Lebenslagen Extragroschen fürs Alter

Wenn die Kinder flügge werden, ändert sich für Eltern vieles, auch finanziell: Meist bleibt mehr Geld übrig als zuvor. Wie man es sinnvoll nutzen kann, sagt

Die Zeit der großen Ferien ist ja traditionell die Jahreszeit, in der auch Eltern Urlaub nehmen. So mancher Vater und manche Mutter machen da gleich doppelt frei: Sie arbeiten nicht, während ihr Nachwuchs auf eigene Faust unterwegs ist, mit Schulfreunden am Strand, auf Interrail-Tour, im Zeltlager oder wenigstens bei den Großeltern. Endlich ein, zwei Wochen Ruhe!

Aber irgendwann vermissen Eltern ihre Kinder dann doch ganz schrecklich, auch wenn sie das offiziell natürlich vehement bestreiten würden. Vielen wird nämlich in dieser Zeit zum ersten Mal bewusst, wie es ist, wenn die Söhne und Töchter ganz das Haus verlassen haben, etwa, weil sie ein Studium in einer anderen Stadt anfangen oder nach ihrer Berufsausbildung finanziell auf eigenen Füßen stehen. Und plötzlich ist die Frage, wer sich im Alter um einen kümmert und wie man versorgt wird, gar nicht mehr so weit weg die Altersvorsorge wird zum Thema.

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Wie man sie am besten angeht, ist gar nicht leicht zu beantworten. Denn die Ausgangssituationen der Mütter oder Väter kann völlig unterschiedlich sein im Gegensatz zu vorangegangenen Lebensphasen. Wer in den Beruf einsteigt oder, in der Regel etwas später, eine Familie gründet , hat, selbst wenn er aus vermögendem Hause kommt, fast durchweg nur bescheidene finanzielle Mittel zur Verfügung und muss erst Vermögen ansparen . Mit 40 oder 50 Jahren aber, wenn die Kinder schon älter und in der Lage sind, selbstständig Urlaub zu machen, sehen die einzelnen Biografien und damit meist auch die Vermögensverhältnisse sehr unterschiedlich aus.

Wer bis zu diesem Zeitpunkt seines Lebens beispielsweise aufgrund eines bescheidenen Einkommens bei gleichzeitig zahlreichem Nachwuchs die finanzielle Vorsorge zwangsläufig vernachlässigt hat, bekommt nun die letzte Chance, noch etwas für die Altersvorsorge zu tun. Ein Zeitraum von 15 bis 25 Jahren bis zum Beginn der Rente reicht immer noch aus, um privat ein finanzielles Polster zu bilden. Ein Riester-Vertrag ist in diesem Fall erste Wahl. Er bietet älteren Sparern nicht zuletzt den Vorteil, dass sie die Zulagen viel eher ausbezahlt bekommen als jüngere Riester-Anleger. Zudem können Ältere, die ja häufig über ein höheres Einkommen verfügen als Jüngere, stärker von den Steuervorteilen profitieren, die Riester bietet.

Wer zusätzlich noch Geld ansparen will, sollte sich je nach Anlagedauer und persönlicher Risikoneigung für einen Mix aus Aktien- und Rentenfonds entscheiden. Andere Produkte bergen in dieser Lebensphase ihre Tücken. Banksparpläne beispielsweise sind häufig viel zu unrentabel. Ein Bausparvertrag kann zwar auch als reine Geldanlageform genutzt werden, ist aber sehr kompliziert zu handhaben. Eine Lebensversicherung wiederum ist aufgrund des fortgeschrittenen Lebensalters des Versicherungsnehmers sehr teuer, weil der Risikoanteil bei der Prämie entsprechend hoch ausfällt.

Anders sieht die Situation bei denjenigen aus, die fleißig gespart haben. Sie sollten in der Mitte ihres Lebens damit beginnen, ihr Vermögen Schritt für Schritt abzusichern. Wer eine Immobilie besitzt, kann nun meist aufatmen, weil er zum Ende der bald anstehenden Zinsbindungsfrist im gerade auslaufenden Zinstal günstig neu abschließen kann. Wenn möglich, sollte er dabei die Ratenhöhe gleich halten. Was an Zinsbelastung gespart wird, kann in die Tilgung gesteckt werden, sodass die eigenen vier Wände schneller als geplant schuldenfrei sind.

Wenn dann auch noch der Nachwuchs auf absehbare Zeit seine Ausbildung beendet und selbst Geld verdient und zudem beide Partner wieder voll arbeiten können, ist Geld häufig nicht mehr das Problem. Wichtiger ist nun die Frage, wie es angelegt werden soll. Denn bei der Auswahl spielen zunehmend auch steuerliche Gesichtspunkte eine Rolle. Zudem sollte ein großes Sparvermögen möglichst breit gestreut werden, also auf viele Anlageformen verteilt.

Nach derzeitiger Steuergesetzgebung bieten Investments nicht nur in Aktien, sondern auch in außerbörsliche Beteiligungen, Immobilien und Rohstoffe wie etwa Edelmetalle steuerliche Vorteile. Doch der Finanzminister arbeitet eifrig daran, dies zum Ende diesen Jahres, spätestens aber Ende 2007, zu ändern. Dann werden die Karten neu gemischt und welche Regeln dann für jene Anlagen gelten, die ein Sparer bereits besitzt, steht noch lange nicht fest. Vorsorgewillige Bürger steuern in diesem Punkt also derzeit vollkommen Blindkurs.

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