Gesundheit Angst vor den HolländernSeite 2/2
Die deutsche Apothekerschaft fühlt sich durch den neuen Konkurrenten massiv bedroht. Bislang war der Berufsstand des Apothekers vor Wettbewerb bestens geschützt. Durch die niedrigen Preise des Internetanbieters gerät die Zunft nun unter Zugzwang – zur Freude der Kunden. Denn die sparen die Hälfte der Zuzahlung, wenn sie ein Rezept einreichen, und müssen bei rezeptfreien Medikamenten bis zu 30 Prozent weniger zahlen als anderswo üblich. Die Beitragszahler der Krankenkassen dürfen sich nach Schätzungen Heckens über Einsparungen von bis zu zwei Milliarden Euro freuen. In den vergangenen sechs Jahren verloren die deutschen Apotheken rund eine Dreiviertelmillion Kunden an die größte Versandapotheke Europas.
Das Argument der Apothekerlobby, dass durch Internetapotheken die Qualität der Medikamente leide, wies Hecken zurück und nannte die USA als Beispiel. Dort seien bereits viele Apotheken an große Supermarktketten angeschlossen. „In Amerika gibt es keinen Qualitätsverlust“, sagte Hecken. Dies sagt auch die Gesundheitsexpertin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, Julia Nill. Sie weist darauf hin, dass insbesondere chronisch Kranke von DocMorris profitieren.
Allerdings schnitt DocMorris beim jüngsten Apotheken-Test der Stiftung Warentest mit der Note „mangelhaft“ ab. Falsche Auskünfte und fehlende Beratung seien an der Tagesordnung, teilweise seien Bestellungen sogar gänzlich vergessen worden.
Nun befürchten die Betreiber der 21.500 deutschen Einzelapotheken, dass weitere große Arzneimittelhändler auf den deutschen Markt drängen werden. Sollten sich die fünf größten Arzneimittelhändler Phoenix, Celesio/Gehe, Anzag, Sanacorp und Noveda in Deutschland breit machen, wird es schwer werden für „die Kleinen“. Derzeit gilt jedoch noch die „Drei-Filialen-Regel“ – Apotheker dürfen also maximal drei Geschäfte führen. Däinghaus möchte es zunächst bei der einen Filiale belassen. Stattdessen kündige DocMorris an, dass bis zum Jahresende ein Logistikzentrum für das Versandhandelszentrum im Saarland gebaut werden soll.
- Datum 10.08.2006 - 12:28 Uhr
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- Quelle ZEIT online
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Warum sollten ausgerechnet die Apotheker draußenbleiben, vor der Tür der "Schönen, Neuen" dynamischen, wettbewerbsorientierten, globalisierten Welt?
Mehr WETTBEWERB! Mehr EIGENVERANTWORTUNG! Mehr LEISTUNGSBEREITSCHAFT - ist es nicht das, was sie und ihresgleichen uns über die neoliberale Interessenvertretung der Freiberufler seit Jahrzehnten predigen?
Wenn die Apothekenkonzerne die Medikamente billiger absetzen können - wunderbar. Werden halt ein paar Apotheker weniger Millionäre...warum soll es immer nur die Autowerker oder Verkäufer oder Industriearbeiter treffen? Apothekenhelferinnen und PTAs brauchen die Konzerne auch.
Es mag zwar stimmen, dass das deutsche Apothekenrecht im Widerspruch zum EU-Recht steht. Es mag auch ein Anachronismus sein. Aber dennoch: von den vielen Faktoren, die in Deutschland zur Erhöhung der Gesundheitskosten beitragen, sind die Apotheken nur das letzte (und schwächste) Glied in einer langen Wirkungskette. Das beginnt mit einer unglücklichen Patentgesetzgebung, geht in die verworrene Struktur der Krankenkassen, und endet noch lange nicht bei der Macht der Pharmalobby in Berlin.
Zwar könnte man annehmen, dass gerade die spezielle nationale Regelung für den Medikamentenverkauf die Apotheker effizient schützt; doch könnte sich das im Hinblick auf das EU-Recht schnell als Irrtum erweisen. Folge: Ein Berufsstand stirbt (das passiert nicht zum ersten Mal, muss einen also nicht unbedingt traurig stimmen), hat aber wohl eher einen geringen Einfluß auf die Kosten.
Das Argument, wonach eine qualifizierte Beratung wegfällt, darf die Apothekerschaft nach den letzten Ergebnissen der Stiftung Warentest wohl getrost vergessen. Insofern ist der Verbraucher vielleicht nicht unbedingt nachteilig betroffen. (Auch bei DocMorris wird sich hoffentlich der Service verbessern, sobald der Laden in Deutschland auf rechtlich sicheren Füßen steht.)
Im Text liest man immer nur von einem Herrn Däinghaus.
Darf der einfach so einen akademischen Titel zur Werbung verwenden? Wenn ich als Hein Freund, prakt. Arzt, eine Praxis z. B. unter dem Logo "Praxis Prof. Sauerbruch" betreiben würde, hätte ich doch wahrscheinlich sofort schweren Ärger zu erwarten.
Wer kommt den hier auf Doktor Morris und den möglicherweise mißbräulich geführten akademischen Titel zu Werbezwecken??? Die Firma heißt "DocMorris", was zwar (nicht unbeabsichtigt natürlich!) an einen "Doktor Morris" erinnern mag, in der Tat kommt jedoch das Wort "Doktor" nirgendwo vor. DocMorris ist der Phantasie-Marken-, bzw. Firmenname der niederländischen Kapitalgesellschaft, die die Apotheken betreibt. Anscheinend scheint die Strategie mit der medizinischen Assoziation des Namens bei Ihnen hervorragend aufgegangen zu sein. Reingefallen!
Als Verbraucher zahle ich für so viel Unsinn!
Warum kann ich in vielen (allen?) anderen Ländern in eine Apotheke gehen und ohne Rezept fast alle kaufen für ein 1/4 des Preises? Und ich werde kompetent beraten wenn ich danach frage!
In Deutschland MUSS ich 10 Euro bei einem Arzt abliefern um dann beim Apotheker ungefragt ein Medikament zu bekommen! Ist dieses eine Verkaufsstelle oder wer hat Pharmakologie studiert? In manchen Krankenhäuser geht ein Pharmakologe mit in die Visite, weil der Arzt durch die Menge an Medikamenten und die mangelnde Kenntnis der Reaktionen (ist auch nicht sein Fachgebiet) auch mal schlechte Ergebnisse in der Behandlung hatte.
Dieser Berufszweig stellt sich doch selber völlig in Frage!
Als ich dieses einen Apotheker sagte, meinte er wir wären viel besser geschützt durch unsere Gesetzgebung. Mein Kommentar war: deswegen sterben in anderen Ländern so viel mehr und ich werde entmündigt!?
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