Ein Immobiliencrash in den USA? Experten runzeln seit Monaten ihre Stirn und warnen, dass die aberwitzigen amerikanischen Immobilienpreise nicht mehr weiter steigen können. Daniel Levy, der Chef der Immobilienfirma CityRealty in Manhattan, rät aber nach wie vor zum Zuschlagen. „In New York finden gute Objekte immer noch einen Käufer“, sagt Daniel Levy. „Und es wird der volle Preis bezahlt“.

Daniel Levy hat natürlich wie alle Immobilienbroker Grund zum Zweckoptimismus. Er ist zudem ein eigenartiger Broker. Nur selten vermittelt er selber Wohnungen und Häuser. Seine Firma hat sich stattdessen darauf spezialisiert, für hoffnungsfrohe Käufer einen passenden Makler zu finden und beim „Beziehungsaufbau“ zu helfen, „damit Sie die Wohnung Ihrer Träume finden“. So verrückt ist der New Yorker Wohnungsmarkt, dass manche einen Beziehungsberater für ihren Makler brauchen.

Was heißt das in der Praxis? Schon länger ist Ökonomen aufgefallen, dass in einigen Gegenden Kaliforniens oder der an amerikanischen Ostküste die Immobilienpreise so hoch sind, dass sich nur noch jede siebte bis zehnte Familie eine eigene Wohnung leisten kann. In New York wird der Wahnsinn auf die Spitze getrieben. Was empfiehlt Daniel Levy zum Beispiel einem jungen, hoffnungsfrohen Bankier, der neu in der City ankommt und einen Unterschlupf für den Job bei einer Wall Street-Bank sucht?

„Rings um das Finanzzentrum ist eine Menge los“, sagt Levy. Im Battery Park mit seinen Blicken auf den Hudson River und die Freiheitsstatue sind in den vergangenen Jahren Wohnblöcke in die Höhe geschossen – trotz der Anschläge vom 11. September. Gleich gegenüber dem Börsengebäude wurden ehemalige Büros in Apartments umgerüstet, etwa in der 20 Pine Street, wo Armani die gesamte Inneneinrichtung übernommen hat. „Entsprechend sehen auch die Preise aus“, warnt Levy.

Für ein „Studio“ – die New Yorker Übertreibung für ein winziges Loch mit Küche im Wohnzimmer und einer Schlafecke – sind je nach Ausstattung und Ausblick 400.000 bis 700.000 Dollar hinzulegen. Okay, zu teuer. Was ist, wenn man über die Brooklyn Bridge fährt und sich jenseits des Flusses niederlässt? „Fast das Gleiche“, sagt Levy, „vor allem, wenn Sie dann noch einen tollen Ausblick auf Manhattan wollen“. Wer es wirklich billiger haben will, muss mindestens 20 Minuten weiter mit der U-Bahn hinaus, etwa nach Park Slope oder Carrol Gardens, beides in Brooklyn. „Da zahlen sie dann 274.000 bis 450.000 Dollar“, sagt Levy, „das ist schon viel entspannter, oder?“

Am besten verbringt man in diesen Jahren ohnehin nicht viel Zeit in seinem Studio, sondern arbeitet Tag und Nacht. Wenn man nämlich ein paar Jahre später erst eine Familie gründen und in eine größere Wohnung ziehen will, braucht man erst recht viel Geld. „Egal ob Sie in eines dieser Luxus-Wohnungs-Hochhäuser ziehen, oder in ein Loftgebäude in Soho, Tribeca oder Chelsea“, sagt Levy, „der Preis ist ungefähr der gleiche“. Im Hochhaus hat man meist einen Türsteher und ein Schwimmbad im Haus, im Loftgebäude einen Hauch bohemischen Charmes.