerrbild von Polen, als sei es so eng, hermetisch rückwärts gewandt, auch provinziell, wie es in dieser Gespensterschlacht scheint. Am Besten, die Polen mit Gesicht, Stimme und Namen, oder auch die Namenlosen, die sich überall in Europa ihr Geld verdienen oder studieren, zeigen einfach unverdrossen weiterhin, wie Polen wirklich ist.
- Datum 13.07.2006 - 08:22 Uhr
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- Quelle ZEIT online
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Ohje, was für eine Analyse... Schuster, bleib bei deinem Leisten...
Es stimmt, es gibt in Polen wesentlich mehr weltoffene und progressive Kräfte, als es so manche ( westliche ) Medienberichterstattung vermuten ließe.
Allerdings schlummert auch noch ein provinzieller, intoleranter, völkischer Ungeist in gewissen polnischen Zirkeln. Wie in so vielen Ländern des ehemaligen Ostblocks, trug die "Käseglocke des realen Stalinismus" dazu bei, dass dort bestimmtes Gedankengut des 19. Jahrhunderts überaus fruchtbar blieb.
Kräften wie der Allpolnischen Jugend oder der PiS ist es geschuldet, dass sich dieser Ungeist nun wieder einer gewissen Popularität erfreut.
So befördern die Kaczynskis genau die Ressentiments, deren Auswirkugen u.a. zahlreiche deutschstämmige Menschen dazu veranlasst haben, Polen zu verlassen.
PS: Besonders was den letzten Punkt betrifft, ist dies ein Teil auch meiner Familiengeschichte.
Erstmal hat das sicher nichts mit katholisch oder nicht katholisch zu tun (wie hier ein Beitrag vermutet).
Schauen wir uns doch Ex- Filmschauspieler, die später in die Politik gehen: Ronald Reagan, Arnold Schwarzenegger, naja und die Zwillinge haben mal in einem Kinderfilm mitgespielt. Vielleicht wären die Beiden der polnischen und europäischen Politik ferngeblieben, wenn sie etwas erfolgreicher in ihrer Schauspielkunst gewesen wären?
Wie wäre eine Neuauflage von den Olsen- Brüdern? Eine Folge in der Egon seinen verschollenen Zwillingsbruder findet und fortan gehen sie gemeinsam auf Raubzüge...
Die plonische Bevölkerung ist zwar äußerst unzufrieden über die jetzige Situation, aber irgendjemand muß die Beiden ja auch mal gewählt haben. Genauso wie irgendjemand ja auch regelmäßig Herrn Lepper seine Stimme gibt, der nun wirklich eine Lachnummer ist, aber von allen polnischen Politikern schon fast am längsten konstant auf der politischen Bühne steht.
Aber überlegen wir doch mal welche Parteien (und Politiker) in den ersten 20 Jahren der jungen Bundesrepublik nach dem Krieg in den Bundestag und die Landtage gewählt wurden... na? Das sind alles noch "Nachwehen" einer jungen Demokratie (denke und hoffe ich), die nach und nach verschwinden werden.
Bei uns gibt es schließlich auch lustige Parteien und verwirrte Politiker (z.B. stellvertr. MP's die gegen Bush demonstrieren / eine ehemalige Staatspartei der letzten Diktatur auf deutschen Boden, die sich versucht schrittweise reinzuwaschen durch eine Fusion mit einer "Westpartei", die selber nicht merkt, das sie nur Mittel zum Zweck ist / die Freunde der MLPD / die braunen Freunde der DVU und NPD, die ebenfalls Lachnummern den Landtagen abliefern, in denen sie sitzen oder saßen... usw.
Wäre alles nicht so schlimm. Schlimm ist nur das solche Politiker (egal welcher verwirrten Gesinnung) auch über unsere Steuergelder entscheiden, sie ausgeben und sogar davon bezahlt werden. Das gilt für polnische und deutsche Steuerzahler gleichermaßen. Aber irgendjemand wählt sie nunmal...
Katholiken, die von der Meinungsfreiheit nichts verstehen? Wo bleibt der Aufschrei hierzulande? Gott behuete, Polen waere ein muslimisches Land. Was haetten Stoiber und Beckstein ueber die Rueckstaendigkeit des Islam geschimpft. Dass sich unter den barbarischen Muslimen noch kein Sinn fuer die Freiheit des Individuums ausgebildet hat. Aber der christliche Nachbar? Ach, die seltsame christlich-stockkonservative Bruderdoppelspitze des polnischen Staates, das ist doch nur eine Ausnahme und sagt sonst nichts ueber die europaeische Kultur aus. Pfui diese Doppelmoral!
Da waren ja sogar die Mullahs schneller zu besänftigen, als sich Rudi Carrel in seiner Tagesschau einmal satirisch gab. Dass sich Polen seit seinem Engagement in der Koalition der Willigen umzingelt fühlt, sollte kein Grund sein, die Fantasie zu ersticken.
Wie schlecht oder treffend auch immer jener TAZ-Artikel geraten sein mag: Offenbar werden darin in konzentrierter Form Eigenschaften des Präsidenten eines befreundeten Nachbarstaats mehr oder weniger gelungen karikiert. Ein Vorgang, der in der Presselandschaft von zig Ländern auf Erden üblich ist und in keiner Weise die diplomatisch völlig unmaßstäbliche Überreaktion der polnischen Regierung erklärt. Ein jämmerlicher und zutiefst anachronistischer Versuch, das Rad der polnisch-deutschen und deutsch-polnischen Entwicklung auch vor der eigenen Bevölkerung zurückzudrehen und eigene gedankliche Ferne zu "Europa" auf fremde Schultern zu laden. Schade um die vergebene Chance und schade für Millionen Europäer, die weniger engstirnig denken als der aktuelle polnische Präsident. Der kann zwar wieder abgewählt werden: Dafür sind funktionierende Demokratien ja immerhin auch noch gut.
Mir kam beim Bild der polnischen Poltik-Zwillinge der erleichterte Gedanke -nur gut dass 'unsere' Politiker nur einmal gibt...
Ist es wirklich so erstaunlich, was in Polen geschieht? Wenn selbst alte Europäer wie Franzose, Niederländer, Dänen ihren (Wirtschafts-)Nationalismus (wieder-)entdecken, dass dann die Neuen (insbesondere die mit großen wirtschaftlichen und politischen Problemen zu Hause) die alten Ressentiments wiederentdecken und als "nationalen Schatz" nutzbar machen wollen?
Man sollte solches Treiben verwundert/interessiert verfolgen und möglichst ignorieren. Demnächst werden ja wieder ein paar Milliarden verteilt, dann kann man sich ja großzügig gegenüber den Quälgeistern zeigen (ist das nicht vielleicht überhaupt der Hintergrund des Aufruhrs??).
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