Gerüchteküche Koch nach Berlin?

Es ist derzeit das heißeste Sommergerücht: Roland Koch könnte doch noch nach Berlin wechseln. Hohen Besuch hatte er jedenfalls am Donnerstag: von der Kanzlerin.

In Hessen hat Angela Merkel viele Dinge getan, die bestimmt unterhaltsamer waren, als im heißen Berlin zu sitzen und über den Zustand der Großen Koalition nachzudenken. Zum Beispiel hat die Bundeskanzlerin vom Darmstädter Satelliten-Kontrollzentrum aus mit dem deutschen Astronauten Thomas Reiter telefoniert, der zur Zeit auf der Raumstation ISS ist. In Seligenstadt aß sie mit den Vertretern hessischer Vereine zu Mittag, und anschließend durfte sie noch den Frankfurter Flughafen besichtigen.

Wenn sie bei ihrem kleinen Sommerausflug allerdings von 150 Journalisten begleitet wurde, dann liegt das nicht an Thomas Reiter, so spannend dessen Weltraumerlebnisse auch sein mögen. Grund ist vielmehr das Gerücht, im Herbst könnte im Kabinett ein Stühlerücken stattfinden, an dessen Ende Merkels Gastgeber vom Donnerstag, der hessische Ministerpräsident Roland Koch, auf dem Sitz des Wirtschaftsministers Platz nehmen könnte. Der als Problembär verunglimpfte Bayer Michael Glos könnte ins Verteidigungsministerium wechseln, was ihm eigenen Angaben zufolge eigentlich immer schon das Liebste gewesen wäre. Aber auch für Verteidigungsminister Franz-Josef Jung gäbe es in diesem Szenario einen Trostpreis: Er dürfte Koch in Hessen ersetzen.

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Seit das Gerücht in der Welt ist, wird es heftig dementiert. „Mit Sicherheit gibt es keinerlei Überlegungen, das Wirtschafts- gegen das Verteidigungsressort zu tauschen“, ließ sich etwa der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber vernehmen. Dass auch der Hauptbetroffene dementiert, versteht sich von selbst. Er wolle Ministerpräsident bleiben, sagt Koch bei jeder Gelegenheit, und dass es ja nicht das Schlimmste sei, wenn man ihm auch ein Ministeramt in Berlin zutraue.

Auf den ersten Blick gibt es mehrere Gründe, die das Szenario als gar nicht so unwahrscheinlich erscheinen lassen. Da ist zum einen die Tatsache, dass Glos als Wirtschaftsminister nicht wirklich Fuß gefasst hat, der Hesse Koch dagegen bei der Industrie ausgesprochen wohlgelitten ist. Zweifelsohne wäre Koch zudem ein starker Minister, möglicherweise würde die Politik der Regierung mit ihm weniger als sozialdemokratisch eingefärbt wahrgenommen. Verführerisch an dem Spielchen ist aber auch, dass der Regionalproporz innerhalb des Kabinetts nicht gefährdet würde. Im Ministerium blieben von Unionsseite zwei Bayern und ein Hesse erhalten.

Bei all diesen Spekulationen fehlt auch nie der Hinweis, dass das Verhältnis Merkel/Koch sich seit der Neuwahlentscheidung im vergangenen Jahr massiv verbessert hat. Wurde Koch lange als wahrscheinlichster Königinnenmörder gesehen, schien er sich mit seiner Rolle als Nummer zwei in der Partei spätestens seit dem Regierungswechsel weitgehend abgefunden zu haben. Im Übrigen ist er seinerseits ebenfalls auf den Erfolg von Merkel angewiesen. Denn für die Landtagswahlen in Hessen 2008 kann er keinen Gegenwind aus Berlin gebrauchen.

Doch es gibt eben auch vieles, was die Überlegungen zum reinen Sommertheater degradiert.  Nicht nur, dass es höchst fraglich erscheint, dass Merkel sich eine Art Nebenkanzler aus der eigenen Partei wünscht, der zudem eher als sie selbst die reine Lehre des Konservativismus vertreten könnte. Auch dass die CSU derzeit keine Ambitionen zeigt, das eigentlich für Edmund Stoiber extra ordentlich aufgebauschte Wirtschaftsministerium aufzugeben, darf man wohl durchaus ernst nehmen.

Leser-Kommentare
  1. :-)))

    • Tau
    • 22.07.2006 um 16:15 Uhr

    Die Tatsache, dass die Gerüchteküche in den letzten Tagen gerade jemanden wie Koch als Reservekanzler in's Spiel bringt, verrät viel darüber, wie verzweifelt die CDU-internen Anti-Merkelianer sind, nachdem Stoiber nur noch zum Bettvorleger taugt.

  2. Ich weis nicht was schlimmer sein wird,
    Hr. Koch weiterhin hier in Hessen ertragen zu müssen oder
    dass er womoglich bald in Berlin Schaden auf Bundesebene anrichten kann.
    Ehrlichgesagt hoffe ich dass das Phänomen Koch bald komplett von der politischen Bühne verschwindet.
    Lügen und Selbstverherrlichung gibt es auch ohne ihn in der Politk genug.
    Wer Studiengebühren und Zeitbegrenzungen und jede Menge andere Schindereien einführt, obwohl er selbst noch in Ruhe mit hoher Unterstützung aus Elternhaus und geradzu traumhaft kleinen Studentenzahlen studieren konnte, hat sowieso nur einen Blick für eigene Interessen.

  3. Wenn sich die CDU jetzt auch noch die grausamste Fehlentscheidung der deutschen Innenpolitik nach 1945 leistet, um einfach ohne Rücksicht auf Mensch und Meinung falsche Ziele durchzusetzen, dann wird der "Tanz der Teutonen" gegen diese totale "Verwilderung der Wirtschaftssitten" sicher ziemlich schmissig ausfallen.

    Ein "brutalstmöglicher Sanierer", dessen Horizont an den Landesgrenzen endet, wird kaum mehr als gekochte Atompilze zustande bringen und der Bürger darf dann auch noch seine Invalidenrente zahlen.

    • walmor
    • 22.07.2006 um 16:01 Uhr

    Es ist schon schlimm genug, dass ein Politiker mit vielen Worten und wenig Inhalt immer wieder für politische Wirren auf Kosten seiner hessischen Mitbürger sorgt, ob Studiengebühren, Flughafen Frankfurt, AKWs etc.
    Ich habe in all den Jahren seiner politischen Verantwortung als Ministerpräsident leider nicht entdecken können, wo ein Roland Koch die gesellschaftliche Weiterentwicklung in Deutschland wirklich positiv beeinflusst hat, geschweige denn die eigentlichen Probleme überhaupt richtig erkannt und benannt hat und auf einer für alle zumutbaren Weise zur Lösung von Problemen beigetragen hat.
    Wer immer noch glaubt, daß jemand, der seine politischen Ziele zu oft mit emotional polarisierender Meinungsmache zu erreichen versucht, richtungsweisend für die Bewältigung der anstehenden gesellschaftlichen Aufgaben sein sollte, der irrt gewaltig.
    Ein Roland Koch würde nur zusätzlich Lunte legen an das Pulverfaß gesellschaftlichen Auseinanderdriftens zwischen Reich und Arm.
    Können wir wirklich jemanden gebrauchen, der gerne zündelt und dann auch noch Feuerwehrmann sein will - aber kein Wasser zum Löschen hat??

  4. Einer brutalststupiden Linken, deren Horizont an den Landesgrenzen endet, wird man wohl am besten gerecht, wenn man ihr in allen Ehren den Deutschen Michelpreis verleiht. Dieses Mützchen würde den alt-68igen Graubärten vielleicht noch einen leichten modischen Touch verleihen und durch erhöhten Wetterschutz möglicherweise zur späten Erleuchtung in kosmopolitscher Hinsicht verhelfen.

  5. ...geht Koch nach Berlin. Dann wird er mal der getürkten SPD-Dame die Leviten lesen. Merkel hat, um an die Macht zu kommen, wichtigste Bereiche geopfert. Das rächt sich nun, denn die CDU stürzt ab. Koch kann das wieder richten.
    Der Atomausstieg z.B. ist neben dem Diskr.-Quatsch ein Beispiel dafür, dass Rot-Grün außer Idologie nichts zu bieten hatte.
    Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!
    Noch so eine Sache: Röttgen geht nicht zum BDI, aber warum bleiben SPD-Parlamentarier in der Gewerkschaft??

  6. So unter zwei den Lüften verbundenen Wesen gesprochen:

    ich hätte mich an Ihrer Stelle statt für eine mit Klischeebomben ausgerüstete Flugstaffel, doch lieber für das von der Sonderkommision zur Abwehr terroristischer Gefahrenmomente geforderte Fluggeschwader entschieden.

    Aber dass ich die Mopsfledermaus gern habe, dass dürfen Sie mir ruhig glauben.

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