Klima Mars am Stiel
Die "Bild" weiß mehr als alle Planetenforscher: Sie enthüllt, dass die brütende Hitze in Deutschland Folge einer speziellen Planetenkonstellation ist.
Laut Bild ist der Mars schuld daran, dass Deutschland derzeit unter einer mörderischen Hitzewelle leidet. Weil der kalte Mars nämlich im Moment besonders weit von der Erde entfernt ist, kann er die Erde nicht mehr so gut kühlen, schreibt Bild . Dazu zitiert das Blatt Planetenforscher und Klimawissenschaftler, unter anderem auch den Berliner Geologen Ulrich Köhler, der für die Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums DLR verantwortlich zeichnet.
Köhler liefert der Bild Argument Nummer eins: Auf dem Mars ist es viel kälter als auf der Erde, nämlich bis zu 150 Grad Celsius. Das stimmt sogar. Was uns das Blatt mit dem Zitat des DLR-Mitarbeiters aber sagen will: Je weiter von uns weg der Nachbarplanet seine Kreise zieht, desto weniger Wärme oder Kälte können die beiden Himmelskörper austauschen.
Klingt logisch, ist aber leider hanebüchener Unsinn. Denn zwischen Mars und Erde fließt nichts, weder Wärme noch Wärmestrahlung. Einzig die vom Mars reflektierte Sonnenstrahlung erreicht die Erde - und selbst wenn sie ausreichen würde, unseren Planeten zu erwärmen, wäre der Effekt umso schwächer, je weiter weg der Mars ist. Nichts mit Klimaanlage, also.
Und auch das zweite Argument könnte einleuchten, wenn es denn wirklich im Zusammenhang mit unserem Hitzeproblem genannt worden wäre. Die Bild hat Gerhard Neukum vom Institut für Planetenforschung an der FU Berlin angerufen und zitiert ihn mit der Aussage, dass die Marsmasse auch einen "gewissen Einfluss auf die Erdbahn- und damit auf den Wechsel heißer und kalter Phasen des Klimas" habe.
In welchem Zusammenhang Neukum das auch gesagt haben mag: Gemeint sind Zeiträume, die das Vorstellungsvermögen der
Bild
offenbar übersteigen. Stephan Gasselt, Stellvertreter von Neukum, fügt hinzu, dass ein Effekt ohnehin nur dann einträte, wenn sich an den immer wiederkehrenden Konstellationen von Erde, Mars und Sonne etwas Grundlegendes ändert- zum Beispiel, wenn die Sonne sich zu einem roten Riesen aufbläht und dann wohl auch den Mars ins Schwitzen bringt.
Aber das dauert eben noch ein paar Millionen Jahre.
- Datum 31.07.2006 - 03:51 Uhr
- Quelle ZEIT online
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Die Bild ist sicher nicht dumm, sie sucht bloß Aufhänger, ich denke, die Leser nehmen das ohnehin nicht ernst, wie Bild vielleicht sich selbst nicht richtig, zumindest angesichts des Erdkerns aus Gold nicht. Außer von Einzelnen. Wie immer.
Aber etwas Anderes: Vakuum ist nicht leer oder konstant Nichts, wie man lernt, dass Division durch Null unmöglich ist.
[Link gelöscht, Die Redaktion]
der auf eine Seite passt, liegt wohl am Orinigal, oder die Buchstaben sind zu klein...
Für die meisten Grundschüler ist der Vergleich mit >BILD< eine Beleidigung
Bei der Zeitung mit den großen Buchstaben scheint in den Redaktionsbüros zur Zeit ein Hitzestau zu sein der den letzten Rest von Logik weichgekocht hat. Im Winter friert der Verstand der Redakteure dann ein und sonst sind sie einfach nur so dämlich.
Aber dass DIE ZEIT Bild liest, ts ts ts...
Vor kurzem erst die Behauptung, der Erdkern sei "aus purem Gold", dann ein Vergleich der Temperaturen in deutschen Städten mit Städten, die auf der Südhalbkugel liegen und jetzt das mit Mars. Es ist ja kein Wunder, wenn heute niemand mehr Physik studieren möchte, lässt doch BILD vermuten, Wissenschaft sei bloßes zusammenfantasieren von Theorien.
Entweder besteht der Erdkern für Bild aus Gold, weil das Textverständnis der Redaktion scheinbar nicht über das eines Grundschülers hinaus reicht und wissenschaftliche Veröffentlichungen (mutwillig?) falsch verstanden werden. Oder eine Story in einem populärwissenschaftlichen Magazin ist nicht sensationell genug und man muss die Geschichte über Dinosaurier im Polarkreis umdeuten und behaupten, dass diese im _Eis_ der Arktis lebten. Dazu entwendet man noch eine Grafik aus diesem Magazin und retuschiert schön viel Eis in den Urwald. Fertig ist die "BILD"-Story. Ein anderer Artikel beschäftigt sich mit der Frage, ob die Erde abstürzen könnte, wenn sich zu viele Menschen auf ihr befänden und wird auch prompt durch einen herangezogenen Experten beantwortet.
Man mag sich des öfteren fragen, für wie voll die Redaktion ihre Leser nimmt. Ehrlich gesagt sollte sich jeder BILD-Leser mal die Frage stellen, ob er durch dieses Blatt nicht auch irgendwie beleidigt wird, in dem er anscheinend für stocknaiv gehalten wird und für diese Bescheinigung auch noch zahlt.
Gewundert hat mich eigentlich nur, dass BILD in diesem Zusammenhang gar nichts von den Marsmenschen erzählt hat, die Deutschland zurzeit mit Hitzewellen bestrahlen ...
In den Zeiten des Neo-Mittelalters werden Extremisten und Alt-68er an ihren Bärten und Haarlocken identifiziert und über das Schicksal der Erde entscheiden Aszendenten und Konjunktionen. Wir wollen nicht wissen was wir tun, sondern glauben, was mit uns geschieht. Die Hängematte der Apokalyptiker wird in diesem überhitzten Sommer in der Bildredaktion noch einige Mythen produzieren. - Leider wird das wachsame Auge der ZEIT nur einen allzu beschränkten Einfluss ausüben können.
Danke.
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