Bau Kein Geld mehr fürs Eigenheim
Krach in der Koalition: Soll die Wohnungsbauprämie gestrichen werden? Finanzminister Steinbrück will das; die Union kämpft dagegen. Millionen Bürger wären betroffen
Ein neuer Streit beschäftigt die Berliner Koalitionäre, der viele Bürger hart treffen könnte. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) will die Wohnungsbauprämie zum Jahresbeginn 2007 abschaffen. Bis zu 25 Millionen Bausparer haben gegenwärtig noch die Chance, von diesem Zuschuss zu profitieren. Die Union will ihn deshalb behalten und wirft dem Finanzminister vor, er handle gegen gemeinsame Absprachen.
Nur mithilfe der Prämie könnten die Bürger ausreichend Eigenkapital aufbauen, um sich ein eigenes Haus leisten zu können, argumentiert die Union. Auch sei der Zuschuss baupolitisch unverzichtbar. Steinbrück schlägt dagegen vor, lieber die Riester-Förderung zu verbessern und beruft sich auf den
Koalitionsvertrag
. Dort ist zu lesen: "Wohneigentum genießt bei den Bürgern eine besonders hohe Akzeptanz im Rahmen der privaten Altersvorsorge. Daher werden wir das selbst genutzte Wohneigentum zum 1. Januar 2007 besser in die geförderte Altersvorsorge integrieren."
Der Vorschlag, der nun aus dem Finanzministerium kommt, folgt diesem Wunsch. Im Vertrag stehe allerdings nichts davon, die Prämie zu streichen, kontern Unionspolitiker.
Auch im Subventionsabbauplan, den Steinbrück (damals noch Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen) und Roland Koch, CDU-Ministerpräsident von Hessen, 2003 entworfen hatten und der den Gesprächen der Koalitionäre als Ideengeber diente, war von der Streichung nicht die Rede.
Nach den Plänen des Ministeriums soll der 1952 eingeführte staatliche Zuschuss zuerst für "Neufälle" abgeschafft werden. Von 2011 an wären dann alle Bausparer betroffen. Zum Jahresbeginn soll dafür selbst genutztes Wohneigentum in die steuerliche Förderung der privaten Altersvorsorge einbezogen werden - ohne dass der Bundeshaushalt mit "unabwägbaren Risiken" (Steinbrück) belastet wird. Fachleute schätzen, dass der Bund durch die Streichung 500 Millionen Euro sparen könnte. Steinbrück will stattdessen mit dem "Wohn-Riester-Gesetz" die Riester-Zulage für Kinder, die nach dem 1. Januar 2008 geboren werden, auf 300 Euro anheben. Wie hoch die langfristigen Mehrausgaben für die verbesserte
Riester-Förderung
ausfallen werden, ist noch undeutlich.
Der CSU-Politiker Eduard Oswald hält Steinbrücks Plänen entgegen, Millionen Bürger fänden im Bausparen ein passendes Sparmodell und könnten dadurch das für den Wohnungs- oder Hauskauf oder die Wohnungssanierung nötige Eigenkapital aufbringen. Womit auch er sich auf den Koalitionsvertrag beruft, in dem die Regierungsparteien bekräftigen, dass "die Wohneigentumsbildung von Familien mit Kindern" ihr politisches Ziel bleibe. Außerdem wollen Union und SPD die Bauwirtschaft als wichtigste deutsche Branche weiterhin fördern. Auch dafür braucht man Privatleute, die neue Häuser errichten. Letzteres Argument verfolgt die schwarz-gelbe baden-württembergische Landesregierung besonders vehement. Wozu man wissen muss, dass im Südweststaat die Hälfte aller deutschen Bausparkassen ihren Sitz haben, deren Produkte direkt von der Förderung profitieren. Nicht umsonst hatten die Bausparkassen auch schon gegen die Abschaffung der Eigenheimzulage heftig agitiert.
Tatsächlich erinnert das gegenwärtige Spektakel an damals. Die SPD hatte die Eigenheimzulage schon länger abschaffen wollen, während die CDU bis zur Wahl 2005 heftig dagegen sprach - und später still zustimmte. Auch dieser Kampf drehte sich indirekt um die Wohnungsbauprämie. Im Herbst 2003 hatte die Regierung Schröder schon einmal beschlossen, den Zuschuss für neu abgeschlossene Bausparverträge nicht mehr zu zahlen. Damit kam sie jedoch im Vermittlungsausschuss nicht durch. Wegen des Widerstands der Unionsländer wurde die Prämie nur gesenkt, von 10 Prozent auf 8,8 Prozent. Deshalb bekommen heute Singles diesen Zuschuss, wenn sie weniger als 25.600 Euro zu versteuerndes Einkommen haben. Bei Ehepaaren liegt die Grenze bei 51.200 Euro. Begünstigt werden Aufwendungen für Alleinstehende bis höchstens 512 Euro und für Verheiratete zusammen bis 1024 Euro.
- Datum 11.08.2006 - 03:50 Uhr
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- Quelle ZEIT online
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Die Wohnungsbauprämie ist eine dieser Bagatell-Förderungen bei denen der Aufwand viel höher ist als der Effekt. Man muss 4444 Jahre sparen um mit 45/Jahr z.B ein bescheidenes Eigenheim im Wert von 200.000 zusammengespart zu haben (Na ja in echt geht's wegen der Zinsen und Zinseszinsen doch etwas schneller). Diese Pseudoförderung könnte leicht abgeschafft werden ohne jemanden weh zu tun.
fürs Eigenheim, kein Geld mehr für Gesundheit, kein Geld mehr für Straßen, kein Geld mehr für Schwimmbäder, kein Geld mehr für Renten- aber viel Geld für die EU, viel Geld für Brüssel und noch viel mehr Geld für die neuen Beitrittsländer der EU, Rumänien und Bulgarien, von denen man genau weiß, dass es nicht mal da ankommt wofür es bestimmt war!!!! Das ist soziale Gerechtigkeit und ausgeglichenes EU Klima- und darum wandern wir, eine 4 köpfige gut ausgebildete Familie aus, denn dafür lassen wir uns von den Eurokraten nicht mehr ausbeuten!
Die Union soll bitte mal sagen, wievielen Familien die nicht mal 100 Euro Wohnungsbauprämie im Jahr zum Erwerb eines Eigenheimes gerade fehlen.
Hier wird fadenscheinig versucht, sich als soziale Partei zu profilieren - vielleicht auch ein durchsichtiger Versuch die Ausfälle von Herrn Pofalla zu korrigieren ?
Die Union verkommt immer mehr zu einem populistischen, ja primitiven Verein.
Wie weltfremd sind unsere Politiker eigentlich ? Glaubt da wirklich einer, dass irgend jemand dem Traum vom Eigenheim Dank 45,- im Jahr näher kommt ??? Die Empörung über die Streichung dieser Prämie (bei der der Verwaltungsaufwand mit Sicherheit höher ist als die Prämie selbst !) beweist entweder einen erschreckenden Realitätsverlust bei unseren Volksvertretern oder schlichte Wählerverarsche !
so unverzichtbar ist, warum ist dann die Eigenheimquote in Deutschland so niedrig im Vergleich zu vielen anderen europäischen Nachbarstaaten??
Dieses Gieskannenprinzip mit Minizuschüssen ist Geldverschwendung.
Die Städte und Gemeinden sollten lieber preiswertes Bauland zur Verfügung stellen, damit sich junge Familien den Traum eines hauses verwirklichen können. Außerdem profitieren Städte und Gemeinden von jungen Familien. Als Steuerzahler, als Konsumenten und weil junge Familien weitere junge Familien anziehen.
Anstatt 150- 200 Euro für den Quadratmeter Bauland zu verlangen und diese Preise durch die Wohnnungsbauprämie abzufedern, sollte dieses Geld lieber sinnvoll verwendet werden.
Es ist allerhöchste Zeit für deutsche Politiker mal frische Ideen zu haben und aus ihrem Elfenbeintürmchen zu steigen, anstatt immer nur zu streichen und an vorhandenen Systemen wegen gewisser Lobbyverbände festzuhalten.
Das gilt auch für andere Bereiche unserer Gesellschaft, z.B. Gesundheit.
Jedenfalls hat das Bausparsystem mit der staatlichen Förderung seit 1952 nicht dazu geführt, das Deutschland ein Land der Hausbesitzer wurde. Und das ist ein Faktum! Vergleiche mal die Eigenheimquoten in England, Skandinavien und Holland mit unserer....
Die Wohnungsbauprämie ist einfach ein zusätzlicher Sparanreiz für Geringverdiener mit einem Jahreseinkommen unter 25000 Euro. Jeder der ein wenig nachrechnet, wird feststellen das die Wohnungsbauprämie beim Bau eines Hauses keinen Nutzen hat. Jedoch ist der Nutzen sehr groß für die Geringverdiener, die dadurch zum Sparen angehalten werden, auch wenn sie das Geld später nicht für Wohneigentum nutzen.
Die Wohnungsbauprämie zu streichen bedeutet: Den Geringverdiener zu gunsten der Hausbesitzer einen Teil der staatlichen Förderung wegzunehmen.
Prinzipiell finde ich es richtig die Zuschüsse für den Wohnungsbau zurückzufahren. In den letzten Jahren sind eine Vielzahl von Neubausiedlungen aus dem Boden geschossen, während gerade im ländlichen Raum die Siedlungskerne häufig einen nicht geringen Leerstand haben, schon jetzt gestaltet sich der ländliche Immobilienmarkt in Ostdeutschland ziemlich schwierig. Mal abgesehen vom Flächenverbrauch, wer soll angesichts der demographischen Entwicklung diese Masse an Häusern in 20, 30, 40 Jahren bewohnen oder kaufen?
Für ausgesprochen wichtig halte ich es in Zeiten wie diesen allerdings, Sparanreize für Geringverdiener zu schaffen bzw. zu erhalten (z.B. Sparerfreibetrag).
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