Die Vereinten Nationen tun es, global agierende Unternehmen auch, und immer mehr Privatleute: telefonieren per Internet. Mit Mikrofon und Kopfhörer sprechen sie kostenlos über das Netz. Noch. Denn bald schon könnten Telekommunikations- unternehmen die so genannte Voice-over-IP-Technologie stören. Telefonieren übers Netz: bald teuer?

Den Festnetzanbietern ist die zunehmende Verlagerung des Telefonierens ins Internet schon länger ein Dorn im Auge. Denn mit VoIP schwindet der Unterschied zwischen Orts- und Ferngesprächen. Egal, ob eine Straße oder einen Kontinent entfernt – man telefoniert zum Nulltarif. Täglich entgehen den Telekommunikationskonzernen dadurch Millionenbeträge. Selbst die bislang boomende Mobilfunkbranche spürt den Konkurrenzdruck . Über öffentliche WLAN-Hotspots kommt man bequem von unterwegs ins Internet, um kostenlos zu telefonieren.

Eine neue Anwendung des Münchner Chipherstellers Infineon soll den Vormarsch der kostenfreien Internet-Telefonie nun stoppen. Die kürzlich zum Patent angemeldete Technologie stört die VoIP-Kommunikation. Eine Vorrichtung identifiziert im Netz solche Serien von Datenpaketen, die Sprachinhalte übermitteln. Die Software fügt dann störende Datenpakete in den Kommunikationsstrom ein, während gleichzeitig „normale“ Sprach-Datenpakete herausgefiltert werden. Das verschlechtert die Tonqualität von VoIP. Gespräche über das Internet werden unverständlich.

Eigentlich sei die neue Technik aus ganz anderen Gründen entwickelt worden, sagt Infineon-Sprecher Reiner Schönrock. Sie diene dem „Management des Datenflusses“. Denn das Identifizieren und Unterscheiden von Sprach-Datenpaketen vom gewöhnlichen Internet-Datenstrom ermöglicht es, VoIP-Pakete gezielt zu handhaben und zu kommerzialisieren. So hat T-Com erst vor kurzem ein Handy auf den Markt gebracht, das WLAN-Netzwerke erkennt und sogleich auf VoIP umschaltet. Die Chips für solche Handys entwickelt unter anderem Infineon.

In Zukunft sollen diese WLAN-kompatiblen Handys an den VoIP-Service bestimmter Anbieter gekoppelt werden, der zugleich den unerwünschten, kostenlosen VoIP-Verkehr blockiert. Noch ist die Technologie nicht ausgereift. Doch in absehbarer Zeit könnte sie zu einer erheblichen Verteuerung bestimmer DSL-Flatrate-Offerten führen. Diese werden dann in verschiedenen Preisklassen angeboten – wahlweise mit oder ohne Internet-Telefonie. Wer sich für den günstigeren DSL-Anschluss mit gestörtem VoIP-Signal entscheidet, wird folglich nur ein Rauschen in der Leitung haben – und wieder zum guten alten Hörer greifen müssen.

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