Die Stimmung in der öffentlichen Debatte ist ziemlich aufgeladen, und das spiegelt sich zum Teil auch in den Berichten und Kommentaren in den Zeitungen wider. Gerade Deutschland müsse aufgrund seiner NS-Vergangenheit und des Holocaust ohne Wenn und Aber hinter der Operation gegen die Hisbollah stehen, heißt es auf der einen Seite; von der anderen hört man ähnlich klischeehaft den alten Vorwurf, der Judenstaat hänge immer noch der alttestamentarischen Zahn-um-Zahn-Philosophie an und lasse jedes Maß vermissen.

Wie gehen nun die Medien mit diesem sensiblen Thema in ihrer Funktion als Orientierungsgeber um? Um die im Folgenden ausgeführte Antwort zu umreißen: Sie unterscheiden sich teilweise frappierend voneinander. Dies kann nicht verwundern, bleiben sie doch ihren angestammten Mustern weitgehend treu.

Betrachtet man Studien über die Haltung deutscher Tageszeitungen bezüglich unterschiedlicher Themen, lässt sich ein eindeutiges Links-Rechts-Spektrum erkennen. Für die überregionalen Tageszeitungen bedeutet das: Auf der einen Seite stehen die linke tageszeitung ( taz ) und die Frankfurter Rundschau ( FR ), auf der anderen die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung ( FAZ ) und die Welt ; irgendwo dazwischen findet sich die Süddeutsche Zeitung ( SZ ).

Schon für den Afghanistankrieg galt: Je weiter links eine Zeitung in dieser Skala zu finden ist, desto kritikbereiter war sie bezüglich des Militäreinsatzes. Sowohl die grundsätzliche Frage, ob und warum der Krieg geführt werden solle, als auch strategische Fragen des „Wie“ des Krieges wurden in eher rechten Blättern deutlich positiver beantwortet. Auffälliges Merkmal von Welt und FAZ : Infrage gestellt wurde der Krieg so gut wie gar nicht; wenn Kritik zu finden war, ging es um das Abschneiden des Militärs oder um Einzelfragen wie den Einsatz von Streubomben oder Bodentruppen.

Doch gilt dieses Spektrum auch für den aktuellen Nahost-Krieg? Die Bedingungen sind anderer Natur: Nach dem 11. September fühlte sich der politische Westen noch als „eins“ mit den USA, erst später ging es zum Teil - wie Deutschland - auf Distanz zum Krieg der USA gegen den Terror und gegen Irak; im jetzigen Konflikt ist Europa dagegen (noch) kein Akteur. Zu Bedenken ist ebenso das komplexe Verhältnis der Deutschen zu Israel. Doch um die Frage zu beantworten: Auch für den Nahost-Krieg gilt diese Links-Rechts-Unterteilung, vielleicht gar in einem noch extremeren Maß als beim Afghanistankrieg.

Engagierte Linke

Am häufigsten und intensivsten verurteilt die taz die israelischen Militärschläge. Ganze 22 Kommentare, darunter häufig Leitartikel, befassten sich innerhalb der ersten zweieinhalb Wochen mit dem Thema. Der Tenor fast aller Kommentare: Eine Eskalation müsse unter allen Umständen verhindert werden, Verhandlungen der Israelis mit ihren Kontrahenten seien notwendig, die „blindwütigen“ Militärschläge der israelischen Armee zu unterlassen. Die Berichterstattung fällt umfangreich aus, meist neben dem Aufmacher mehrere Seiten. Häufig zu finden sind Reportagen über das Leid, das der Krieg in beiden Bevölkerungen auslöst.

Daniel Bax beklagt sich in einem Leitartikel in der taz über die Tendenziösität deutscher Medien, die „Israel als das eigentliche Opfer dieses Krieges inszenieren“. Springer-Zeitungen und Die Zeit werden genannt. Weiterhin wendet sich Bax in einer etwas kruden Aufrechnung von Opferzahlen gegen die Ausgeglichenheit in der deutschen Berichterstattung. Wenn sich die Medien demnach bemühen, sowohl von der israelischen Seite als auch von der libanesischen Seite gleichermaßen stark zu berichten, entstehe der tendenziöse Eindruck, „ein israelisches Opfer (sei) so viel Aufmerksamkeit wie zehn Libanesen wert“.