NEW YORK Wyntons Vision

Im Herzen Manhattans steht eine exklusive Musikimmobilie mit phänomenalem Ausblick: Jazz at Lincoln Center. In drei Clubs dreht sich alles um den wahren Jazz, das nötige Geld, das Rauchverbot und die Konkurrenz aus Europa. Unser Korrespondent war dort.

BILD

Als im Oktober 2004 das House of Swing am Columbus Circle in Manhattan eröffnete, hatte der schwarze Trompeter Marsalis 140 Millionen Dollar an Spenden gesammelt. Sein Name brachte das Geld, wichtige Jazzexperten folgten seinem Ruf an die neue Non-Profit-Organisation. Allein der jährliche Unterhalt der Jazz at Lincoln Center-Immobilie verschlinge 35 Millionen Dollar, berichtet Todd Barkan, der von Wynton Marsalis geholt wurde. Er leitet Dizzy´s Club Coca Cola, die kleinste Bühne im Haus, 140 Besucher finden hier Platz. Jedes Set, also in der Regel eine Stunde, kostet den Besucher 30 Dollar, montags 15. Am Tisch beträgt das Verzehr-Minimum 10 Dollar, an der Bar 5.

„Hier wurde ein Traum wahr, Wyntons Vision, in einer der weltweit teuersten Immobilien eine Organisation zu beheimaten, die dem Jazz verpflichtet ist“, sagt Barkan. Noch müsse man die Räumlichkeiten, besonders das Rose Theater mit 1200 Plätzen und den Allen Room mit 450, extern vermieten, damit Geld hereinkomme. Das Ziel sei aber, das ganze Jahr hindurch auf allen drei Bühnen Jazz zu präsentieren: „Momentan zittern wir noch vor jeder Saison, ob das Programm auch genug Publikum ziehen wird. Von diesen Zwängen wollen wir weg – und ich bin zuversichtlich, dass man das auch schaffen kann. Aber es wird viel Zeit und Kraft brauchen, das alte Kommerz-versus-Kunst-Dilemma zu überwinden.“

Tatsächlich ist Dizzy´s kein Platz für die Bohème, musikalische Experimente sind hier nicht gefragt. „Dizzy´s ist ein Jazzclub, in dem man dinieren kann, hier finden viele Geschäftsessen statt. Da darf die Musik natürlich nicht stören. In San Francisco haben wir Falafel serviert, das war mehr so nebenbei.“ Barkan ist täglich von 5 Uhr nachmittags bis 3 Uhr morgens im JaLC, aber sein Geld verdient er als Produzent von Jazzplatten für den japanischen Markt, 35 bis 40 pro Jahr, 500 bis 1000 Dollar Honorar pro Aufnahme. Pianotrios und das Great American Songbook liefen dort gut, berichtet er: „Bei Jazz at Lincoln Center verdiene ich kaum etwas, ich komme hier nicht mal auf 10 Dollar pro Stunde. Ich könnte die Arbeit hier nicht machen, wenn ich nicht andere Jobs in der Musikindustrie hätte. Das ist eine Non-Profit-Organisation, und ich bin hier, weil Wynton mich anrief und mich bat, den Job zu machen. Er wählte mich aus.“

Todd Barkan will seinem Chef in dieser Hinsicht nicht folgen: „Ich glaube nicht, dass irgendwer übersehen wird. Ich mag dieses Opfergetue nicht. Jazzmusikern geht es heute besser denn je. Es gibt immer noch welche, die vollbeschäftigt sind, die ständig Aufnahmen machen, besonders die New Yorker Szene ist sehr aktiv. Heute entsteht guter Jazz und große Avantgarde-Musik überall in der Welt – New York ist da längst nicht mehr das Zentrum. Auch die Position der Frauen ändert sich gerade. Lange Zeit wurden Frauen von der Jazzwelt ja höchstens als Sängerinnen akzeptiert. Auf unserem Women In Jazz-Festival werden wir im September zeigen, wie heute der Stand der Dinge ist.“

Das aktuelle Konzertprogramm des Jazz at Lincoln Center finden Sie hier . Unter http://jazzatlincolncenter.org/jazzcast/j_listen.asp hören Sie den hauseigenen Radiosender.


 
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