Libanon Freund oder FeindSeite 3/3

Unverhältnismäßige Härte

Das Verhalten der Israelis wird zwar in einem oftmals besorgten Ton erklärt, doch eher werden die Libanesen als Opfer gesehen. Die Haltung könnte man mit Nicolas Richters Leitartikel vom 22. Juli beispielhaft erklären: „Die erste Analyse, Israel dürfe sich zwar verteidigen, schlage aber mit unverhältnismäßiger Härte zurück, trifft bis heute zu.“ Eher noch würden dadurch die Feinde Israels gestärkt, heißt es in zahlreichen anderen Kommentaren. Wo die taz Verhandlungsbereitschaft der Israelis einfordert, sieht die SZ ein Mandat für Friedenstruppen der Vereinten Nationen als Lösungsweg.

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Der Spiegel bezieht keine eindeutige Stellung. Im gewohnten Magazin-Stil wird Israels Eingreifen in martialischen Tönen beschrieben. „Mit eiserner Faust“ lautete die Titelgeschichte der vergangenen Woche. Doch neben der Betrachtung der politischen Bühne, der ausgiebigen Waffenschau und Reportageelementen über das Leid auf beiden Seiten, werden auch der Hisbollah leicht dämonisierende Züge verpasst. Eine Kostprobe: „Finster drohte der Terrorscheich (Nasrallah).“

Auch in diesem Krieg gilt also insgesamt das Links-Rechts-Schema deutscher Medien. FR und insbesondere taz positionierten sich am Kriegs- und Israel-kritischsten. Die Süddeutsche , auch eher kritisch gegenüber der israelischen Militärstrategie, zeigte immerhin ein breites Bündel an verschiedenen Perspektiven auf. Der FAZ gelang eine relativ ausgeglichene, wenn auch zuweilen etwas kühle Analyse der Ereignisse, während die Springer-Blätter die Auseinandersetzungen nur selten, und wenn: proisraelisch gefärbt oder schlicht militärstrategisch kontextualisierten. Der Spiegel findet sich irgendwo zwischen SZ und FAZ .

Bemerkenswert auch hier die Übereinstimmung mit älteren Studienergebnissen: Rechte und konservative Medien weichen eher auf die Ebene strategischer Analysierung aus, anstatt wie linke Blätter verstärkt die Grundsatzfragen eines Krieges zu debattieren.

Doch welche Motive können hinter der unterschiedlichen Haltung der deutschen Medien stecken? Im linken Milieu wird Israel überwiegend nicht als Opfer, sondern als Aggressor betrachtet. Dabei gehen einige Kommentatoren so weit, die Schuldfrage der Hisbollah auszuklammern. Ob dies an der linken Tradition, für den vermeintlich Schwächeren einzutreten, liegt oder an einer Amerikafeindlichkeit, stellvertretend übertragen auf den Verbündeten Israel, bleibt unklar. Für konservative Kommentatoren dagegen erscheint eher Israel als der Schwächere, umgeben von kontrawestlichen Kräften, die es einzudämmen gelte. Darüber hinaus leiten viele deutsche Konservative eine historische Verantwortung für Israel ab.

Tatsache ist: Unschuldige sterben auf beiden Seiten. Eine einseitige Betrachtung der Lage wird nicht zu ihrem Verständnis und zu einer Lösung führen.

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