Wenn ich abends nach Hause komme, dann sitzt meine Frau meistens schon da und starrt auf den Monitor. Ihre Haare sind zerrauft. Der Blick: eisig. »Ich raste hier gleich aus!«, verkündet sie. Schreibtisch und Umgebung sehen allerdings aus, als sei sie bereits ausgerastet. Mehrmals. Und schuld daran bin natürlich ich. Oder mein Computer - aber das bin ja auch irgendwie ich. BILD

Ich arbeite beruflich mit Computern, ich programmiere Internetportale. Für meine Frau bedeutet das: Ich drücke hier und dort ein Knöpfchen, und schon haben wir ein Programm zur Steuerung sämtlicher Atomraketen dieser Welt. Alternativ kann ich einen Computer durch Hypnose und Handauflegen dazu überreden, gewisse Dinge zu tun, die uns dann erfreuen. Egal auch, welches abstruse Sharewareprogramm sie aus dem Netz lädt, ich werde schon wissen, wie es funktioniert. Und ungläubig schaut sie dann drein, wenn ich ihr eröffne, dass ich keine Ahnung habe. Manchmal wird sie deshalb böse auf mich und ausfallend. Auch, falls ich nicht sofort im Detail sagen kann, wie ein bestimmtes Internetportal funktioniert. Und schließlich ist da noch die Mystik: Texte, Bilder, Dateien, Inhalte ganzer Festplatten verschwinden, ohne das sie auch nur einmal geklickt hätte. Keine Taste berührt, keine Warnhinweise ignoriert. »Ich habe nichts gemacht!«

Von selbst aber, das kann ich zweifelsfrei versichern, macht ein Computer rein gar nichts. Ein Computer ist nämlich dumm, er kennt bloß Nullen und Einsen. Und der Homecomputer, den IBM vor jetzt 25 Jahren vorstellte, der war sogar besonders dumm - bedenkt man allein, welche Technik damals zur Verfügung gestanden hätte . Dumm waren auch die Leute von IBM, als sie sich von Bill Gates ein Betriebssystem andrehen ließen, das ihm nicht gehörte. Später musste IBM hohe Lizenzgebühren an die eigentlichen Urheber von (MS)-DOS zahlen. Die Geschichte des IBM-PC, kurzum, ist also eine Geschichte von Dummheiten. Und daran kranken auch die Nachkommen, bestimmte Betriebssysteme eingeschlossen. Leider haben die Menschen das mit der Dummheit noch immer nicht erkannt.

Bis heute umgibt den Computerkundigen deshalb die Aura eines Schlangenbeschwörers: Man bewundert die Kunst des Artisten, ekelt sich jedoch vor dem Tier. Und da PC und Benutzer nicht die gleiche Sprache sprechen, gab und gibt es noch immer einen tiefen Graben zwischen den Experten, den sogenannten Geeks, und Leuten, die die PC-Sprache ablehnen oder eben einfach nicht beherrschen (wollen). Im Supermarkt kaufen sie sich die Unwilligen aber trotzdem einen PC, weil's ein Schnäppchen ist. Auf diesen PCs gibt es auch genug vorinstallierte Software, damit sich der DAU — der Dümmste anzunehmende User — zum Beispiel ins Internet einwählen kann. Was vom vorinstallierten Kram nicht abgedeckt wird, ist ein Fall für den Notruf - beim Sohn, bei dem Bekannten, oder beim eigenen Mann.

Wie bei uns zu Hause: Im Internet surfen war noch kein Problem, Emails schreiben, sogar chatten, alles wunderbar. Aber dann? Communities, Weblogs, Fotos ins Netz laden, kaum zu glauben, was man ohne weiteres Nachdenken einfach tun könnte, während viele Menschen sich vor einer unlösbare Aufgabe gestellt sehen. Meine Freundin findet die Navigationselemente im Netz nicht, kann Formulare zum Hochladen von Dateien nicht benutzen und erschreckt sich zu Tode, wenn der Klick auf einen Link das Emailprogramm öffnet. »Jetzt habe ich mir einen Virus eingefangen!«.

Zur Angst vor dem Computer an sich gesellt sich also auch die Angst vor Viren. Interessant dabei ist, dass ich zwar alles wissen soll, aber wenn im Chat einer behauptet, dass man beim Einschalten des Rechners besser einen Handstand machen sollte, wegen der Stromschläge? Dem schenkt sie eher Glauben, als meiner Warnung vor unbekannte Email-Anhängen. Denn die Angst vor dem Rechner basiert auf einem ganz einfachen Mißverständnis: Dem, dass der Computer einen Willen habe, und zwar einen tendenziell bösen Willen. Deshalb wird mit und über einen Computer oft geredet, als wäre er eine Person: »Mein Rechner will nicht.«, heisst es dann. Sogar meine Lehrerin, die alles mögliche programmiert hatte, tat das. Wenn eines ihrer Programme nicht lief, hieß es: »Was macht die Kiste denn da jetzt...«, und sie begann, ihren Rechner wirklich übel zu beschimpfen.

Bei uns zu Hause geht es etwas profaner zu. »Du der Monitor geht nicht!«, sagt sie. »Dann schalt ihn einfach ein.«, sage ich. »Der ist eingeschaltet«, sagt sie, »ich bin doch nicht blöd!«. »Dann schalte ihn einfach mal aus«, sage ich. »Ohh... jetzt funktioniert er!«. Aber das ist dann kaum noch zu hören.

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