Afrika Bürgerkrieg in Darfur
Der Sudan erlebt die größte Hilfsoperation der Welt, doch ist die Situation in Darfur so prekär wie seit zwei Jahren nicht. Inzwischen kämpfen zahlreiche bewaffnete Gruppen gegeneinander
Dort, wo sich der sagenumwobene Blaue Nil mit dem Weißen Nil vereint, lässt Omar al-Bashir eine neue Stadt bauen, mitten in Khartum. Stadtplaner und Architekten durften sich austoben und Promenaden, Brücken, Brunnen, Boulevards und Gärten entwerfen. Die Halbinsel trägt den Namen Almogran, was etwa Zusammenfluss bedeutet. Und auf einhundertsechzig Hektar fließt wahrhaftig das zusammen, was anderswo zu waghalsig scheint. Priorität haben neben dem 18-Loch-Golfkurs 63 ultramoderne Bürotürme, die schon im Modell rundum verglast funkeln, als ob es sich lohnte, den Rest der Stadt zu spiegeln. Abgerundet wird das vier Milliarden Dollar teure Mammutprojekt mit 650 Villen und 7.000 Apartments; für Schulen, Boutiquen und Freizeitparks ist selbstredend gesorgt. „Pedestrian-friendly“, fußgängerfreundlich sei diese reale Traumwelt, deklamiert die Planungskommission; keinesfalls selbstverständlich für Khartum. Die sudanesische Regierung ist an Almogran mindestens zur Hälfte direkt beteiligt. Und hat die Hälfte der Büroräume bereits vermietet, die Geschäfte laufen gut für Präsident al-Bashir. Das Öl fließt wie nie zuvor.
In Khartum ist nichts zu spüren von „einem der größten Albträume der jüngeren Geschichte, der täglich schlimmer wird“, wie Kofi Annan die Tragödie in Darfur jüngst bewertete. Meldungen aus dem Westsudan lassen indes auch hierzulande kaum noch aufhorchen: Das UN-Büro für humanitäre Hilfe teilte vor einer Woche mit, dass allein von Februar bis Ende Juli insgesamt 979 Zusammenstöße zwischen Rebellen sowie Massaker an der Zivilbevölkerung protokolliert wurden. Ein Jahr zuvor waren es nicht einmal halb so viele.
Die USA und Großbritannien brachten nun im Weltsicherheitsrat den Entwurf für eine 17.000 Mann starke UN-Friedenstruppe für Darfur ein. Darüber hinaus warnte der stellvertretende Generalsekretär für Friedensmissionen, Hédi Annabi, hinter verschlossenen Türen, dass die Regierungsarmee eine Großoffensive in Darfur vorbereite. Doch lehnt al-Bashir Blauhelme in Darfur ab: Man würde gegen die UNO kämpfen, so wie Hisbollah Israel geschlagen habe, polterte er nun zum 52. Jahrestag der Gründung der Streitkräfte Sudans, melden arabische Medien. Der ehemalige General, der schon im Jom-Kippur-Krieg auf Seiten Ägyptens gegen Israel kämpfte, nimmt den Genozid einfach hin, mindestens.
Seit nunmehr drei Jahren tobt der Krieg in Darfur, im Westen des Sudans. Wenn auch Präsident al-Bashir den Konflikt als Gemisch tribaler Fehden verstanden wissen will – die wahre Gegnerschaft besteht zwischen dem arabischen Khartum, wo sich Macht und Wohlstand des größten Landes Afrikas versammelt, und der südlich und westlich gelegenen schwarzafrikanischen Peripherie. Dennoch schaffte es Khartum, bereits seit der Hungersnot 1984 bestehende Landkonflikte zwischen Nomaden und Bauern in Darfur für einen rassistischen Krieg vermeintlicher Araber gegen Afrikaner zu instrumentalisieren. Als die Rebellen des Justice and Equality Movement (JEM) und der Sudan Liberation Army (SLA) Anfang 2003 völlig überraschend den Flughafen in al-Fasher angriffen und einen General der Luftwaffe entführten, musste Khartum schnell reagieren. Und tut dies bis heute erbarmungslos. In der Luft bedient man sich Kampfhubschrauber und Antonov-Bomber, und am Boden den Dschandschawid, einer Reitermiliz. Ehemalige Nomaden, die sich optisch nicht von der übrigen Bevölkerung unterscheiden, aber arabische Zugehörigkeit reklamieren. Konfessionell sind alle gleich: Afrikanische Muslime kämpfen gegen afrikanische Muslime.
Dschandschawid bekämpfen nicht nur die Rebellen, sondern terrorisieren auch die nicht-arabische Zivilbevölkerung, meist Ackerbauern: Dörfer werden systematisch niedergebrannt, Männer ermordet, Frauen vergewaltigt. Etwa 200.000 Menschen wurden dabei seit 2003 getötet, mehr als zwei Millionen vertrieben. Von denen, die geblieben sind, benötigt gegenwärtig etwa eine Million Nahrungsmittelhilfe. Sie können sich nicht mehr auf ihre eigenen Felder trauen - wenn die nicht ohnehin schon vernichtet wurden. Und ungefähr 250.000 Menschen sind aktuell gar von jeglicher Hilfe abgeschnitten.
Darfur liegt Lichtjahre von Khartum entfernt – erwähnt höchstens von Mitarbeitern der zahlreichen Hilfsorganisationen, die sich hier treffen. Es ist ein gefährlicher Job, vor allem für die sudanesischen Mitarbeiter: Allein im letzten Monat wurden in Darfur mehr Hilfsarbeiter getötet als insgesamt in den zwei Jahren zuvor, berichteten Oxfam und andere Hilfsorganisationen Anfang August. Selbst in den Flüchtlingslagern in Darfur ist die Sicherheitslage prekär. Die Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AU) ist aus einigen Lagern bereits ganz zurückgewichen. Chronisch unterfinanziert und ohnehin mit keinem robusten Mandat ausgerüstet, ist sie mit nur 7.000 Mann zumeist auf verlorenem Posten. Sie soll drei Provinzen schützen, die insgesamt größer sind als Frankreich.
- Datum 21.08.2006 - 03:25 Uhr
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Haben sie schon mal im Sudan, in Kenia, in Ecuatorial Guinea oder im Kongo mit Regierungsangestellten oder einem Minister ueber die Abwicklung von Hilfsguetersendungen gesprochen, fuer die das Wohlwollen der Regierung oder das von Clan-Chefs erfoderlich ist ? Wissen Sie, welche Ueberpreise beim Chartern von Schiffen durch die UNO fuer Maislieferungen ueblich sind und wieviele Zwischenfirmen eingeschaltet werden ? Dann wissen, wo das Geld und die Hilfsgueter bleiben. Jedenfalls das meiste davon.
Leidet am meisten unter der Unfaehigkeit und Unwilligkeit der jeweiligen Regierungen seine Bevoelkerung auch nur halbwegs zu versorgen.Hilfsgelder versickern in den tiefen Taschen der Praesidenten und ueberall muss geschmiert werden um etwas zu erreichen.Hilfsgelder sollten NUR Zweckbedingt gezahlt werden denn sie kommen nie bei der Bevoelkerung an.Wenn man bedenkt wie gross die Armut unter der Bevoelkerung ist und der Reichtum at der regierenden Klasse dann kann man schon verstehen dass so viele die Gefahr einer Bootsfahrt ueber das Mittelmeer um eine Perspektive oder ueberhaupt Zukunft zu haben,leider hat Europa laengst keine Arbeit fuer diese Wirtschaftsfluechtlinge.Es muss ein Weg gefunden werden um der hungernden Bevoelkerung in Afrika zu helfen damit sie im Land bleiben weil sonst der Kontinent ausblutet,die Intelligensia geht eh schon ins Ausland weil sie ihr Wissen in der Heimat nicht anbringen koennen oder die Bedingungen einfach zu hart sind.
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