Umwelt : Einsame Ökosau

Als Single macht man sich offenbar nicht nur der Kinderlosigkeit schuldig - wer allein lebt, raubt der Gesellschaft auch noch Wohnraum, Energie und Waschmaschinen

Bei "Sabine Christiansen" geht es eigentlich immer um Zukunft. Meistens natürlich um die deutsche. Hin und wieder werden dabei sogar neue Begriffe geprägt. Aktuelles Beispiel: der Begriff der "Single-sierung". Es ging in der Sendung zwar gar nicht um Singles als solche, aber es ging um Vermögen und Verantwortung. Die Singlesierung unserer Gesellschaft wird zum Problem, weil vermögende Einzelwesen angeblich kaum noch Verantwortung für andere Menschen übernehmen wollen. Die Nebenwirkung der Singlesierung ist also Verantwortungslosigkeit. Eine Bedrohung für unsere Zukunft. Zumindest klang das bei Christiansen so.

Zu ganz ähnlichen Schlüssen kommt jetzt eine Veröffentlichung des University College in London. Nein, es geht nicht schon wieder um kinderlose Akademikerinnen, und es geht auch nicht direkt um Vermögen. Es geht um Alleinlebende, die mit ihrem vielen Geld nichts besseres anfangen, als eine ökologische Katastrophe heraufzubeschwören. Klingt übertrieben? Die Pressemitteilung des Colleges legt noch einen drauf und macht aus dem Single eine "potentielle Zeitbombe für die Umwelt". Und die schwärzesten der schwarzen Schafe? Sind in dieser Geschichte ausnahmsweise einmal männlich.

Männer also, im besten Alter zwischen 35 und 45 Jahren, vermutlich allein stehend, auf jeden Fall aber allein lebend. Ob sie mal ein Kind gezeugt haben, spielt keine Rolle. Denn es geht um Raum, Energie, Ressourcen, nicht um Nachwuchs. Singles, das zeigt die Studie, machen sich am breitesten, verbrauchen über alle Verhältnisse Strom und produzieren obendrein ein Übermaß an Müll. 1600 Kilo im Vergleich zu jenen 1000 Kilo, die ein Mensch im ökologisch korrekten Vierpersonenhaushalt jährlich fabriziert.

Das hat zweifellos Folgen. Jedes Kilo zusätzlicher Müll lässt mehr CO 2 gen Himmel wabern, bereit, der Klimkatastrophe Vorschub zu leisten. Ihre halb befüllten Wasch- und Spülmaschinen verplempern kostbares Trinkwasser in die Kanalisation. Und jeder Single, der sich trotz höchster Steuerklasse noch eine Dreizimmerwohnung mieten kann, klaut einer jungen Familie Lebensraum. Besagte Männer zwischen 35 und 45 Jahren belegen dabei noch bis zu sechs Prozent mehr Raum als 60-jährige Witwen oder Witwer - welche als Singles ja auch schon ein Problem darstellen.

Und das Singlesein ist insbesondere unter den jungen Menschen auf dem Vormarsch. Die düstere Prognose der Forscher aus London lautet für Großbritannien: in zwanzig Jahren werden 38 Prozent aller britischen Haushalte von einer Einzelperson geführt - also mehr als ein Drittel. Nun könnte man sich damit trösten, dass das Ganze ein britisches, und damit ein Inselproblem ist. Die haben nicht viel Platz zu verschenken, und auch nicht viel Energie.

Doch in Deutschland ist es nicht besser, im Gegenteil: Der Mikrozensus 2005 brachte es vor zwei Monaten ans Licht: Wir haben die 38 Prozent Singleanteil bereits geknackt. Deutschland schlägt Großbritannien um zwei Jahrzehnte. Die demografische Bombe ist hochgegangen - und keiner hat etwas davon mitbekommen!

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