Kuba Der Kampf geht weiter

Fast 50 Jahre stand Fidel Castro an der Spitze Kubas. Ob der greise Revolutionsführer ins Amt zurückkehrt, ist ungewiss – ebenso, was aus dem letzten kommunistischen Land im Westen nach ihm wird

Als die Nachricht kam, wollte sie kaum jemand glauben. Befürchtet hatten es viele Kubaner aber schon lange. Fidel Castro ist so krank, dass er 13 Tage vor seinem 80. Geburtstag seine Ämter an seinen fünf Jahre jüngeren Bruder und Stellvertreter Raúl abgibt. »Wir sind sehr besorgt«, sagte Victor Gonzalez, als er mit anderen Landsleuten die Ankündigung im Fernsehen gehört hatte. »Wir sind es nicht gewohnt, ohne ihn zu sein. Er hat uns so lange geführt.« Ungewissheit begleitet nun eine Zeit des Übergangs, von der sich viele Kubaner einen Wechsel erhoffen und nicht wenige fürchten.

Kubaner sagen üblicherweise nur noch »er«, wenn sie Fidel Castro meinen. Fast 50 Jahre lang stand der letzte Revolutionär des 20. Jahrhunderts als Führer Kubas an der Spitze des letzten kommunistischen Staates der westlichen Welt. Sein Leben ist vor allem geprägt vom Kampf gegen die Großmacht USA. Die kommunistische Schutzmacht Sowjetunion ist zwar bereits vor 15 Jahren zerfallen. Der Inselstaat in der Karibik aber blieb verschont vom Zusammenbruch des weltweiten kommunistischen Systems, dem sich die Castro-Brüder angeschlossen hatten. Der damit verbundene wirtschaftliche Niedergang führte das Land in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts an den Rand einer Katastrophe.

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Doch Fidel Castro hat auch diese Krise überstanden, ebenso wie zahllose Verschwörungen und Attentatsversuche. Im Jahr seines 80. Geburtstages stand er unbestritten an der Staats-Spitze. Und er begann, Kuba nach innen und außen auf die Zeit nach seinem Tod vorzubereiten. An die Stelle der Sowjetunion als engster Verbündeter ist Venezuela getreten. Gemeinsam mit diesem bedeutenden Ölproduzenten war Castro damit beschäftigt, eine lateinamerikanische Front gegen die USA zu zimmern. Venezuelas linkspopulistischer Präsident Hugo Chavez zahlt mit Öl-Dollars, und Kuba steuert die menschliche Energie bei: Ärzte, Lehrer und die Erfahrungen des jetzt erkrankten Revolutionärs.

Fidel Castro wurde als Sohn eines spanischen Einwanderers in dem ostkubanischen Städtchen Birán am 13. August 1926 geboren. Nach dem Besuch einer Jesuitenschule studierte er an der Universität Havanna Jura. Er wurde aber nicht Anwalt, sondern Revolutionär und machte sich daran, die politischen Verhältnisse in seinem Heimatland zu verändern.

Der erste Versuch scheiterte. 1953 stürmte Castro mit seinen Genossen eine Kaserne in Santiago de Kuba, um einen Volksaufstand gegen den Diktator Fulgencio Batista auszulösen. Er wurde zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, aber schon nach 22 Monaten begnadigt. Ende 1956 kehrte er aus dem Exil in Mexiko nach Kuba zurück. 1959 stürzte er nach einem mehr als zwei Jahre dauernden Guerillakrieg Batista. In unmittelbarer Nachbarschaft zu den USA begann Castro, sein Land nach sozialistischen Prinzipien umzugestalten.

Als Washington wegen der Verstaatlichung von US-Eigentum ein bis heute geltendes Handelsboykott erließ, schloss Castro ein Bündnis mit der Sowjetunion, das fast drei Jahrzehnte bestand. In den 90er Jahren eingeleitete Wirtschaftsreformen wurden zum Teil wieder zurückgenommen. Dissidenten wurden verfolgt und eingesperrt, Tausende flüchteten in waghalsigen Manövern über das Meer zum nahen Erzfeind. Stets widersetzte sich Castro allen Forderungen nach einer politischen Öffnung und freien Wahlen. Erst vor wenigen Wochen reformierte er die Spitze der kommunistischen Partei und ließ neue Leute aus den Provinzen in Spitzenpositionen aufrücken. Die Partei soll, so hat es Castro bestimmt, nach seinem Tod der eigentliche Nachfolger werden.

Der Kampf gegen die USA hat das Leben des kubanischen Revolutionärs am stärksten geprägt. Wahrscheinlich gibt es keine Rede Castros, in der er nicht auf den Feind im Norden eingegangen wäre und ihn nicht beschuldigt hätte, die Ursache des wirtschaftlichen Elends in Kuba zu sein.

Den bizarren Höhepunkt erreichte der Streit zu Beginn dieses Jahres. Wutschäumend ließ Castro im Februar in einer Nacht- und Nebelaktion vor der amerikanischen Vertretung in Havanna 138 riesige Masten mit schwarzen Fahnen und Sternen errichten. Sie sollten den Blick auf ein Laufband zugunsten von Menschenrechten in einem der oberen Stockwerke verstellen. Jeder Fahnenmast symbolisiert ein Jahr des Kampfes gegen die Vereinigten Staaten von Amerika seit Beginn des Unabhängigkeitskampfes von 1868. Nun geht der Kampf weiter auch um die Nachfolge Fidel Castros.

 
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