China Pakt gegen Washington

China und Venezuela wollen ihre Energiekooperation ausbauen - zum großen Ärger der USA. Denn Peking braucht Öl für seine boomende Wirtschaft.

China und Venezuela haben am Donnerstagabend in Peking acht Abkommen zur Stärkung der bilateralen Zusammenarbeit unterzeichnet, davon zwei im Energiebereich. Demnach wird die führende chinesische Ölgesellschaft Petrochina vermehrt in die Entwicklung venezuelanischer Ölfelder investieren. Weitere Einzelheiten gab die staatliche chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zunächst nicht bekannt. China baut damit sein Engagement in der venezuelischen Ölindustrie aus und trotzt den Unkenrufen amerikanischen Politiker, die Chinas verstärkte Präsenz auf den Rohstoffmärkten Lateinamerikas immer lauter kritisieren.

Die Einigung beider Länder wurde am zweiten Tag eines sechstägigen Staatsbesuchs von Venezuelas Präsident Hugo Chavez in China erzielt. Chavez besucht das Reich der Mitte bereits zum vierten Mal. Ihm gefällt China als scheinbar anti-westliches Wirtschaftsmodell. „China ist ein Beispiel für westliche Führer und Regierungen, die den Kapitalismus als einzige Alternative betrachten“, sagte Chavez bei seiner Ankunft. Er pries China, die Zahl seiner armen Bevölkerung von 300 Millionen auf 30 Millionen Menschen reduziert zu haben und tat so, als hätte das nichts mit Kapitalismus zu tun.

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Chinas Führern ist diese vorgespielte ideologische Nähe zu dem Lateinamerikaner zwar fremd, schon weil ihnen nichts daran liegt, die US-Kritik weiter anzuheizen – dennoch empfingen sie Chavez auch diesmal mit offenen Armen. Denn sie wollen sein Öl. Derzeit exportiert Venezuela etwa 150 000 Barrel Öl pro Tag nach China, nur ein Zehntel dessen, was die USA aus dem Land beziehen. Nun verspricht Chavez - durchaus zum Ärger Washingtons -, die Exporte nach China auf 500 000 bis 1 Million Barrel pro Tag bis 2012 zu erhöhen.

Dieser Offerte kann Peking nicht widerstehen. Achtzehn Öltanker und zwölft neue Bohrstationen wollen die Chinesen deshalb für Venezuela bauen. Immer in der Hoffnung auf mehr Öl von Chavez.

Doch weiß Peking auch, dass kein Ölversprechen aus Lateinamerika sicher ist. Der ehemalige US-Vizeauaßenminister Robert Noriega hat bereits vor Chinas mit denen der USA unvereinbaren Interessen in Lateinamerika gewarnt. Umso mehr wiegelt die chinesische Presse ab: „Niemand ist Zielscheibe der chinesisch-venezuelanischen Energiezusammenarbeit“, kommentiert die Pekinger Volkszeitung in Richtung Washingtons.

 
Leser-Kommentare
  1. Immer diese "Schurkenstaaten"! Verkaufen die doch einfach Öl an einen Anderen (also nicht an das Land der Freiheit).

    Da hilft nur eins. Sofortiger Einsatz der Marine´s. Selbstverständlich zum Schutz amerikanischer Bürger und wegen der Bekämpfung des Terrors.

  2. einen anderen Schurkenstaat!

  3. zieht am Westen vorbei, an seinem Ethnotentrismus wie Chirac meinte. Jede unserer Ungerechtigkeiten erhöht die Zahl der Unzufriedenen um ein Vielfaches.
    Wir sind Opfer unser Selbst, ohne Moral siechen wir dahin bis zu dem Tag bis wirklich gar keiner mehr mit uns redet.
    Wueviel Unheil haben wir verteilt, nur weil wir den Gott mammon befriedigen wollten, weil wir unfähig waren zu verstehn was Jesus meinte als er die zwei Götter verglich.
    Ich bin Jahwé dein Gott, ich bin ein eifersüchtiger Gott.
    Nun wird der Salat mal zubereitet, bald wird er serviert!

  4. Ich stimme zu.

    Es wird Zeit für eine konspirative Aktion der CIA (natürlich erst nach dem die Sache mit Kuba erledigt ist).
    Freihandel ja, aber nach den Vorschriften der führenden Wirtschaftsmächte ... selbstverständlich.

    Und eine Anmerkung an die Zeit.
    Wenn Kapitalismus soviel mit der Senkung der Armut zu tun hat, warum hungern und verarmen dann immer noch Millionen???

    Ach so ich vergaß, weil das Heil des Kapitalismus noch nicht überall angekommen ist und noch nicht vollständig erkannt wurde, dass es keine Alternative gibt ... außer den Ausschluß aus der "Weltgemeinschaft".

    • spAm23
    • 25.08.2006 um 11:13 Uhr

    Mit zuverlässiger Gesetzmäßigkeit interpretieren die USA und China die internationalen Handelsbeziehungen als Nullsummenspiel - verbessert der eine seine Position, wird dies vom (vermeindlichen?) Gegenspieler als Verschlechterung der eigenen Möglichkeiten wahrgenommen. Und reagieren entsprechend nervös.
    Wie sehr in den USA die Angst vor einer neuen Supermacht - die China in 10, 20 Jahren ja womöglich sein wird - schon heute die Politik bestimmt und die Beziehungen dieser beiden Staaten belastet ist wirklich beängstigend.
    Muss das sein?

  5. der Kapitalismus ist tot, er weiss es nur noch nicht. Die Chinesen und der Rest der Aufstrebenden können Morgen mit einem Huiii die ganze Blase des Aufgeblasenen (ohne Gegenwert) einfach ins Jenseits befördern.
    Aber die Chinesen haben Zeit, der weisse Mann, immer nur dem schnellen Tripp erlegen befriedigt sich quick und ohne Rücksicht.
    Aber Frauen sind das ja gewöhnt, vom weissen Mann.

  6. Wer Freihandel will, der darf sich nicht darüber beklagen, dass immer häufiger neue Allianzen geschmiedet werden.

  7. Alle USA-Kritiker sollten mal schnell in den Sudan reisen, in eine Region namens Darfur und dann bei den Chinesen anklopfen, warum diese jede Resolution der UN torpedieren, damit der Genozid dort aufhört. Einfache Antwort: Sudan exportiert mehr als 80% seines Öls direkt nach China und deckt damit 10% des chinesichen Bedarfs. Aber natürlich, da die USA und GB jetzt eine Resolution zur Entsendung von 17000 Soldaten einbringen, tun sie dies nur aus einem Grund: Öl. Nicht vielleicht, weil da schon 200000 Leute gestorben sind, nein, wie komme ich nur darauf. Stützen sie sich weiter nur auf die Hoffnung, dass die Chinesen zur Weltmacht aufsteigen, die werden es garantiert besser machen und für Menschen- und Völkerrecht eintreten. Um Gottes Willen, wie naiv und engstirnig kann man nur sein.

    Zum Thema Wirtschaft: Sicherlich haben die USA Angst, dass China zu einer Weltmacht wird, aber es sollte nicht vergessen werden, dass die amerikanische und chinesische Wirtschaft fast schon symbiotisch verknüpft sind, also die USA bei einem anhaltenden chinesichen Wirtschaftswachstum sehr stark profitieren, mehr als die Europäer.

    Zum Thema Kapitalismus: Ja, der Kapitalismus ist der Garant für Entwicklungen, so paradox es klingen mag. China ist da noch das beste Beispiel. China ist weit davon entfernt kommunistisch oder sozialistisch zu sein. Viele der Strukturen haben mehr als nur einen kapitalistischen Touch. Immerhin ist China nur deshalb so interessant, weil es aus kapitalistischen Beweggründen (sehr viele Leute, grosser Markt, viel Gewinn) einen Magneten für die heutige Weltwirtschaft darstellt, also können sie sich nicht beschweren.

    Ich finde es generell schon fast blanker Hohn, dass einige Leute darauf hoffen, dass China, Chavez (populistischer Militär), Castro und Putin das Heil über die Welt bringen können.

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