Atomstreit Iran mauert
Harte Töne aus Teheran: Die Forderungen der Vereinten Nationen werden nicht erfüllt
Auf einer Pressekonferenz in Teheran hat der iranische Präsident Ahmadineschad noch einmal unmissverständlich klargestellt, dass seine Regierung das Ultimatum verstreichen lassen wird, das der UN-Sicherheitsrat mit der Forderung verbunden hatte, Iran solle die Anreicherung von Uran vorläufig unterbrechen. Die fünf Vetomächte hatten die Aussetzung dieser Arbeiten zur Bedingung für Gespräche über ein umfassendes Abkommen mit Iran gemacht und Sanktionen für den Fall angedroht, dass Teheran bis zum Monatsende darauf nicht eingeht.
Welcher Art diese Sanktionen sein könnten, darüber gibt es innerhalb der Fünfergruppe Meinungsverschiedenheiten, auf die Iran ganz offen spekuliert. Am Tisch der Fünf sitzt meist auch Deutschland, das zusammen mit Frankreich und Großbritannien als Teilnehmer der europäischen Verhandlungsgruppe (EU-3) den diplomatischen Prozess maßgeblich beeinflusst hat. Dass die Deutschen ein starkes wirtschaftliches Interesse an einer Zusammenarbeit mit Iran haben, steht für alle Beteiligten außer Frage und wird teils als Chance für die Verhandlungen, teils als Problem aufgefasst.
Schon seit Wochen deutete sich an, dass Iran sich nicht dazu bequemen würde, die Zentrifugen zur Anreicherung zu stoppen oder doch zumindest ohne Urangas rotieren zu lassen. Nach den Ereignissen im Libanon fühlt sich das Teheraner Regime in seiner harten Haltung nur bestärkt. Zwar war von offizieller Seite auch zu hören, die weitgehende Verlagerung der Anreicherungsarbeit außer Landes sei als Teil einer umfassenden Vereinbarung über Sicherheitsgarantien, wirtschaftliche und (nuklear)technische Zusammenarbeit durchaus denkbar aber eben nur als Verhandlungsgegenstand und nicht als, wie es aus Teheran heißt, Vorleistung. Der UN-Sicherheitsrat hingegen spricht, wie vorher schon die Internationale Atomenergiebehörde IAEA, von einer vertrauensbildenden Maßnahme.
An ihr wird es nun also weiterhin mangeln, und Vertrauen ist derzeit auf beiden Seiten nicht vorhanden. Um im Wort zu bleiben, müssen die Fünf (oder Sechs, mit Deutschland), nun über Sanktionen miteinander diskutieren. Man kann sich womöglich auf ein Minimum einigen, wie beispielsweise Reisebeschränkungen für bestimmte Gruppen iranischer Offizieller. Womöglich kommt es aber darüber hinaus zu Sanktionen außerhalb des UN-Prozesses, die von, wie es heute heißt, Willigen verhängt werden.
Unterdessen hat der Teheraner Regierungschef ein weltweit ausgestrahltes Fernsehduell mit George W. Bush vorgeschlagen. Damit versucht er, sich als Sprecher der islamischen Welt zu profilieren, gleichauf mit dem Vertreter der globalen Großmacht zu Beginn dieses Jahrhunderts. Es handelt sich um die propagandistische Begleitmusik der iranischen Versuche, im arabischen Raum die Vormachtstellung zu erreichen. Diesem strategischen Ziel ist bisher auch die Atompolitik Irans untergeordnet; wer sie verändern will, wird nicht umhin können, mit Iran über dessen Rolle in der Welt zu verhandeln. Außer Sanktionen, die nun fällig sind, wenn sich der Westen nicht lächerlich machen will, sind daher auch Signale positiver Art vonnöten (GvR) .
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- Datum 29.08.2006 - 06:50 Uhr
- Quelle ZEIT online
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Beide Seiten haben alles auf ihre Karten gesetzt und sehr viel geblufft, viel mehr aber war es der von den US angeführte UN-SR. Iran will sehen und ist gespannt, welche Karten der Gegner ausspielt. Hat der UN-SR doch zu hoch gepokert ...
Das der Iran bei den ständigen Drohungen und den verlogenen Angriffen seitens der USA auf den Irak, und seitens Israel auf den Libanon (welcher Idiot glaubt denn, dass zwei Tage nach der Entführung deshalb ein Angriffskrieg stattfindet? Als ob ein solcher Krieg nicht etwas mehr Planung bedürfen würde!) eine Selbstverteidigungsoption braucht, dürfte Menschen mit halbwegs vorhandener Intelligenz einleuchten. Sollte man auch noch so wenig Verstand besitzen, aber dass man dem Iran keine Sicherheitgarantien für einen Atomverzicht geben möchte, ist selbstsprechend. Das der Iran also die Atombombe will, um die Aggressoren und Atommächte USA und Israel abzuschrecken, ist ein völlig natürliches Sicherheitsbedürfnis.
Sanktionen, die verhindern sollen, dass der Iran sich gegen die USA und Israel verteidigen kann, sind im Grunde eine Mittäterschaft bei späteren Angriffen. Man wäre also mitschuldig an den dann zu erwartenden zivilen Opfern!
Jeglicher Versuch, die iranische Atombombe zu verhindern, ohne dem Iran irgendwelche Sicherheitsgarantien (tut keiner!) vor den Angriffslustigen USA und Israel anzubieten, ist eine Imageaufwertung des Volksverhetzers Ahmadineschad. Die im Westen verlogene Bewertung des iranischen Sicherheitsbedürfnisses steigert nur seine Popularität.
Ungerechtfertigte Sanktionen gegen den Iran dürften mit gerechtwertigten Ölsanktionen gegen den Westen erwidert werden, mit der Folge, dass die westlichen Wirtschaft in eine Krise gestürzt wird. Mal sehen, welche Lobby stärker ist. Die, die hier Wirtschaftskrisen verhindern möchte, oder die, die die Waffenindustrie der USA fördert inklusive Israel dabei unterstützt, scheinbares Schutzbedürfnis vorzuheucheln (als Atommacht mit über 200Atomwaffen braucht man gewiss keine Angst vor einer iranischen Bombe zu haben), damit man von der verbrecherischen, 40Jahre andauernden Apartheitsbesatzung nicht thematisieren muss, und die Palaestinenser weiter enteignen kann. Letztere Lobby hat bisher hervorragend gearbeitet und eine ehriche Berichterstattung verhindert.
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