Robbie Williams auf Welttournee: In den kommenden vier Wochen gibt er elf Konzerte in Deutschland, perfekte Inszenierungen aus Mann, Licht und Ton. Die Fans vor der Bühne sind ebenfalls bestens organisiert: Nach Absprache in Internetforen halten sie zeitgleich Plakate hoch oder schwenken ihre Taschentücher – hingebungsvolle Gesten zur Erheiterung eines launischen Stars. Fünfzehnjährige schreien, quietschen, heulen, schleudern Unterwäsche und Kuscheltiere in Richtung Licht. Viele Baumwollhöschen und Plüschhäschen landen noch vor der Bühne – im Fotografengraben. Da ist jetzt auch genügend Platz. Superstar Robbie Williams: Nun auch unsichtbar BILD

Denn die Journalisten streiken. Es herrscht frostige Stimmung zwischen den deutschen Berichterstattern und dem Management von Robbie Williams. Schon im vergangenen Jahr stellten seine Marketingplaner Richtlinien zur optimalen Ablichtung ihres Produkts auf: Die Fotografen der Presseagenturen sollten sich verpflichten, nur zu bestimmten Zeiten aus bestimmten Winkeln zu fotografieren und anschließend alle Bildrechte der Künstlervertretung zu überlassen. Eine Unverschämtheit, fanden die deutschen Presseagenturen: Sie verzichteten auf die Berichterstattung.

In diesem Sommer gewinnt der Streit nun an Schärfe. Zur Strafe für ihr Aufbegehren bleiben die Agentur-Fotografen von den Konzerten ausgeschlossen. Und wieder streiken die Medien – dpa, AP, AFP und ddp berichten weder in Bild noch in Text. Hendrik Zörner, Pressesprecher des Deutschen Journalisten-Verbandes, hält den Widerstand für gerechtfertigt: „Solche Knebelverträge verstoßen ganz klar gegen das Urheberrecht.“ Internationale Stars hätten diese Praktiken leider in den vergangenen Jahren durchsetzen können. „In den USA ist das gang und gäbe“, sagt er.

In Deutschland schaltet sich jetzt auch das Radio in die Debatte ein. Der öffentlich-rechtliche Popkanal SWR3 zeigt sich solidarisch und beschweigt die Robbie-Tour. Dabei sollte der Sender eigentlich zwei Konzerte am Hockenheim-Ring präsentieren. „Wir hätten zwei Tage lang auf einer eigenen Frequenz ein Robbie-Williams-Radio ausgestrahlt, mit Musik, Interviews und Besucherstimmen. Und wir hätten natürlich im normalen Programm auch über die Konzerte berichtet. Das werden wir jetzt alles sein lassen, sollte es bei diesen Arbeitsbedingungen bleiben“, sagt der SWR3-Programmdirektor Gerold Hug. Es müsse ein gewisser Druck erzeugt werden, damit sich durchgedrehte Managements mal ein paar Gedanken zu ihrem Umgang mit der Pressefreiheit machten.