Personal PC "Monitor war zu teuer"Seite 4/4

Tilo Beckers
"Ich war gerade 12 Jahre alt, als 1986 ein 'Amstrad PC 1640 HD20' das heimische Arbeitszimmer meines Vaters erobern sollte. Vater und Sohn standen vor einem großen Paket und vor einer großen Herausforderung. Zwei gänzlich unbedarfte Computerlaien, die wir waren, wollten doch vor dem Einschalten sicherstellen, dass wir auch nichts falsch machten. Ein Aufkleber mit einer unverständlichen Warnung hatte uns skeptisch gemacht, und das Handbuch mehr Verwirrung als Klarheit gestiftet. So hat es drei Stunden gedauert, bis wir das Gerät überhaupt eingeschaltet haben. Und alles lief problemlos und war auch schon damals vorinstalliert. Dabei hatten wir beim Anblick der vielen Disketten erwartet, das Gerät erst konfigurieren zu müssen. Auch die ausgesprochen intuitive Benutzeroberfläche GEM, ein früher, verschwundener Konkurrent zu Windows, hat uns das Leben leicht gemacht. Allerdings auch erst, nachdem die Auge-Hand-Koordination für die Bedienung der Maus gut funktioniert hat. Die Universalmaschine mit Floppy Disk-Laufwerk, 20 MB Festplatte und 8 MHz Taktfrequenz war zwar weit entfernt von heutigen Standards, aber doch zu so vielen Dingen in der Lage, dass es schon damals das Gefühl der Teilhabe an einer technischen Revolution in mir hervorrief. Es war also die Geburtsstunde meiner 'PC-Sozialisation' und die anfängliche kritische Distanz gegenüber dem technischen Neuling bleibt bis heute unvergessen. (Bilder und technische Informationen unter: http://www.heimcomputer.de/pcs/pc1640.html) "

Christian Schroeder
"„Turbo in der Taste“ Noch vor der Wende bekam mein Vater seinen ersten Computer. Welches Modell kann ich nicht sagen. In meiner kindlichen Welt waren die grünen Striche auf dem Monitor, die sich zu einem Weltraumabenteuer zusammenfügten, spannender. In dieser aufregenden Zeit voller Veränderungen in jedem Bereich des Lebens spulten sich die Nullen und Einsen noch auf Kassetten ab. Die Kiste wurde durch freie Fahrt gen Westen schnell durch einen 486 der neusten Generation aus dem Dienst verabschiedet. Neue Welt in 256 Farben mit Sound und Disketten und Lemmings. Damals mit 12 Lebensjahren waren die kleinen, suizidgefährdeten Dinger auf dem Bildschirm das höchste Gut auf Erden. Wenn ich mir die heutige Entwicklung auf dem zu Neudeutsch „Entertainment -Markt“ anschaue, traure ich um diese goldige Zeit. In der man eine Turbo-Taste am Plastikgehäuse hatte und durch Knopfdruck die virtuelle Welt ins Stocken versetzen konnte. Die wegrationalisierte Turbo-Taste fehlt mir heute manchmal um tolle Dinge auf dem Monitor einzufrieren und nie wieder loszulassen. Die Morgen schon wieder „out“ sind. "

Dominic Eschweiler
"Mein erster PC, war ein 286er von Vobis. Sehr erstaunlich, auch schon damals, fand ich ich die Geschichte, die mein Vater zu diesem Händler parat hatte. Der hatte nämlich in den Ziebzigern seinen ersten Taschenrechner in einer kleinen Klitsche mit eben dem Namen Vobis gekauft. Nun standt der Highscreen pc286dx auf dem Schreibtisch im Arbeitszimmer. 1 Megabyte Ram, 20 Mhz, ein großes und ein kleines Diskettenlaufwerk, 40 Megabyte Festplatte, heute Lachhaft. Damals aber ein recht modernes Gerät, verbrachten mein Vater und ich zwei Abende damit, dass Betriebssystem aufzuspielen. Es ist schon wahnsinnig, wie man sich über einen blinkenden Coursor freuen kann, wenn er das erste mal einen erfolgreich eingerichteten PC markiert. Nach ein par Wochen, in denen ich mit Basic und Pascal Programmierung auseinander gesetzt hatte, degenerierte das teure Arbeitsgerät zu einer reinen Spielemaschine. Meine Eltern verkauften das gute Stück dann irgendwann und ich sattelte au f Spielekonsolen um. Schon damals las ich von Computern, sogenannten Workstations, der Firma Silicon Graphics. Mein großer Traum war zu der Zeit ein Indy, einem sündhaft teuren Computer dieser Firma, der neben einer dumpfen Konsole, auch ein graphische Oberfläche bot und mit dem solche Filme wie Terminator 3 animiert wurden. Heute, als eingeschworener Linux-Nutzer, setze ich wieder auf die Konsole um viele Dinge in meinem Alltag zu erledigen. Graphische Oberflächen sind doch nicht das, was ich mir davon erhofft hatte. Im Übrigen bin ich mittlerweile stolzer Besitzer einer Indy. Die habe ich von meiner Uni geschenkt bekommen, als Sie ausgemustert wurde. Sie steht jetzt im Keller, verkehrte Welt."

Christoph Macholz
"Mein erster Computer war ein sogenannter "XT", den ich als Student 1987 gebraucht für die stolze Summe von 2000 DM erstand. Eine Blechkiste, die auf dem Tisch lag, mit einer 20- MB- Festplatte und eine Taktfrequenz von 5,6 MHz, die man mit Hilfe des roten "Turbo"- Knopfes auf sensationelle 8 MHz erhöhen konnte. Natürlich lief er noch unter MS- DOS; das erste Windows, das ich später versuchsweise installierte, brachte ihn an die Grenze der Leistungsfähigkeit, sodass ich immer nur Windows oder ein anderes Programm laufen lassen konnte. Hauptsächlich benutzte ich ihn für ein Architektur- Zeichen- Programm, dessen Dateien natürlich wesentlich kleiner waren als die heutigen. Auch eine gewöhnliche Word- Datei hatte eine Größe von wenigen kB. Wie hätte ich sie sonst auch auf den großen, dünnen 5 1/4- Zoll Floppy- Disketten mit 360 kB Speicherkapazität transportieren sollen? Dieser Computer hat mir acht Jahre lang treue Dienste geleistet, bis er schließlich auch bei bestem Willen nicht mehr genügte. Auf seine alten Tage startete er im Winter bei kühlen Temperaturen nicht mehr: ich musste ihn vor der Heizung starten, sodass er über den Kühlungs- Ventilator warme Luft ansaugen konnte, und nach einigen Minuten nochmals starten. Immerhin konnte ich mit den damals erworbenen MS DOS- Kenntnissen noch Jahre später unsere Sekretärin begeistern, die unter Windows versehentlich eine wichtige Datei nicht nur "in den Papierkorb verschoben" sondern "endgültig gelöscht" hatte. Auf der DOS- Ebene konnte ich die Datei wiederfinden und reaktivieren. Aber auch das ist heute längst Schnee von gestern!"

Raimo Becker
"7. Januar 1988, ich war zwölf, meine beiden Brüder zehn und elf. Meine Eltern konnten sich der Zukunft nicht mehr entziehen, seit ein alter Freund meines Vaters seinen alten Commodore VC-20 kostengünstig an ihn losgeworden ist (mit Datasette!). Wir drei waren natürlich begeistert von dem Ding, wir bekamen sogar ein paar Bücher über Programmierung und Statistik (Bundesligaverwaltung). Ein Spiel war auch dabei, ein Klon von Pac-Man in Schwarz-Weiß. Ich war, glaub ich, noch nie von etwas so fasziniert wie von diesem Ding. Und am 7. Januar 1988 kauften meine Eltern für uns dann zwei(!) C64, damit es unter uns Brüdern nicht zu Mord und Totschlag käme. Im Herbst des Jahres - gerade siebte Klasse Gymnasium- fragte die Klassenlehrerin dann, ob wir einen Computer zu Hause hätten. Ich sagte "sogar Drei!" (mit VC20). Sie schaute mich an und lächelte über den offenbar lügenden vorpubertären Jungen..."Niemand hat 3 Computer in einem Haus" In diesem Moment war ich der co olste Junge auf der Welt. ...Und auch deswegen liebe ich die Kästen immernoch..."

detlef popiak
"1993 kam ich zu meinem ersten Computer wie die Jungfrau zum Kind. Nämlich fast ohne eigenes Zutun. Ich war damals und noch heute selbstständig als Fensterputzer. Technischen Innovationen stand ich damals sehr skeptisch gegenüber. So brauchte ich Jahre, um den Sprung von der großen Tonbandmaschine zum Kassettendeck zu schaffen. "Ein Computer kommt mir nicht ins Haus war damals mein Credo. Es begab sich dann aber, dass ich mit meiner alten Schreibmaschine eine Preisliste meiner Dienstleistungen tippen wollte. Das dauerte und das Ergebnis sah mager aus. Schließlich fiel mir ein Freund ein und ich fragte ihn, ob er mit seinem Computer solch eine Liste erstellen könnte. Der Freund war sehr erfreut, gab ihm das doch Gelegenheit, mir seine Überlegenheit mit Hilfe seines Computers zu demonstrieren. Ich besuchte ihn dann und mit dem Programm Word erstellte er mir meine Preisliste. Das hat mich schwer beeindruckt, das Ergebnis war hübsch anzusehen, ein Computer ist ja doch recht nützlich dachte ich. Das muß er mir angesehen haben als er mich schelmisch lächelnd fragte, ob ich nicht auch einen Computer möchte. Ich sagte ja und oh wunder, bestellte er gleich einen beim Otto-Versand per Online. Tatsächlich hatte er sogar schon einen Internetanschluß. Ein paar Tage später stand das Ding bei mir und der Freund packte alles aus und richtete ein, murmelte..schimpfte...erklärte - und ging aus der Tür. Jetzt war ich allein mit meiner neuen Errungenschaft. Drückte den Einschalter und sah nach einigem Rattern "den Prompt". Und nun? Ich hatte leider alles vergessen wie es denn nun weitergeht. Also Anruf beim Freund. Doch konnte mir sein Anrufbeantworter nicht helfen. Ich half mir also selbst. Schaltete den Fernseher ein, da passierte wenigstens was, einen Fernseher konnte ich bedienen. Am anderen Tag kam der Freund wieder - und schimpfte mit mir - weil ich doch seine schönen Erklärungen alle vergessen hatte. Ich war so betrübt, dass ich ihm Gel d anbot für sein Bemühen. So geschah es also, dass er sich in nächster Zeit und auch andere Leute ein hübsches Sümmchen für Computerhilfe bei mir verdienten. Mein neues Leben mit dem Computer bildete mich zum Kämpfer aus. Ich musste und wollte mit der Maschine klarkommen, in der ich so viel Geld reingesteckt habe. Heute nach Jahren ist der Computer für mich ein guter Freund geworden. Mittlerweile stark hörgeschädigt ersetzt er mir fehlende direkte Kommunikation mit Menschen. Ich bin sehr oft im Internet und tausche Meinungen und auch Schachspiele mit Fremden aus. Eines meiner großen Hobbies ist Mailen geworden. Und Fotos versenden...und.. und..und "

 
Leser-Kommentare
  1. Mein erster “Tisch” Computer war ein Mael, so Anfang der Siebzigerjahre. Es war ein italienisches Modell, mit 2 K Speicherleistung, 2 Lochstreifenleser, 1 Lochstreifenstanzer, 1 elektrischer Schreibmaschine, eigener Programmiersprache, 2 Jumpbefehlen und 2 Befehlen zur Modifizierung von Adressen. Anschaffunspreis ca. 60.000 DM.

    Das Nachfolgemodell hatte bereits 8 K Speicher und einen Turm mit Speicherplatten und ein Kasettenlaufwerk zur Eingabe von Daten und Programmen. Der stolze Preis betrug so ungefähr 112.000 DM.

    Der groß Sprung kam um das Jahr 1981 mit dem Sirius, zu gleicher Zeit wie der IBM PC, aber weit leistungsfähiger : mit 2 Diskettenlaufwerke a 1,2 Mio Bytes, 400 x 600 Auflösung des Bildschirmes, modifizierbaren Zeichensätzen. Der Preis betrug mit Drucker so ungefähr 16000 DM.

    Der Sirius war dem IBM weit überlegen. Allein in Europa wurde er mehr als 100000 mal verkauft, was zu seinem Untergang erheblich beitrug. Die Laufwerksfirma, an der IBM beteiligt war, stellte plötzlich alle Kredite fällig, worauf die Herstellerfirma recht schnell in Konkurs ging.

    Meinen Sirius gibt es immer noch. Er steht, und zwar gut verpackt, auf dem Speicher. Alle anderen Computer, bis auf zwei, sind schon längst verschrottet.

    • hagman
    • 21.08.2006 um 14:22 Uhr

    Mein erster Rechner - nein, eigentlich gehörte er meiner Mutter - war bis heute die massivste Rechenmaschine, die ich je gesehen habe. In unserem Heim ersetzte der IBM XT mit 8088 Prozessor und einem echten schwarz/weiss Bildschirm die alte elektronische Schreibmaschine mit Textbausteinen. Ich hatte mich schnell in das Gerät verliebt, schließlich verbrachte ich die Jahre meiner Kindheit zuvor am C64 meines Sandkastenkumpels. Dieser war allerdings längst auf einen 486er umgestiegen. Der Grundstein meiner Computerkarriere: Immer war ich irgendwie ein paar Jahre hinterher, habe zwar weniger Geld ausgegeben alls alle anderen, dafür immer den schlechtesten Rechner gehabt. Auf Netzwerkspartys saßen die Kumpels längst an ihren Laptops - ich schleppte meinen Eigenbau-Pentium mit SCSI-Festplatte aus einer alten Digital VAX4000 an. Allein, da half und hilft nur tüfteln und viel Geduld. Quake habe ich trotzdem gespielt.

  2. Mein erster “Tisch” Computer war ein Mael, so Anfang der Siebzigerjahre. Es war ein italienisches Modell, mit 2 K Speicherleistung, 2 Lochstreifenleser, 1 Lochstreifenstanzer, 1 elektrischer Schreibmaschine, eigener Programmiersprache, 2 Jumpbefehlen und 2 Befehlen zur Modifizierung von Adressen. Anschaffunspreis ca. 60.000 DM.

    Das Nachfolgemodell hatte bereits 8 K Speicher und einen Turm mit Speicherplatten und ein Kasettenlaufwerk zur Eingabe von Daten und Programmen. Der stolze Preis betrug so ungefähr 112.000 DM.

    Der groß Sprung kam um das Jahr 1981 mit dem Sirius, zu gleicher Zeit wie der IBM PC, aber weit leistungsfähiger : mit 2 Diskettenlaufwerke a 1,2 Mio Bytes, 400 x 600 Auflösung des Bildschirmes, modifizierbaren Zeichensätzen. Der Preis betrug mit Drucker so ungefähr 16000 DM.

    Der Sirius war dem IBM weit überlegen. Allein in Europa wurde er mehr als 100000 mal verkauft, was zu seinem Untergang erheblich beitrug. Die Laufwerksfirma, an der IBM beteiligt war, stellte plötzlich alle Kredite fällig, worauf die Herstellerfirma recht schnell in Konkurs ging.

    Meinen Sirius gibt es immer noch. Er steht, und zwar gut verpackt, auf dem Speicher. Alle anderen Computer, bis auf zwei, sind schon längst verschrottet.

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