Wenn ein Autor in Hamburg zur Barkassenfahrt durch den Hafen aufbricht, ist zumeist mit beinhartem Lokaljournalismus zu rechnen. Aber keine Sorge – es ist finnischer Tangoabend auf der MS Hedi. Ein schwimmendes Tanzkaffee mit vielfältigem Programm. Gemütlich schippern wir also durch den Nieselregen.

Der Tango aus Finnland fordert geradezu schlechtes Wetter. Im Gegensatz zum Original aus Argentinien ist er nicht lasziv. Finnischer Tango ist traurig, wehmütig und hat einen Einschlag abgründigen Humors. Das macht wohl den Charme dieser Musikgattung aus, die hierzulande sehr beliebt ist. Heute treten die Exilfinnen von Tangon Taikaa auf.

Leider vermisst die Band ihren Bassisten – er ist einfach nicht gekommen. Zudem lässt sich die Anlage nur mit Schwierigkeiten zum Scheppern, Plärren und Ächzen bewegen. Tango aus Finnland hat eben viel mit Scheitern zu tun, dem wiederum getrotzt wird. So ist es auch diesmal. Tangon Taikaa spielen, und das sehr gut.

Während der schweigende Schlagzeuger den Eindruck erweckt, als habe er schon einige Winter im dunklen Norden verbracht, klärt uns der beredte Sänger Timo Valtonen über die Besonderheiten finnischer Tangokultur auf. Edutainment!

Stilecht gekleidet und farblich dem Himmel angepasst, präsentiert sich das Publikum.

Der Schiffsarzt scheint Landgang zu haben. Stattdessen gibt es DJ Litmanen. Angeblich ein ehemaliger Fussballstar, aber in Wahrheit einer der wenigen ambitionierten Radiomacher des Norddeutschen Rundfunks. Zur Strafe darf er nur nachts senden. DJ Litmanen hat viele schöne Schallplatten aus Finnland. Das hier ist ein besonders hübsches Exemplar.