Afghanistan Falsche Frage
Die Bundesregierung will keine Soldaten in den Süden Afghanistans schicken. Angeblich aber nicht aus Feigheit vor den dort marodierenden Taliban. Ulrich Ladurner hält das für ein merkwürdiges Argument
Die deutsche Regierung ist offensichtlich um den Ruf ihrer Soldaten besorgt. Wie sonst ließe sich erklären, dass der Pressesprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, am Montag ohne Not betonte, man könne der Bundeswehr keine Feigheit vorwerfen. Dabei hatte niemand diesen Vorwurf öffentlich erhoben; er wurde allenfalls halblaut kolportiert, angeblich aus den Reihen anderer Nato-Staaten.
Es gab allerdings Gerüchte, wonach die Nato überlege, deutsche Soldaten auch im Süden Afghanistans einzusetzen. Mehr aber auch nicht. Die Bundesregierung schloss daraufhin dennoch sofort aus, dass sie dafür ihre Zustimmung geben und das Mandat ändern würde.
Immerhin, der Süden Afghanistans ist ein Kampfgebiet – während der Norden als relativ stabil gilt. Dort sind Bundeswehrsoldaten stationiert. Und dabei soll es bleiben.
Der Bundesregierung aber sollte es herzlich egal sein, ob deutschen Soldaten Feigheit vorgeworfen wird oder nicht. Solche Begriffe vernebeln nur die einzig wichtigen Fragen: Ist es sinnvoll, dass deutsche Soldaten in Afghanistan ihr Leben riskieren? Wenn ja, warum, wozu und für wie lange?
Darauf muss Berlin schlüssige Antworten haben - Feigheit ist dabei keine Kategorie.
- Datum 28.08.2006 - 07:12 Uhr
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 9
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dass Sie sich mit den Kommentaren auseinander setzen sollen ?
sich mit den Kommentaren auseinanderzusetzten, auf die man hier trifft. Ist in der Zeit-Website eine Zeitmaschine eingebaut, die alle zurück in die linksutopischen Siebziger schmeisst?
Wie kann man nur das Regime der Taliban mit der jetzigen - in der Tat chaotischen - Situation vergleichen? Wie kommt man darauf, dass die radioaktive Belastung durch Uranmunition das wichtigste Argument gegen den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan sein sollte?
Fassungslos.
Das wichtigste Argument gegen eine Entsendung deutscher Soldaten nach Afghanistan wurde noch gar nicht benannt: Wie will es die Bundesregierung verantworten, deutsche Staatsbürger wissentlich einer derart hohen radioaktiven Verseuchung auszusetzen, wie sie nach dem massiven Beschuß mit amerikanischer Uranmunition in Afghanistan herrscht?
"Ist es sinnvoll, dass deutsche Soldaten in Afghanistan ihr Leben riskieren? Wenn ja, warum, wozu und für wie lange?"
Bin erfreut, in der ZEIT eine relevante, ideologiefreie Frage zu lesen, die sich zu diskutieren lohnt.
Meiner Ansicht nach gibt es keine Rechtfertigung, das Leben deutscher Soldaten in Afghanistan zu riskieren.
Natürlich hat die zivilisierte Welt ein Interesse daran, islamistische Terrorcamps sowie den Steinzeitislam der Taliban zu verhindern. Allerdings wäre dafür eine solch langdauernde, massive militärische Präsenz notwendig, die weder bezahlbar noch verhältnismässig wäre im Vergleich zu anderen und wichtigeren Interessen des Westens.
Die derzeitige Strategie ist völlig falsch, da sie den Taliban einen religiös-ideologischen Daseinszweck gibt, nämlich den Kampf gegen die "Ungläubigen" in ihrem eigenen Land. Diesen Gefallen sollte der Westen ihnen nicht tun. Einzelne Terrorcamps könnten auch über gezielte Luftschläge ausgeschaltet werden.
Es gibt allerdings Länder, die ein vitales Interesse an Stabilität und wirtschaftlicher Entwicklung in Ihrer Nachbarschaft und damit der Auschaltung der Taliban haben müssten und haben, nämlich die benachbarten Mächte Iran und Pakistan sowie Kasachstan/Russland. Diese Mächte sind insgeheim natürlich sehr froh darüber und profitieren davon, dass der Westen ihre Arbeit macht. Da nur diese Länder vitale Interessen in Afghanistan haben, sollte der Westen ihnen die Arbeit überlassen.
Die deutschen Interessen rechtfertigen nicht den Verlust auch nur eines einzigen deutschen Soldaten.
Die vom Westen installierte Regierung in Afghanistan ist nun solange an der Macht wie es die Taliban waren. In der gleichen Zeit haben die Taliban eine sehr harte Ordnung eingeführt, die Infrastruktur sehr verbessert, und den Drogenanbau gestoppt.
Heute herscht statt einer Ordnung die reine Willkühr in Afghanistan, die Infrastruktur ist immer noch kaputt, und der Drogenanbau auf einem Höchstand.
Damit ist niemand zufrieden , weder die Afghanen die unter der Willkühr leiden und fehlender Infrastruktur, noch die Nachbarstaaten wie China Iran Russland oder ehemalige Sowjetstaaten die von der Instabilität und durch die Überschwemmung mit Heroin betroffen sind.
Wie auch auf dem Balkan stützt sich die Nato auf das organisierte Verbrechen diese Regionen zu beherschen.
Das kann einfach nicht gut gehen.
Leichtfertig geht die Regierung mit dem Menschenleben der Soldaten um. Nicht weil sie schlecht ausgerüstet sind sondern weil sie überall in der Welt ohne offensichtlichen Nutzen stationiert werden. Schleichend werden die Kampfeinsätze herbeirealisiert. Ein verborgener Nutzen ist sicherlich vorhanden, der die vielzahl der Einsätze erklären könnte. Bemüht man die jüngere politische Geschichte so findet man schnell Parallelen zum Imperialismus; und der hat langfristig weder den Imperialmächten noch den Imperialisierten genutzt. Man könnte sich ja auch mal heraushalten und an den eigenen Problemen arbeiten -und da gibt es einiges. Aber man doktort halt lieber in der Ferne an den Symptomen, als im eigenen Umfeld an den Ursachen zu arbeiten. Und wenn ein paar Bundis ins Gras beißen stört das inzwischen auch bei uns keinen mehr so richtig. Ein toller Fortschritt.
... daß die Freiheit Deutschlands am Hindukusch verteidigt werden muß, dann müssen die dort eingesetzten Soldaten mit alle Risiken ihren Auftrag erfüllen. Oder es stimmt nicht - dann sind sie von dort abzuziehen (auch wenn es den Partnern nicht gefällt). Als Brunnenbauer und Hilfspolizisten von Warlords Gnaden sind sie jedenfalls zu
teuer.
Afghanistan ist nur eines von unzähligen Beispielen für das Grundübel deutscher Politik ganz allgemein. Wir wollen und wollen doch nicht, in jedem Ja steckt ein Nein und in jedem Nein ein Ja. Alles endet im sowohl als auch und im weder noch, das Teils-Teils ist oberstes Gebot.
So wurstelt man sich durch die Zeiten und wundert sich, daß nichts herauskommt.
kann es sein dass die deutsche Regierung "versehentlich" mehr Verpflichtungen übernommen hat, als das Mandat des Bundestags zulässt?
Afghanistan hat keine Chance auf die Beine zu kommen solange westliches Militär dort Unsicherheit verbreitet.
Darum verstärken die Afghanen, nachdem der Westen seine Chance und seine Verpflichtung zu helfen nicht genutzt hat den Druck auf die ISAF. In dieser Situation dann noch sinnlos deutsche Soldaten zu verheizen grenzt schon an Heimtücke gegenüber diesen Soldaten und deren Familien. Denn der Widerstand wird auch den Norden erreichen, und jetzt ist dort noch ein geordneter Rückzug möglich, warum warten bis ein verlustreicher Abzug erzwungen wird.
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