UmweltEinsame Ökosau

Als Single macht man sich offenbar nicht nur der Kinderlosigkeit schuldig - wer allein lebt, raubt der Gesellschaft auch noch Wohnraum, Energie und Waschmaschinen von Kathrin Zinkant

Bei "Sabine Christiansen" geht es eigentlich immer um Zukunft. Meistens natürlich um die deutsche. Hin und wieder werden dabei sogar neue Begriffe geprägt. Aktuelles Beispiel: der Begriff der "Single-sierung". Es ging in der Sendung zwar gar nicht um Singles als solche, aber es ging um Vermögen und Verantwortung. Die Singlesierung unserer Gesellschaft wird zum Problem, weil vermögende Einzelwesen angeblich kaum noch Verantwortung für andere Menschen übernehmen wollen. Die Nebenwirkung der Singlesierung ist also Verantwortungslosigkeit. Eine Bedrohung für unsere Zukunft. Zumindest klang das bei Christiansen so.

Zu ganz ähnlichen Schlüssen kommt jetzt eine Veröffentlichung des University College in London. Nein, es geht nicht schon wieder um kinderlose Akademikerinnen, und es geht auch nicht direkt um Vermögen. Es geht um Alleinlebende, die mit ihrem vielen Geld nichts besseres anfangen, als eine ökologische Katastrophe heraufzubeschwören. Klingt übertrieben? Die Pressemitteilung des Colleges legt noch einen drauf und macht aus dem Single eine "potentielle Zeitbombe für die Umwelt". Und die schwärzesten der schwarzen Schafe? Sind in dieser Geschichte ausnahmsweise einmal männlich.

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Männer also, im besten Alter zwischen 35 und 45 Jahren, vermutlich allein stehend, auf jeden Fall aber allein lebend. Ob sie mal ein Kind gezeugt haben, spielt keine Rolle. Denn es geht um Raum, Energie, Ressourcen, nicht um Nachwuchs. Singles, das zeigt die Studie, machen sich am breitesten, verbrauchen über alle Verhältnisse Strom und produzieren obendrein ein Übermaß an Müll. 1600 Kilo im Vergleich zu jenen 1000 Kilo, die ein Mensch im ökologisch korrekten Vierpersonenhaushalt jährlich fabriziert.

Das hat zweifellos Folgen. Jedes Kilo zusätzlicher Müll lässt mehr CO 2 gen Himmel wabern, bereit, der Klimkatastrophe Vorschub zu leisten. Ihre halb befüllten Wasch- und Spülmaschinen verplempern kostbares Trinkwasser in die Kanalisation. Und jeder Single, der sich trotz höchster Steuerklasse noch eine Dreizimmerwohnung mieten kann, klaut einer jungen Familie Lebensraum. Besagte Männer zwischen 35 und 45 Jahren belegen dabei noch bis zu sechs Prozent mehr Raum als 60-jährige Witwen oder Witwer - welche als Singles ja auch schon ein Problem darstellen.

Und das Singlesein ist insbesondere unter den jungen Menschen auf dem Vormarsch. Die düstere Prognose der Forscher aus London lautet für Großbritannien: in zwanzig Jahren werden 38 Prozent aller britischen Haushalte von einer Einzelperson geführt - also mehr als ein Drittel. Nun könnte man sich damit trösten, dass das Ganze ein britisches, und damit ein Inselproblem ist. Die haben nicht viel Platz zu verschenken, und auch nicht viel Energie.

Doch in Deutschland ist es nicht besser, im Gegenteil: Der Mikrozensus 2005 brachte es vor zwei Monaten ans Licht: Wir haben die 38 Prozent Singleanteil bereits geknackt. Deutschland schlägt Großbritannien um zwei Jahrzehnte. Die demografische Bombe ist hochgegangen - und keiner hat etwas davon mitbekommen!

Leserkommentare
  1. Ja, dieses Gleichnis zeigt, dass rjurkan offenbar lernunfähig ist. Die alleinstehenden, auch die, denen es in gewisser Weise zu gut geht, sind eben keine Räuber, genauso wie Sozialhilfeempfänger, die sich in dieser Zeit mehrere Kinder anschaffen keine sind, und Unternehmer, die auf legale Weise ihre Gewinne so buchen, dass sie keine Steuern zahlen keine sind.
    Wer, bewusst oder unbewusst, Unsinnigkeiten des Systems nutzt, der ist kein Räuber - auch wenn andere so in der Tat sich als beraut ansehen könnten. Es ist so, als würde der Voigt seinen Menschen sagen, wenn ihr den Kaufleuten am steilen Hohlweg etwas abnehmt, nicht alles, ja fast nichts, zurückgebt, dann dürft ihr das, dann ist das kein Diebstahl, sondern eine Hilfe - hier irrt der Landvogt dann zwar - aber wer seinen Weisungen folgt, ist kein Räuber. Würde er das Verbieten, ja nicht empfehlen, würden sie es ja nicht tun. (Besser wäre hier aber ein anders Beispiel gewesen.)
    Ansonsten könnte man hier auch sagen, dass es auch Leute, Bauern, gibt, die meinen, die Waren der Kaufleute nicht zu brauchen - weil ihnen die Geschichte mit den Räubern, die diese anziehen nicht gefällt und weil sie auch so hinkommen, ja sie verzichten auf manches an Lebenszeit - nicht unbedingt aber an Lebensqualität! Zum Teufel mit dem Landvogt, den Kaufleuten und den Räubern.
    Es ist aber schon so, dass die Allermeisten nicht so denken, sonst hätte das Ganze ja nicht diese Entwicklung genommen...!

    Nun aber nochmal zu den Ureinwohnern, den abgeschnittenen Teil meines letzten Beitrages. Vielen Dank für die interessanten Ausführungen hierzu von Theiresias.
    So einfach ist das m.E. dennoch nicht, und ich kann hier nur nochmal auf die ZIN-Reihe verweisen und meine dortigen Beiträge. Sicher geht es zunächst und vordergründig um die Freiwilligkeit - das ist ja wohl das mindeste, das sollte ja selbstverständlich sein, aber nein, auch das wird tabuisiert, aus Angst vor Missbrauch.

    Ich bin hier durchaus der Meinung, dass man hier auch, und dies schon jetzt, wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen sollte. Auch wenn ich genug Geld habe, esse ich nicht jeden Tag Sahnetorte, muss ich, will nicht jeder, einen Luxuswagen fahren. Nicht jeder der eine Reise nach New-York geschenkt bekommt, wird diese antreten, wird sich darüber freuen! Es gibt hierzulande einen einfachen und intelligenten Bürger, einen ehemaligen Ingenieur, der eine geerbte Million der MLDP gespendet hat - und wie bisher glücklich und relativ(!) bescheiden wohl auch, wie also die meisten von uns, weiterlebt!

    Und auch im Bereich des Alterns gibt es soetwas wie das Herausziehen bis zum Gehtnichtmehr, die Realisierung des medizinischen Fortschritts auf Teufel komm raus fast schon. Nicht jeder muss all das wollen, was hier machbar ist, und einer, der das, eine solch kostenintensive Sache hier eben auch, selbst nicht will, kann doch wohl nicht gezwungen werden, einem anderen dies über die solidarische Krankenversicherung mitzufinanzieren. Das müsste vorher klar geregelt werden - und dann müssten auch Versichertenkollektive gebildet werden, wo die jeweiligen Wünsche dann auch selbst abgesichert, also getragen werden müssen- innerhalb diese Gruppe dann aber solidarisch, man weiß ja nicht, wer in diese Situation kommt. In der Mangelsituation wird dann sicher für alle heruntergefahren, im Wohlstand sollte man hier Wahlfreiheit lassen - bzw. schaffen!
    80 Prozent der Krankenversicherung sollen wir im letzten Lebensjahr verbrauchen...!

    Nun nochmal zu rjurkan:
    Vielleicht sollte er doch mal all meine Fragen beantworten.
    Ich sage, es gibt hier auch bei der Kinderförderung einen - indirekten - Mißbrauch (der eben nur ein Gebrauch der legalen Möglichkeiten ist) - auch hier muss man korrigieren. Nur wenn man bei beidem korrigiert, ist man hier augeglichten. Ich bin nicht bereit, den Kinderzeugern mehr zu geben - wenn dieses Fass an gewissen Stellen ein Loch hat, wo sehr bzw. zu viel durchsickern kann.
    Beides wäre mit dem von mir vorgeschlagenen Modell sehr gut steuerbar. Mit dem Modell von rjurkan würde nur die Gruppe der Kinderlosen sinnvoller, z.T., behandelt.
    Im Übrigen kann man sich in dieser Situation auch mal überleben, wenn man seien Kindern diese Last nicht aufbürden will, ob man sich nicht vorher in die Lage versetzen sollte, seine Kinder völlig allein großzuziehen - wie das seit Jahrhunderten gang und gäbe war, wie man dies als Normalfall ansehen kann - da muss man das Ganze nicht an die Rentenversicherung koppeln - da muss dann, wenn er sichergehen will, sich wirklich ein jeder Kinder anschaffen, da greift dieses Modell dann vor allem für Leute, die, warum auch immer, keine Kinder bekommen können oder eben wollen!

    • rijukan
    • 11. August 2006 10:50 Uhr

    Sie sind erst der zweite Kinderlose, den ich "treffe", der bereit ist, auf seinen Vorteil zu verzichten. Meine Hochachtung, selbst für den Fall, daß Sie lediglich ein Noch-Kinderloser sind (der also noch Kinder plant).

    Die Umstellung auf ein kapitalgedecktes System halte ich allerdings für keine gute Lösung. Wenn nämlich dieses System versagt (etwa durch eine Bankencrash, der bei weiter wachsender Staatsverschuldung irgendwann kommen dürfte), dann sind die Beteiligten in Massen auf staatliche Unterstützung angewiesen - Sozialhilfe - also wieder auf die Kinder anderer Leute.
    Bis zum Existenzminimum (das für den Pflegefall viel höher liegt!) hat der Staat deshalb das Recht, eine "Zwangsversicherung" einzuführen (dieser Gedanke stammt übrigens von Miegel, nicht von mir), und zwar in der Form, daß Kinderlose - wie es Prof. Sinn vorschlägt - sich an den Kosten der Kinderaufzucht beteiligen. Das kann indirekt geschehen, indem man die Beiträge der Kinderlosen erhöht und die von Eltern dafür absenkt - bei gleicher Zahl von Rentenpunkten.

    Übrigens würde eine Kapitaldeckung das Problem nicht lösen, daß schon die HEUTIGEN Rentner erfasst werden müssen. Auch hier wird Kinderlosen eine Rente geschenkt.

  2. Ich habe keinen Vertrag abgeschlossen, meine Kinder schon gar nicht. Der "Generationenvertrag" ist nur ein Konstrukt.

    Die Wahrheit ist: 1957 wurde das Umlagensystem praktisch über Nach eingeführt. Über Nacht hatten die (damals) Alten, anstelle der Unterhaltsansprüche gegen ihre Kinder, "Rentenansprüche". Wer kinderlos war (viele waren das damals freilich nicht) bekamen diese Rente schlichtweg geschenkt. Viele Trümmerfrauen dagegen, die z.T. ihr Leben lang geschuftet und das Land wieder aufgebaut hatten, ohne dafür allerdings bezahlt zu werden, bekamen NICHTS - die Unterhaltszahlungen ihrer Kinder kamen jetzt als sog. Rentenbeiträge anderen zugute. Schon damals eine schreiende Ungerechtigkeit. Aber wen interessieren ein paar alte Muttis?
    Wie gesagt: über Nacht wurde dieses System eingeführt. Über Nacht könnte man es auch wieder abschafffen, oder komplett umgestalten. Wer keine Kinder hat, dem gehört die Rente gestrichen. Er möge von seinem Vermögen leben - und wenn es aufgebraucht ist, Sozialhilfe beantragen. Wer nur EIN Kind hat, dessen Rente gehört halbiert. Die Einsparungen, die die Rentenversicherung dabei macht, gehören den übrigen Renten zugeschlagen. Erst dann verdient die Rentenversicherung ihren Namen.

    Zugestanden: einen kleinen Anspruch auf Rente dürften auch die Kinderlosen behalten, denn zu einem kleinen Teil haben auch sie sich an den Investitionen in Kinder beteligt. Aber wirklich nur zu einem kleinen Teil. Schätzungen zufolge macht er keine 10% der Gesamtkosten von Kinder aus - gegenüber 90%, die die Eltern tragen.

    Ihr Argument mit den Großeltern kann ich freilich nicht nachvollziehen (Großeltern sind notwendigerweise gerade NICHT kinderlos). Und Übrigens: das Kindergeld ist zu 75% eine (vom Verfassungsgericht erzwungene) Rückzahlung rechtswidrig erhobener Steuern auf das Existenzminimum von Kindern. Die restlichen 25% sind eine Sozialleistung - sie kommen nicht allen Eltern zugute, sondern nur den schwachen Einkommensschichten.

    • rijukan
    • 10. August 2006 11:18 Uhr

    Mir fällt spontan der Schluss eines Kästner-Gedichtes ein:
    "Du liebst die Menschen nicht. Du hast es leicht."

    Ihre Vision (was sich ändern soll) erschreckt mich fast so sehr wie meine eigene (was passiert, wenn sich nichts ändert). Zwangssterilisierungen.. Hilfe! Dergleichen wird niemals in einem demokratischen Staat möglich sein. Sie bräuchten eine Diktatur.

    Menschen das Kinderkriegen zu verbieten, sie dafür gar zu bestrafen, versößt gegen Menschenrechte - und es gibt auch keinen Grund dafür. Erst mal sollten wir aufhören, Kinderkriegen - dort, wo es der Gesellschaft nicht nützt - geradezu zu BELOHNEN. Wir sollten außerdem Eltern, zumal solche, die vom Staat unterhalten werden, viel stärker in die Pflicht nehmen -- ihnen als Gegenleistung für die Unterstützung, die sie erhalten, abverlangen, daß sie ihre Elternpflichten erfüllen, und dies auch kontrollieren. Die Kinder regelmäßig (amts-)ärztlich untersuchen, unangemeldete Hausbesuche machen, Erziehungskurse anbieten -- und Leistungen für die Eltern kürzen, wenn sie sich verweigern. Notfalls die Kinder in Pflegefamilien geben. Die meisten Eltern werden dankbar dafür sein.

    Auch bin ich durchaus der Ansicht, daß die heutige Form der Sozialhilfe / Harz IV geändert werden muss, weil sie den Betroffenen nicht gut tut. Man gibt ihnen Geld (mehr als irgendwo sonst auf der Welt), mit dem sie häufig gar nicht umgehen können, und lässt sie dann allein. ALternativen wären vorstellbar! Aber das ist hier nicht unser Thema. Auch nicht die noch immer völlig verfehlte Immigrantenpolitik.

    Sie wollen die Menschen selbst den weitreichendsten Konsequenzen ihrer eigenen Entscheidungen überlassen -- oder ihres eigenen Schicksals, denn natürlich gibt es auch Menschen, die einfach keine Kinder bekommen KÖNNEN.
    Ich sehe es anders. Nur sehr wenige Menschen sind fähig, so weitreichende Entscheidungen wirklich rational zu treffen - noch dazu, wenn sie sehr allgemeine Belange berühren. Vielleicht sogar überhaupt niemand.

    Was ein Staat tun kann, ist: Rahmenbedingungen setzen. Sie haben einen ungeheuren Einfluss, wenn sie richtig gesetzt sind - und wenn sie falsch gesetzt sind (wie heute). Die große Schwierigkeit besteht darin, das in die Köpfe der Menschen zu kriegen.

    • rijukan
    • 10. August 2006 23:13 Uhr

    Sie meinen, ich hätte "wieder mal alles falsch kapiert". Sie irren sich. Es ist, sorry, eher umgekehrt

    Sie sollten etwas genauer hinsehen. Ich habe nie behauptet, daß es "nur" deswegen zu viele Singles gibt, weil das eine "gute Option" ist. Das unscheinbare "nur" macht den Unterschied.

    Sie schreiben, zur Gruppe der "einsamen, unglücklichen Singles" gehöre man, ohne es gewählt zu haben. Das mag im Einzelfall zutreffen. Die meisten Singles aber haben durchaus gewählt: durch Passivität.

    Sie schreiben, die Gruppe der "glücklichen Singles" sei klein. Das ist so nicht richtig. In einer bestimmten Bevölkerungsschicht und Altersklasse ist diese Gruppe recht stark: eben gerade bei denen, die jung, damit auch (relativ) attraktiv und gut situiert sind. Und weil das so ist, deswegen bleiben viele von Ihnen so lange Single (oder werden es immer wieder, weil ihre Partnerschaften nur lose sind), bis es zu spät ist.

    Sie schimpfen mich einen Sadisten, weil ich hoffe, daß meine Kindern nicht Ihren Lebensabend bezahlen werden, und weil ich Ihnen das Recht auf Renten bestreite - wo sie doch unfreiwillig kinderlos sind. In Ihrer Empörung vergessen Sie, auf meine Gründe einzugehen. Sie vergessen, mir mitzuteilen, WARUM Sie ein Recht auch Rente zu haben meinen. Warum Sie glauben, von all dem Geld und all der Zeit, die ich in meine Kinder investiert habe, profitieren zu dürfen.

    Grade Sie, tereisias, sind allerdings selbst ein Opfer unseres Systems und seiner Ungerechtigkeiten. Denn das Geld, das Sie täglich in die deutsche Rentenversicherung stecken, geht an alte Menschen, mit denen Sie nicht zu tun haben. Ihre eigenen Eltern erhalten davon nichts! Eigentlich müßten Ihre Eltern Renten aus unserer Rentenversicherung erhalten - oder Personen wie Sie, deren Eltern und Großeltern nachweislich nicht in Deutschland leben und auch von hier keine Renten beziehen, müßten von der Versicherungspflicht befreit werden.

    Aber seinen alten Eltern Unterhalt zu zahlen, gibt einem nicht das Recht, selbst im Alter welchen einzufordern - solange man keine Kinder hat, sei es nun freiwillig oder unfreiwillig. Oder was würden Sie sagen, wenn Ihr Heimatstatt zwei Drittel des Geldes, das Sie Ihrer Mutter schicken, der Mutter wegnehmen und statt dessen ihrer kinderlosen Nachbarin geben würde? Mit der Begründung, daß die Arme schließlich unfreiwillig kinderlos ist und im übrigen ihren eigenen Vater unterstützt hat, als sie jung war? Genau das tut unser Rentensystem.

    Aber kehren wir nochmal zum Single-Thema zurück. Man kann aus verschiedenen Gründen Single sein. Wenn Sie heute um die 30 sind, in Ostdeutschland wohnen, mit Ach und Krach den Hauptschulabschluss bestanden haben und seither von Sozialhilfe leben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß SIe Single sind. Das sind aber nicht die Singles, um die es mir geht, nicht die, die in München 2-Zimmer-Wohnungen anmieten, nicht die, deren Kinder unserem Land so schmerzlich fehlen.

    Betrachten wir also letztere. Jene, die anständig verdienen und eine gute Ausbildung genossen haben. Warum sind eigentlich so viele von diesen Leuten Single? Eigentlich müßten sie doch gute Chancen haben auf dem Verkupplungsmarkt, oder?

    Sie schreiben von den Widrigkeiten des Single-Daseins. Warum gibt es dann eigentlich so viele Singles? Männlein und Weiblein sind schließlich ziemlich gleichverteilt! Kann es nicht sein, daß das etwas mit Bindungsbereitschaft zu tun hat?

    Nein?

    Doch.

    Heutzutage hat man keine Eile, sich zu binden. Das geht schon in der Schule los: Beziehungen gerne. Sie sind nett, und man kann sie ohne Folgen wieder lösen - was auch geschieht. Man geht keine gegenseitigen Verpflichtungen ein.
    Dann kommt die Ausbildung: sagen wir mal (wie gesagt, mir geht es um eine bestimmte Klientel) ein Studium. Da setzt sich das Ganze erst mal nahtlos fort. Man hat erstmals eine eigene Bude und genießt die Freiheit, das Elternhaus hinter sich zu haben. Beziehungen gerne, wenn es sich ergibt, zieht man vielleicht sogar zusammen. Aber es ist noch nichts Ernstes. Wer wird denn gleich heiraten? Erst mal die Ausbildung abschließen.
    Es gibt Menschen, die schon in dieser Phase intensiv nach einem Partner suchen (das sind später selten Singles). Es gibt viele andere, die das eher nebenbei machen. Wenn es sich ergibt, schön. Wenn nicht, ist das Leben auch nicht schlecht, man ist jung, man geht mit Freunden aus, mal hier, mal da. Einen Partner will man, um Abwechslung zu haben, nicht, um ein Heim zu gründen. Wozu? DAS LEBEN IST DOCH SCHÖN, WIE ES IST.

    Und man gewöhnt sich daran, allein zu leben. Klar, irgendwann mal will man das ändern, und irgendwie hätte man schon gern einen Partner. Aber nicht gleich zum Zusammenleben. Und es darf bitte nicht jeder X-Beliebige sein, der muß schon passen.

    Und je älter man wird, je länger man allein lebt, desto besser muß er passen, "Mr./Mrs Right". Soziologen wissen das: man entwickelt, gerade in der ganz persönlichen Lebensweise, seinen eigenen Stiefel und ist immer weniger bereit, Kompromisse zu machen. Beziehungen kommen und gehen, enden, bevor es "was ernstes" wird. War irgendie nicht der Richtige, dieser Typ, der immer die Klobrille offenstehen läßt.
    Erst, wenn die Leute längst im Berufsleben stehen, wenn die alten Freunde wegziehen, wenn man keine Zeit mehr hat, Bekanntschaften zu pflegen, kommt langsam - langsam - die Einsamkeit. Bei Frauen meist früher, weil die biologische Uhr abläuft. Also beginnt frau sich umzusehen. Nicht zu auffällig, natürlich. Und: es muß erst recht der "Richtige" sein, wir suchen ja jetzt einen für's Leben. Und weil wir inzwischen 30 sind, weil wir außerdem schon viele Beziehungen hatten und jeder seine Nachteile hatte, haben wir genaue Vorstellungen von "Mr. Right" entwicklt. Das ALly-Mc-Beal-Syndrom setzt ein: Vorstellungstermine für potentielle Ehemänner. Und es gibt schon welche, nicht wahr, aber die werden irgendwie immer exzentrischer (auch sie prägen ihren Stiefel aus), und Mr. Right ist nicht dabei.lAußerdem ziehen sie irgendwie nicht richtig.

    Die Männer nämlich spüren keine Eile. Noch fühlt man sich jung, das Studentenleben wird quasi fortgesetzt. Beziehungen gernde, ein bisschen herummachen. Aber wozu sich gleich festlegen? Die Weiber werden schließlich immer zickiger (siehe oben), und irgendwie hat man das Gefühl, sie wollen morgen ein Kind haben, wenn Du sie zu nah ranläßt. Nichts gegen Kinder, aber bitte später. Und dann nicht mit so einer alten Jungfer.

    Tja, und irgendwann mal sind sie in den 40ern, die Singles. Irgendwann mal versinken die Reste der Jugendkultur. Irgenwann fühlen sie sich nicht einfach ein bisschen einsam, sondern wirklich allein. Dann tut's weh, ich weiß. Aber dann ist es schwer, sehr schwer. Es fehlt die jugendliche Unbefangenheit, es fehlen die potentiellen Partner.

    Oh doch, ich behaupte, es gibt deshalb so viele Singles, weil diese Lebensform lange Zeit sehr attraktiv ist. In der Phase, die für eine Partnerfindung (zumal eine, die in eine Familie münden soll) günstig wäre, hat man es nicht nötig, einen Partner zu suchen. Man ist wählerisch. Man zaudert. Denn es geht auch ohne recht gut. Nicht optimal, aber recht gut -- lange Zeit. Und dann ist es zu spät.

    Nicht für jeden Einzelfall, aber für die große Masse der gut verdienenden Singles gilt: sie leben allein, weil in er entscheidenden Phase der Wille, der Antrieb fehlt, sich dauerhaft zu binden und den geeigneten Partner nicht nur zu finden, sondern erst mal zu SUCHEN. Es fehlt die Sehnsucht nach einem gemeinsamen Heim, und die ist der nach Kindern sehr verwandt.

    Wenn also jemand keinen Partner findet, sind meistens nicht die anderen schuld. Mein Mitleid mit den Singles hält sich daher in Grenzen.

    • rijukan
    • 08. August 2006 19:34 Uhr

    Daß ein Mensch, zumal ein westlicher, schon durch seine Existenz die Umwelt belastet, sei Ihnen gerne zugestanden.
    Am besten, wir schaffen die Menschen einfach ab, nicht? Stellen die Vermehrung mit dem heutigen Tage ein und begehen, wenn die Zustände durch Vergreisung unerträglich geworden sind, kollektiv Selbstmord.

    Natürlich werden Sie, werter Herr/werte Dame, das NICHT tun. Wie so viele schwatzen Sie leichten Herzens daher, daß es doch ohnehin zuviele Menschen in Deutschland gibt - und verlassen sich derweil darauf, daß Ihr eigener Lebensstandard von den Kindern anderer Leute gesichert wird. Ich hoffe, da werden Sie eine Enttäuschung erleben.

  3. Da meine längeren Antwort-Beiträge auf diese Behauptung leider gelöscht worden sind (es wäre wesentlich besser, dann nur, erkenntlich, die evtl. störenden Passagen zu streichen), hier nur eine kleine Replik auf Ihren letzten Beitrag - der wiederum sehr schön zu lesen ist.

    Sie haben doch vorher gewusst, was Sie und Ihre Kinder erwartet, warum klagen Sie jetzt denn so massiv?

    Denn eines stimmt ja doch nicht ganz. Die heutigen Singles haben, wie alle anderen ja aber auch, schon einen Anspruch auf eine Rente, auch wenn diese nur gering, unzureichend nicht selten wohl auch, ist bzw. sein wird. Insofern zahlt man hier schon auch für seine Rente ein. Denn die heutigen Rentenbeiträge gehen z.T. auch derart in die Kinderunterstützung, als dass sich viele Großeltern intensiv um ihre Enkel kümmern, deshalb heißt es, würden die Menschen auch solange leben, wer Großeltern hat, dessen Eltern haben, auch ohne ein Rentensystem, bessere Überlebenschancen. Wer diese nun nicht hat, oder keine guten Kontakte hat, ja der hat es eben auch etwas schwerer. Ist schon kompliziert, steht so auch im Widerspruch zu den offziellen Theorien.
    Für das Kindergeld und die vielen anderen Maßnahmen der Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, bezahlen aber auch so einige berufstätige Singles (bzw. alleinstehende Kinderlose) über ihre Steuern diese mit. Das könnte man dann eben schon als die zwangsweise Beteiligung an der heutigen Form der undifferenzierten und ungeprüften Kinderunterstützungsversicherung ansehen, und auch deshalb haben die alleinstehenden Kinderlosen dann schon auch Anspruch darauf, von Ihren Kindern und denen anderer Eltern, einen gewissen Rentenbetrag zu bekommen. So waren nun mal die Abmachungen zum Zeitpunkt der Geburt...(Die Höhe der Gelder ist hier aber sicher genau zu betrachten - die Unterstützung des Staates für die Kinder erfolgt jedenfalls nicht nur durch Kindergeld, hier kommt so einiges zusammen!)
    Wer das gänzlich anders machen oder sehen will, der muss den jetzigen Sozialstaatsvertrag in wesentlichen Punkten erstmal als Konkurs erklären. Käme kein neuer Vertrag zu Stande, müssten viele Eltern und eben Kinder ohne all die Unterstützungen auskommen. (Allein schon deshalb geht das m.E. nicht.)

  4. Nein wirklich, rijurkan, Sie irren hier!
    Eine meiner Frage war, warum Ihr System hier besser sein soll als das meinige - das ist mir bis jetzt immer noch nicht klar. Ich habe hier den Eindruck, dass Sie mich hier nicht richtig verstanden haben.
    Eine andere war, wie hoch denn die Unterstützung des Staates für Kinder und Jugendliche im Durchschnitt insgesamt ist. Mir ist hier die Zahl von 100 000 Euro in Erinnerung. Das müsste man ja noch verzinsen.

    Irren tun Sie sich hier nun, weil ich ja gar nicht anzweifle, dass man, warum auch immer Kinderlosen in einer Alterversorgung entsprechend höhere Beiträge abverlangen sollte, und zwar spürbar höhere, wenn Sie die gleiche Rente wie berufstätige Kinderzeuger haben wollen. Im Prinzip müsste man den Kinderzeugern hier dann eben einen geringeren Beitrag abverlangen - da stimme ich Ihnen ja zu. Dazu gehört aber eben auch, dass man den Eindruck haben muss, dass diese Kinder dann auch in der Lage sind, einem eine Rente zu erwirtschaften - und da sehe ich doch bei Einigen Probleme, die im Elternhaus liegen, die bisweilen auch schon ziemlich klar absehbar sind.

    Und meine Meinung ist nun eben, dass man hier beides sinnvoll kombinieren muss - und kann.
    Weniger faule Kredite, kein Nachlass bei Leuten, deren Kinder mit höherer Wahrscheinlichkeit eh nichts oder kaum etwas zur Rentensicherung beitragen werden.
    Beide System müssen hier eben zusammen reformiert werden.
    Gebe ich bei dem einen nach, habe ich keinen Hebel, das andere zu erreichen. Denn Sie scheinen ja auch nicht bereit zu sein, schlechte Risiken hier spürbar und im Vorfeld, an der Wurzel, zu reduzieren.
    Viele schreien dann eben, dass die Kinderlosen die Problemkinder finanzieren sollen - und das finde ich ungerecht, in den Fällen, wo dies eben schon ziemlich klar vorhersehbar ist. Ich persönlich zudem aber auch in den Fällen, wo gute Bedingungen zwar gegeben sind - denn wer hat schon mehr Zeit für seine Kinder als ein Hartz-4-Empfänger, die Lebenshaltung, auch die der Kinder ist voll abgesichert, die Ausbildung bis hin zur Hochschule noch weitgehend kostenfrei.
    Wenn man nur nach der Rente geht, tun diese Menschen bzw. Eltern der Rentner-Gesellschaft sicher etwas gutes. Und das könnte man auch mit meinen System so regeln, da kann man ja auch diesen Leuten, diesen im Kern guten Risiken, hier einen Ratenkredit geben - es sind ja bei Gott nicht alle jüngeren Hartz-4-Leute unselbstständige Problembürger, sag ich mal.

    Allerdings sind so bzw. hier dann die Leistungsgesetze außer Kraft gesetzt. Wenn man sich bedenkt - und das wollen Sie m.E. nicht so ganz verstehen, dass es auch Leute gibt, die sich Kinder gern anschaffen würden, die aber wirtschaftlich unbedingt auf eigenen Füßen stehen wollen, die also unbedingt voll in die Gesellschaft integriert sein wollen, die also nicht als nicht selten auch abgewertete Randgruppe dastehen wollen, und dies sich kein Kinde anschaffen, weil sie wenn sie arbeiten aufgrund des großes Stresses zu wenig Zeit und Nerven für ihre Kinder haben, oder zu haben meinen, oder auch zu wenig Geld, weil sie meinen, dass ihre Kinder materiell nicht nur die heute ja doch ausreichenden Mindeststandards haben sollen, dann erscheint dies ungerecht.

    Hierüber kann man aber geteilter Meinung sein, und sicher ließen sich auch hier halbwegs akzeptable Kompromisse finden. Und sicher würde man hier auch schon ohne die Androhung von Maßnahmen zur garantierten Infertilität manche Fehlentwicklung vermeiden.

    Theiseirus muss in der Tat bedenken, dass, wenn er eine auch personelle Alterssicherung will, und ganz ohne geht dies bis heute, allein schon wegen der Sicherheitsfrage nicht, da müssten wir wie gesagt einen demokratischen Weltsozialstaat haben, dann muss jemand, mehr oder weniger auch für ihn, Kinder zeugen - und erziehen.
    Es gibt hier aber die Möglichkeit des Klosters, diese wäre neu zu interpretieren – aber auch hier gab und gibt es noch einige Verbindungen zur Außenwelt – immer eben auch die Sicherheitsfrage, die nur gemeinsam lösbar ist. (Die Neuinterpretation des Klosters ist ja eben eine sehr geringe Rente, das massivere Setzen auf die Zusammenarbeit der Kinderlosen – aber auch die etwas geringeren Rentenbeiträge - und Steuern!).
    Wer die gleiche Rente wie Kinderzeuger haben will, der muss hier mehr einzahlen als einer, der keine Kinder hat, das völlig klar. Dann hat er, nach heuten Verhältnissen beurteilt, aber eben keine Mindestrente, sondern eine gute bis sehr gute Rente, wo er sich im Alter auch noch vieles leisten kann. Heute wird dies in der Tat auch vielen Kinderlosen gleichermaßen zu Teil, ohne dass dies berücksichtigt worden ist, gleichwohl muss bzw. sollte so etwas vorher vereinbart werden, denn dann hätte sich vielleicht auch das eine oder andere kinderlose Paar seinerzeit ein Kind, oder eines mehr, angeschafft. Es sind nicht alle Kinderlose alleinstehend – manche treiben ihre Kinder auch aus finanziellen Gründen, ab, bzw. damit sie mehr Freizeit und Unabhängigkeit haben. Da stimme ich Ihnen, rijurkan voll zu. Mit Kind hätte theiseiros eigentlich noch weniger Geld zur eigenen Verfügung, wenn er eine normale Arbeit mit einem normalen Lohn, sag ich mal, hätte – das, was er in das Kind stecken würde, könnte bzw. müsste auch er so in die Kinderunterstützungsversicherung anderer stecken. Wie gesagt, mein System würde hier voll funktionieren, es beinhaltet auch Ihre Gedanken bzw. könnte so ausgestaltet werden.

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