Robert J. Shiller lehrt Ökonomie an der Universität Yale. Der Experte für Immobilien und hochkomplizierte Finanzinstrumente wurde nach dem Immobiliencrash der Jahrtausendwende zu einer Berühmtheit seiner Zunft. Er hatte nicht nur den Zusammenbruch der Spekulationsblase an den Technologiemärkten vorausgesagt, sondern dem Notenbankchef Alan Greenspan sein berühmtes Zitat von der irrational exuberance , dem „irrationalen Überschwang“, in den Mund gelegt. Heute warnt Shiller vor der nächsten Spekulationsblase, diesmal am Immobilienmarkt.

ZEIT online: Wenn man in diesen Tagen mit amerikanischen Immobilienmaklern spricht, sind sie freundlich wie nie. Von einigen bekommt man als Hauskäufer ein Schwimmbad oder einen Gärtner gratis dazu. Sind das Zeichen, dass der Immobilienmarkt zusammenbricht?

Robert Shiller: Wir erheben hier an der Universität monatlich Daten zu den Immobilienpreisen, und im vergangenen Monat sind sie sogar noch gestiegen. Es gibt nur ein paar Ausnahmen, wie Boston in den vergangenen sechs Monaten. Wenn Sie aber auf Zukunftsmärkte für Immobilien schauen ...

ZEIT online: ... eine ganz neuartige Einrichtung an den Finanzmärkten, wo man sozusagen auf die künftigen Wohnungspreise wetten kann ...

Shiller:   ... dann sieht es überall nach einem Preisrückgang innerhalb des nächsten Jahres aus. Womöglich sind wir gerade an einem Wendepunkt.

ZEIT online: Wie lautet denn Ihre eigene Vorhersage? Wendepunkt oder nicht?

Shiller: Ich vermute, dass wir einen Wendepunkt erreicht haben, doch solche Prognosen haben immer ihre Ungewissheiten. Es war ein bemerkenswerter Immobilienboom. Der Preis für Wohnungen und Häuser ist seit den frühen 90er Jahren kontinuierlich gestiegen. Der Markt ist immer stärker geworden, aber ewig kann es so nicht weitergehen.

ZEIT online: Ein abrupter Einbruch in naher Zukunft also?

Shiller: Das glaube ich nicht. Am Immobilienmarkt ändert sich die Marktpsychologie üblicherweise graduell.

ZEIT online: Wie gesagt, die Broker, mit denen wir heute geredet haben, sind nicht mehr gerade optimistisch. Da hat sich an der Psychologie schon etwas getan.