Terror

"Dilettantisch gebaut"

Der zweite Bahn-Bombenleger ist angeblich identifiziert - und flüchtig. Möglicherweise wären die Sprengsätze in zwei Zügen aber doch nicht so gefährlich gewesen, wenn sie explodiert wären

Drei Tage nach der Festnahme von einem der beiden mutmaßlichen Kofferbomben-Attentäter haben die Ermittler auch den zweiten Hauptverdächtigen identifiziert. Seine Kölner Wohnung wurde am Dienstag durchsucht. Der Mann ist laut Generalbundesanwältin Monika Harms auf der Flucht. Pressemeldungen, wonach eine Festnahme des 20-Jährigen am Montag gescheitert sei, bezeichnete Harms am Dienstag in Karlsruhe als nicht zutreffend. Es habe bisher keinen Festnahmeversuch gegeben. Bei der Suche nach den Bahnattentätern nahm die Polizei nach Medieninformationen in Oberhausen und Kiel weitere Verdächtige fest.  Außerdem soll in Kiel ein junger Mann verhört worden sein. Dort gab es auch weitere Durchsuchungen. 

Augenzeugen berichteten dem Sender Radio NRW, in Oberhausen hätten vermummte Polizeibeamte am Dienstag ein Haus gestürmt. Kurze Zeit später sei ein Mann zu dem Haus gekommen und habe sich widerstandslos festnehmen lassen. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen machte dazu zunächst keine Angaben.

Am Dienstag hatten Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) ein Mehrfamilienhaus in Köln durchsucht. Dort befindet sich laut WDR und »Kölner Stadt-Anzeiger« die Wohnung eines 20-jährigen Verdächtigen, der aus dem Libanon stammen soll.

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Nach dem zweiten Täter war seit Tagen fieberhaft gefahndet worden. Sein mutmaßlicher Komplize, ein 21-jähriger libanesischer Student, war am Samstagfrüh in Kiel festgenommen worden. Die beiden Männer sollen Ende Juli in zwei Regionalzügen Kofferbomben deponiert haben, die nur wegen technischer Fehler nicht detonierten. Die beiden jungen Männer waren von Überwachungskameras gefilmt worden, als sie in Köln mit großen Koffern die Züge bestiegen.

Unterdessen kamen allerdings Zweifel auf, ob die Kofferbomben tatsächlich soviele Opfer verursacht hätten wie von den Behörden angegeben. Der Waffenexperte Alexander S. Kekulé schreibt in einer Analyse für den Berliner Tagesspiegel , die "Bomben" seien "so dilettantisch gebaut" gewesen, "dass sie kaum größeren Schaden anrichten konnten". Das liege zum einen am Konstruktionsprinzip der Bombenzünder aus "außerordentlich störanfälligen" Glühbirnen-Drähten und handelsüblichen Batterien, zum anderen am Explosivstoff Propangas.

"Ein Entzünden der außen angebrachten Benzingemische hätte die ziemlich stabilen Propangasflaschen wohl kaum zur Explosion gebracht", schreibt Kekule in seinem Beitrag - "sonst würden an heißen Sommertagen auch reihenweise Grillparties in die Luft fliegen". Selbst wenn die Zündung geklappt hätte, "hätte es in den Waggons zwar eine gewaltige Stichflamme gegeben, eine bombenähnliche Detonation wäre jedoch höchst wahrscheinlich ausgeblieben". Aus den misslungenen Bahnanschlägen könne deshalb noch lange nicht geschlossen werden, dass Deutschland bereits ins Fadenkreuz des hoch professionellen Terrorismus nach dem Muster der al-Qaida geraten wäre. Vielmehr sehe "alles nach einem schlecht vorbereiteten Angriff durch Amateure aus", so Kekulé.



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Leser-Kommentare

    • 22.08.2006 um 18:28 Uhr
    • chiron

    Einfach lobenswert die gründliche Arbeit des Waffenexperte Alexander S. Kekulé, der eine Analyse für den Berliner Tagesspiegel schreibt! Wie sinnvoll sind solche in diesem Zusammenhang sicherlich korrekte Informationen? Werden damit die Verfasser und publizierenden Medien damit nicht auch zu den Kritikern und Anregern von besserem Handwerkszeug für Bombenleger? Sollen solche und ähnliche Artikel aufklären, beruhigen, beunruhigen, anregen oder aufregen? Für wen werden solche Artikel geschrieben? Eigentlich noch raffiniert, wenn auch keinesweges im Sinne der Experten und Journalisten gedacht: als Nachrichten getarnter Nachhilfeunterricht für Kriminelle und Terroristen (...) Aber so war es doch nicht gedacht, oder?

  1. 2. Ruhe

    Wir muessen jetzt Ruhe bewahren!

    Noch sind die Bomben ja dillettantisch gebaut (das ist jetzt aber beim besten Willen nicht rassistisch gemeint! Wirklich nicht, eher eine Anklage an das deutsche Bildungssystem!)

    Also: Nerven zeigen, starke Nerven zeigen, dann kommen wir da auch noch durch!

    In dem von der Zeit zugelassenen Rahmen laesst sich da noch manches kluge Wort zu sagen!

  2. Bombenbauer sind nicht meine Schuetzlinge, ich habe nur gesagt, dass das deutsche Bildungssystem ja wieder einmal versagt hat, da die gemachten handwerklichen Fehler fuer einen Studenten seines Faches (ich kenne den Fachausdruck nicht so gut, vermeide ihn also), doch offensichtlich eklatant sind, bei der Vorbereitungszeit!

    Vielleicht lag es aber nur einfach an der Sprache!

    Wenn Professoren und Studenten im Unterricht nur Deutsch reden!

  3. Ich bitte Sie. Jemand der Chemie-Vorlesungen besucht hat, sollte doch was über Verbrennungswärme, Wärmeleitfähigkeit und Idealem Gasgesetz wissen. Und sich auch ausrechnen können, dass man mit drei Liter Benzin keine Propangasflasche zur Explosion bringen kann. Was macht er sonst an der Hochschule. Etwa nur im Koran blättern?

  4. Es sieht alles danach aus, dass potentielle Terroristen an deutschen Hochschulen garnicht kapieren, wie man eine richtige Bombe baut!

    Das ist dann ja mal ein echter Vorteil der deutschen Hochschullandschaft!

    Es ist an der Zeit, den Professoren und Dozenten dafuer zu danken!

    • 22.08.2006 um 19:46 Uhr
    • ageo01

    Möglicherweise.... . Wer hat denn jetzt eigentlich mal einen Plan gesehen wie die Bomben aufgebaut waren? - Wie sollte das Gas freigesetzt werden? Wer weiß hier denn was mit Sicherheit? Und zum Thema dilettantich... . Wenn man sich mal so anschaut wie in der Vergangenheit mit Explosivstoffen umgegangen wurde und welche Zerstörung erreicht wurde finde ich es schon bemerkenswert welche Schlüsse sogenannte Experten ziehen.

  5. keinen plan, aber ein bild gibts bei der tagesschau - bildstrecke rechts:

    h[ Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion ]

    ... ich dachte die haetten kleine camping-gas dosen genommen - eine fette propangasflasche ist wirklich schwer kaputtbar...

  6. >>... ich dachte die haetten kleine camping-gas dosen genommen

    Die schmelzen und brennen ja auch nicht, im Gegensatz zu den Nachfüllkartuschen aus PP oder PE für Feuerzeuge.

    Übrigens: im Winter lässt sich das Zeug wegen dem geringen Dampfdruck (Siedepunkt nur ca -5°C, je nach Gemisch Propan/Butan) problemlos auch in einer PET-Flasche transportieren. So eine unscheinbare Flasche hält bis 10 bar aus.

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  • Datum 22.8.2006 - 08:19 Uhr
  • Quelle ZEIT online
  • Kommentare 16
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