Terror Zweiter Attentäter gefasst

Auch der zweite mutmaßliche Bahn-Bombenleger ist festgenommen. Der 19-Jährige stellte sich im Libanon selbst der Polizei

Dreieinhalb Wochen nach den gescheiterten Attentaten auf zwei Regionalzüge der Bahn sind beide mutmaßlichen Täter gefasst. Der zweite verdächtige Libanese wurde nach Angaben der Bundesanwaltschaft am Donnerstagmorgen im Libanon festgenommen - fünf Tage nach der ersten Festnahme in Kiel. Deutschland strebt jetzt eine Auslieferung des 20-Jährigen an. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht davon aus, dass es dabei keine Probleme geben wird. Die Innenminister von Bund und Ländern wollen am 4. September auf einer Sonderkonferenz in Berlin über verschärfte Sicherheitsmaßnahmen beraten, kündigte Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) an.

Beamte der Bundesanwaltschaft wollten noch am Donnerstag nach Beirut aufbrechen, um den Beschuldigten zu vernehmen und mit den libanesischen Behörden eine Auslieferung zu erörtern. Mit dem Libanon besteht kein Auslieferungsabkommen. Auf der Basis internationaler Vereinbarungen ist aber eine Auslieferung grundsätzlich möglich.

Der 20-jährige Jihad Hamad, der sich selbst gestellt haben soll, beteuert nach Angaben aus libanesischen Sicherheitskreisen seine Unschuld. »Ich bin ein unschuldiger Mann. Ich habe keine Angst«, soll er demnach erklärt haben, als er sich der Polizei in Tripoli stellte. Den Angaben zufolge hatte die libanesische Polizei auf einen Tipp der deutschen Sicherheitsbehörden hin vor einer Woche das Haus Hamads im Nordlibanon durchsucht. Hamads Vater, ein ehemaliger Armeesoldat, sei von der Polizei aufgefordert worden, seinen Sohn zur Aufgabe zu überreden. Der junge Mann sei dann auch von seinem Vater zu der Polizeiwache in Tripoli gebracht worden.

Kanzlerin Merkel äußerte sich erleichtert: »Es war klar, so lange der Mann nicht gefasst ist, hätte die Gefahr weiter bestanden.« Die Geheimdienste hätten sehr gute Arbeit geleistet, zudem habe es eine gute Kooperation »mit ausländischen Institutionen« gegeben. Zu der angestrebten Auslieferung sagte sie dem Nachrichtensender N24: »So, wie die Kooperation mit dem Libanon insgesamt funktioniert, habe ich keinen Zweifel, dass ein richtiger und guter Weg gefunden wird.« Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) lobte die Zusammenarbeit.

Nach Einschätzung von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) bedeutet die zweite Festnahme noch keine Entwarnung für Deutschland. »Die Bedrohung für unser Land ist damit nicht zu Ende.« Zu Konsequenzen aus den Ende Juli gescheiterten Anschlägen sagte Schäuble: »Wir müssen die präventiven Möglichkeiten stärken.« Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Debatte über eine Anti-Terror- Datei für Polizei und Geheimdienste nach der Sommerpause erfolgreich abgeschlossen wird.

Der jetzt festgenommene Libanese soll mit dem bereits in Untersuchungshaft sitzenden 21-jährigen Youssef Mohamad El Hajdib aus Kiel für zwei misslungene Bombenattentate auf Regionalzüge nach Hamm und Koblenz verantwortlich sein. »Der Beschuldigte steht im dringenden Verdacht, den "Bombentrolley" im Regionalzug RE 10121, der den Hauptbahnhof Köln um 12.51 Uhr verlassen hatte, deponiert zu haben«, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Die Bomben detonierten nur wegen eines technischen Fehlers nicht.

Der Verdächtige war am Donnerstag öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben und über Interpol international gesucht worden. Bei der Durchsuchung von Hamads Kölner Wohnung waren laut Bundesanwalt Rainer Griesbaum zwei Belege über den Kauf von Gasflaschen sowie Kabel und Klebeband gefunden worden. Noch sei unklar, ob es sich um jene Art von Gasflaschen handelt, die in den Regionalzügen explodieren sollten.

Den beiden mutmaßlichen Bombenlegern wird Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, vielfacher versuchter Mord und die versuchte Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen. Hamads mutmaßlicher Komplize sitzt nach dpa -Informationen derzeit in Berlin-Moabit in Untersuchungshaft. Er werde in der Außenstelle des Bundeskriminalamtes (BKA) verhört, berichtete auch die Bild .

Die politische Debatte über schärfere Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland wird unterdessen immer hitziger. Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz wies den Vorschlag von CDU/CSU-Vizefraktionschef Wolfgang Bosbach (CDU) zurück, einreisende Ausländer strenger zu kontrollieren. »Ich finde, dass die Sicherheitsdebatte viel zu hektisch abläuft, grobschlächtig, primitiv, ohne Sinn und Verstand«, sagte er dem Berliner Tagesspiegel . Merkel sagte zu der Debatte, hier müsse man »Maß und Mitte finden«. Zugleich betonte sie: »Ohne Videoüberwachung wären die Täter nicht überführt worden.« Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, rief dazu auf, nach den Fahndungserfolgen die Debatte zu versachlichen.

 
Leser-Kommentare
  1. Will auch nicht sagen, dass "ihr" es "euch" verdient habt. Aber so wie zu uns die Angst vor herrenlosen Koffern, so kommt zu "euch" die Angst vor dem Himmel (und dem, was daraus herunterkommt)... und dabei sind es "nur" ein paar Raketen und kein Feuersturm...

    Diese Art der Aufrechnung ist SINNLOS (und eigentlich sind mir die paar Israelis, die ich kenne, dafür auch zu sympathisch;-)).

  2. Was fuer hieb-und stichfeste Beweise haben Sie um zu beweisen dass alle Beschuldigungen gegen die sogenannten Bahn-Bombenleger unberechtigt sind?? Sie reden immer wieder vom Mangel an echten Beweisen dass Muslime hinter diesen versuchten Attentaten stecken,oder sind D A S etwa nur Ihre eignen Vermutungen?

  3. warum die 2 Tatausführer keine konspirativen Mindeststandards eingehalten haben, sondern Beweismittel zuhause hatten, warum sie bereits schon vor der Tat observiert wurden, warum eine Vorrichtung benutzt wurde die nicht funktionieren konnte, und warum sich der zweite Tatausführer in Libanon sich selbst gestellt hat , das alles birgt mehr Fragen als Anworten.

    Vielleicht kann der in Libanon nun freiwillig festgehaltene Jugendliche mehr Antworten liefern, das muss man abwarten.

  4. Fritzfernando Ihr Kommentar zeigt dass Sie offenbar an Verfolgungswahn leiden...Aber nachdem ich einen Artikel im gestrigen 'Spiegel'gelesen habe in dem die interviewten Muslime sich geschlossen aehnlich ausdrueckten verwundert es mich nicht.Muslime koennen einfach nicht akzeptieren dass es unter ihnen Menschen gibt die nicht den friedensliebenden Sinn des Islams ausleben sondern ihre Gesinnung gegen ihr Umfeld mit Attentaten ausdruecken- die Schuld dran wird dann den Protestanten in die Schuhe geschoben die sich gegen den Islam verschworen haben und einen Kreuzzug gegen Muslime fuehren.

  5. Was KB007 Verfolgungswahn nennt , ist Skepsis die beim Volk der willigen Vollstrecker zweifelos angebracht ist denn seit der Wiedervereinigung heist es wieder, wehe wenn sie losgelassen. Wäre ja erfreulich wenn es keine Gefahr eines neuen modernisierten Faschismus gäbe, nicht nur in Deutschland, doch die Anzeichen mehren sich, auch in der Rolle und Propaganda der Medien.

    • Avital
    • 24.08.2006 um 19:02 Uhr

    Will ja nicht sagen, dass ihr es euch verdient habt...Aber es ist schon amuesant, wie ihr Europaer auf Terrordrohung reagiert (dabei muss ich auch verzeichnen, dass von allen Europaern ihr Deutschen mir sowie den meisten Israelis zur Zeit am sympathischsten seid).

    Vielleicht werdet ihr euch endlich durch das Leben im Schatten des Terrors auch das typisch europaeische Heucheltum abgewoehnen, wonach ihr euch anscheinend gezwungen seht, Israel im Umgang mit blutruenstigen Moslems Moral zu predigen.

    Angst vor herrenlosen Koffern? Damit leben wir in Jerusalem seit Jahrzehnten.

    Mal sehen, welche "humanen" Methoden ihr findet, den islamischen Terror zu bekaempfen (und zu besiegen).

    I wish you the best of luck. Hoffentlich passiert das naechste muslimische Attentat nicht in Deutschland -- dafuer seid ihr uns, wie gesagt, trotz allem zu sympathisch.

  6. findet man ja in allen Presse Organen Artikel in denen hin und her geredet wird von wuetenden Muslimen,die ueber westliche Lebensart veraergert sind,die sich aus diesem oder anderen Gruenden beleidigt fuehlen - westliche Sitten stehen immer erster Stelle der Liste der Beleidigungen.Waehrend ich verstehen kann dass ein sehr religioeser Mensch so einiges was im Westen unter normal laeuft als Ungeheuerliches empfindet frage ich aber doch warum dann so viele Muslime sich danach draengen im unsittlichen und beleidigenden Europa studieren und leben wollen.Warum bleiben diese Leute nicht in ihrer Heimat oder machen ihr Studium in muslimischen Laendern wo sie keinen westlichen Unsitten ausgesetzt sind?? Es ist allerhoechste Zeit dass andere Kriterien eingesetzt werden fuer auslaendische Studenten die aus muslimischen Laendern ins Land kommen wollen um auf deutsche Hochschulen zu studieren ,meistens auch noch auf Kosten der deutschen Steuerzahler.Seltsam dass Geld von und Unglaeubigen akzeptabel ist waehrend unsere Sitten und Gebraeuche beleidigend sind fuer den religioesen Muslim.

  7. 5 Verdaechtige...so langsam kann man ein Muster erkennen.

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