Afghanistan Lernen von den Sowjets?
Soll die Bundeswehr auch in den Süden Afghanistans? Ulrich Ladurner, der das Land jüngst bereiste, hält das für eine schiefe Frage. Denn die Nato kämpft dort längst. Offen ist nur, ob nicht der gesamte Einsatz scheitert
Angesichts der Debatte darüber, ob deutsche Soldaten auch in den Kampfgebieten im Süden Afghanistans eingesetzt werden sollen, ist es nützlich, zunächst eine paar Begriffe zu klären. Die Bundeswehr ist nach dem Sturz der Taliban im Jahr 2001 in das asiatische Land entsandt worden, um gemeinsam mit Dutzenden Verbündeten das Land zu sichern und zu stabilisieren, im Rahmen der Internationalen Schutztruppe (International Security Assistance Force – ISAF). Das ist denn auch der Oberbegriff für die europäischen Truppen.
Die US-Armee hingegen kam in Rahmen ihrer Kampagne „Enduring Freedom“ und ihres "Kriegs gegen den Terror" nach Afghanistan. Ihr Ziel war und ist es nach eigenem Bekunden, nach den Anschlägen vom 11. September 2001 Terroristen zu „jagen und zu töten“.
Die Trennung der beiden Einsätze war auf Dauer aber nicht aufrechtzuerhalten. Krieg führen alleine reichte nicht, man musste Afghanistan wiederaufbauen. Und Schulen bauen, ohne die feindlichen Krieger zu bekämpfen, auch das reichte nicht. Amerikaner wie Europäer haben das eingesehen – nach langem Zögern und nach vielen Fehlern. Auch aus dieser Einsicht heraus hat die NATO im Juli das Kommando in Afghanistan übernommen. Das bedeutet, dass jetzt auch die Europäer via Nato direkt in die Kampfhandlungen eingreifen und einbezogen sind. Und sie haben das in den vergangenen Tagen und Wochen mit einer Reihe von Opfern bezahlt.
Ob nun deutsche Soldaten auch im Süden eingesetzt werden oder nicht, ist daher nicht mehr alleine die Entscheidung der deutschen Bundesregierung. Es ist eine Entscheidung der NATO. Deutschland wird sich seiner Bündnispflicht schwer entziehen können.
Die wichtigste Frage aber lautet in Berlin wie im Brüsseler NATO-Hauptquartier: Können wir es verantworten, das Leben unserer Soldaten aufs Spiel zu setzen? Wenn ja, warum, wozu und für wie lange?
Das selbst gesetzte Ziel des westlichen Engagements kann man in wenigen Sätzen formulieren: Wir müssen Afghanistan wieder aufbauen und stabilisieren. Wenn das nicht gelingt, dann wird es wieder ein sicherer Hafen für al-Qaida werden – mit den entsprechenden Konsequenzen. Das jedenfalls ist die Annahme, die der Truppentsendung zugrunde liegt.
Fünf Jahre nach Beginn dieses Einsatzes ist kaum jemand optimistisch – weder die Afghanen noch die internationale Gemeinschaft. Nervosität ist allenthalben zu spüren. Langsam macht sich die Erkenntnis breit, dass in Afghanistan auch alles schief gehen könnte. Man möchte daher gerne wissen, ob denn in Brüssel der eine oder andere Stratege einmal genauer die Erfahrung der Sowjetunion in Afghanistan studiert hat. Die Sowjets marschierten mit imperialer Überheblichkeit 1979 in das Land ein. Zehn Jahre später verließen sie es. Geschlagen und gedemütigt.
Es ist freilich sehr ungehörig, die Sowjetunion mit den westlichen Demokratien zu vergleichen. Das bedeutet aber nicht, dass man aus den Erfahrung der anderen nicht lernen könnte. Selbst wenn diese anderen die Bösen waren.
- Datum 29.08.2006 - 14:23 Uhr
- Quelle ZEIT online
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Die Diskussion um einen eventuell erweiterten BW-Einsatz in Afghanistan verfehlt mal wieder das Thema. Titelzeilen mit dem Schlagwort 'Sovjet' drin sind nette eye-catcher, aber fehl am Platz.
Fakt 1:
Deutschland und die BW sind bei Auslandseinsätzen bis jetzt äußerst glimpflich davongekommen im Vergleich zu anderen Armeen, was u.A. an der hohen Professionalität der Soldaten und dem Auftreten als stärker bewaffnete Ordnungsleute liegt. V.A. wenn man einen Vergleich der Bildungsquoten/Bildungsniveaus der BW denen der US-Armee oder der British Army gegenüberstellt so wird ein eklatanter Unterschied jedem schnell klar. Die BW ist (noch) fähiger als ihre Alliierten, mit etwas Fingerspitzengefühl und Hintergrundinfos umzugehen.
Fakt 2
Die Einsatzprofile und ROEs der BW waren und sind noch sehr zurückhaltend im Vergleich denen anderer Armeen. Es ist völlig klar, dass die BW es im Norden Afghanistans noch recht ruhig hat, denn sie hat sich bis jetzt auf den sehr wichtigen und längerfristig entcsheidenden (Wieder)aufbau konzentriert, aber auch geflissentlich bei einigen der Hauptprobleme in die andere Richtung geschaut. Der Mohnanbau in Afghanistan, v.A. auch im Norden, nimmt weiterhin zu. Mit dem Drogenanbau werden Warlordstrukturen zementiert. Überhaupt mangelte es auch in Afghanistan an einer gezielten Strategie, wie die Warlords auf nationaler Ebene möglichst friedlich ausgeschaltet werden konnten. Dies ist nicht geschehen, und die BW steht an den Mohnfeldern quasi Schmiere, die den 'Feinden und Terroristen' von morgen Geldquellen sind.
Also, kurz summiert:
1) Die BW geht etwas professioneller und behutsamer vor und tritt nicht so 'tollpatschig' auf wie andere Armeen.
2) Bis jetzt konnten die Einsätze der BW so strukturiert werden und das öffentliche Auge in die andere Richtung gelenkt werden, dass die wirklichen Problemherde im Norden Afghanistans unangegriffen blieben und bleiben.
Die Frage ist nur, ob man sich v.A. mit letzterem nicht langfristig ins eigene Fleisch schneidet...Afghanistan ist wie ein Druckkessel, im Süden zischt es bereits, aber der Druck ist auch im Norden vorhanden...nur weil etwas nicht von den Medien behandelt wird heisst es noch lange nicht, dass es nicht existiert. Nur weil noch kaum deutsche Soldaten in Afghanistan gefallen sind bis jetzt bedeutet dies nicht, dass sie nicht schon im Fadenkreuz stehen.
Bezueglich des Punktes Bundesregierumg / Bundestag.
Der Bundestag hat mit der Endsendung in den Sueden nix zu tun. Er bestaetigt, aendert oder widerruft das Mandat.
Das Mandat sieht aber den Einsatz in ganz Afghanistan vor, daher ist die Wortfuehrung 'Bundesregierung' korrekt. Die Endsendung im Moment ist Sache der Bundesregierung, wenn ueberhaupt. Das Mandat steht im Herbst wieder an und dann wird sich der Bundestag damit auseinandersetzen muessen, aber zur Zeit hat der Bundestag darin nix zu tun.
Allgemeinhin ist es eine Sache es NATO-Hauptquartiers.
Bezueglich des Punktes: 'Unsere Jungs wuerden das nicht tun.' Hier stimme ich ueberein. Wir sind nicht besser, daher finde ich persoenlich das wir uns endlich der Aufgabe stellen muessen, diesen Sachverhalt wirklich zu diskutieren -- in den Parteien, aber auch in der Gesellschaft.
Wir sollten uns langsam mal klar werden, was wollen wir, was sind wir dafuer bereit zu zahlen und wohin gehen wir oder gehen wir nicht und wie soll die Bundeswehr das leisten. Wir sind jetzt seit 10 Jahren im Ausland entsprechend taetig und das wird bestimmt nicht weniger sondern mehr.
Zitat:
"Es ist freilich sehr ungehörig, die Sowjetunion mit den westlichen Demokratien zu vergleichen. Das bedeutet aber nicht, dass man aus den Erfahrung der anderen nicht lernen könnte. Selbst wenn diese anderen die Bösen waren."
... och bitte, wenn ich schon sowas lese, meine Güte! Durch wen wurde denn der Widerstand in Afghanistan unterstützt? Wieso geben Sie nicht einen Einblick mit welcher Macht die Sowjetunion damals eingerückt ist, das wird die Verhältnisse zurecht rücken.
Wer glaubt mit ein paar Kommandos die Lage in Afghanistan unter Kontrolle zu bringen, der leidet unter Realitätsverlust. Es ist ja geradezu lächerlich, dass die Taliban nach der vernichtenden Niederlage sich nun im Süden wieder etablieren konnten. Und die Taliban sind in ihrer Stärke nicht mit den Kämpfer Hekmatyars etc. gleichzusetzen.
Dies zeigt, wie schwach und undurchdacht die Operation am Hindukusch geführt wird. Unsere westlichen Doktrinen taugen in der Problemlösung sehr wenig. Ich kann ehrlich gesagt keine wirklich erfolgreiche Befriedungsaktion als Beispiel anführen.
Was Gut und Böse angeht, so ist das immer eine relative Sache. Wie verhält sich die Lage wenn man für sein eigenes "Gutes" auch Böses tut. Die Ueberheblichkeit und Besessenheit von einer Idee welche mit allen Mitteln durchgesetzt wird führt unweigerlich zum Scheitern. Der im Leid entfachte Zorn wird keinen Unterschied zwischen Schuldigen und Unschuldigen machen.
Solange ein Menschenleben nichts mehr wert ist und wir das gegenseitige Leid nicht verstehen können, so lange werden wir mit Extremismus zu tun haben. Es wird keinen Unterschied machen, wie viele Soldaten geschickt werden. Schliesslich werden wir alle im weitesten Sinn Soldaten werden. Was für eine Freiheit ist das? Dies wünscht sich keiner.
Der Ansatz für die Problemlösung muss ein anderer sein. Je mehr wir uns in die Spirale des Krieges reissen lassen, desto weniger Erfolg wird es bringen. Die einzige Lösung sehe ich im wirtschaftlichen Aufbau und Eröffnung von menschenwürdigen Perspektiven.
Ich zitiere Sie:
"Die Ueberheblichkeit und Besessenheit von einer Idee welche mit allen Mitteln durchgesetzt wird führt unweigerlich zum Scheitern."
Mein Kommentar:
Warum in alles der Welt soll "Überheblichkeit und Bessenheit von einer Idee" notwendig Ursache von Scheitern sein? Worin soll diese Unweigerlichkeit bzw. Notwendigkeit eigentlich begründet sein? Wollten Sie ein Naturgesetz formulieren?
Ein Kommando im Süden wäre Wahnsinn, beinah täglich kommen Verlustzahlen von amerikanichen, britischen und anderen "Willigen" Soldaten, die Strategie "Kampf gegen den Terror" ist gescheitert.
Wie reagieren die Bundesbürger wenn monatliche 20 Bundeswehrsoldaten in Leichensäcken nach Hause kommen? Wie reagiert die islamische Welt wenn deutsche Soldaten in Kriegsverbrechen beteiligt werden? Was passiert dann mit dem Ruf Deutschlands?
Die Nato hat keine existensberechtigung mehr, der kalte Krieg ist vorbei und der Warschauer Pakt hat sich aufgelöst. Die Nato ist der verlängerte Arm der Amerikaner, sie dominieren die Nato, sie treffen die wichtigen Entscheidungen, sie können andere Natoländer unter Druck setzen und wenn nötig den einen oder anderen Verteidigungsminister zum "Briefing" bestellen. Warum tut sich das die BRD immer noch an? Warum werden wir immer noch von unseren Politiker zu Vasallen degradiert?
Wenn ich schon an den Herrn Jung denke, so eine Art dilletantischer Rumsfeld, in seiner Inkompetenz kann er noch sogar den Glos toppen...
Wenn Donald seine Interkonti's umrüstet, dann wird die Niederlage vielleicht noch abzuwenden sein und kein Bundeswehrsoldat muss sterben.
Übrigens wissen wir jetzt, warum man Israel im Libanon so wüten liess. Das war doch nur der Vorgeschmack für einen Raketenhagel auf Südafghanistan oder die vermeintlichen Verstecke von Al Quaida.
Das wichtigste Argument gegen einen Militäreinsatz deutscher Soldaten in Afghanistan wurde noch gar nicht benannt: Wie will es die Bundesregierung eigentlich verantworten, deutsche Stattsbürger wissentlich in ein derartig radioaktiv verseuchtes Gebiet zu beordern, wie es Afghanistan nach dem massiven Beschuß mit amerikanischer Uranmunition darstellt?
Abhauen und Afghanistan dem inneren Chaos zu überlassen? Bedeutet stark erhöhten Drogen- und (früher oder später wieder) Terrorexport. Wenn "der Westen" dann nochmal auf die Idee kommt, da reinzugehen und aufzuräumen, findet er keinen Karsai mehr, der bereit ist, die Rolle des Präsidenten "für einen demokratischen Aufbau des Landes" zu spielen.
Gegenvorschlag: Wenn die Muslime aller Welt "uns" schon für eine expansionistische, doktrinäre Kultur halten, warum benehmen wir uns nicht zur Abwechslung mal wirklich so?
Weil die Sowjets gescheitert sind, und weil es keinen Grund gibt, dass es "uns" nicht genau so ergehen könnte. Weil Afghanistan für solche Stategien wirklich denkbar ungeeignet ist. Klar, das ist ein vernünftiger Einwand. Aber was ist die Konsequenz?
Wir befinden uns in einer lose-lose-situation (früher sagte man "Zwickmühle"): Was wir auch immer tun, es ist falsch. Der einzige Ausweg, der ohne Verlust zu haben wäre, ist recht unwahrscheinlich: Dass es nämlich noch gelingt, Afghanistan zu stabilisieren.
Wenn es aber keine "richtigen" Entscheidungen gibt, dann gibt es auch keinen Grund, auf unserem bedauernswerten Verteidigungsminister herumzuhacken (nein, ich bin nicht in der CSU!), oder alternativ auf Rumsfeld (ich mag ihn GAR NICHT, aber als der Angriff gegen das Taliban-Regime im Jahr 2001 startete, da hatte ich dagegen GAR NICHTS einzuwenden) oder auf Bush, Merkel, oder wem auch immer.
Vielleicht (Vorsicht: politisch unkorrekter Gedanke!) sollten wir den Afghanen böse sein, weil sie unsere Bemühungen wohl nicht richtig zu schätzen wissen (denn woher kommen sonst die neuen Taliban)???
Der Fehler liegt in der Vergangenheit, und wir müssen in der Gegenwart bzw. der Zukunft den Preis bezahlen. Aber wir wollen uns gerne drücken. Das liegt aber auch daran, dass wir nicht so recht wissen, was eigentlich der Fehler war, und wer ihn gemacht hat... Und dass wir auf jeden Fall einen höheren Preis für unsere Sicherheit zahlen müssen als damals, als "der Russe" noch in 24 Stunden am Rhein sein konnte, das sollte eigentlich inzwischen auch jedem aufgegangen sein.
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