Koalition "Die Richtung stimmt"
Kanzlerin Merkel und ihr Vize Müntefering wollen die geplanten Reformen auch gegen Widerstände durchsetzen. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mühten sie sich, das Bild der Großen Koalition schön zu malen
»Die Richtung stimmt in unserer Regierungsarbeit«, sagte Merkel (CDU) in Berlin. Die Weichen seien richtig gestellt und die »Wende zum Besseren« eingeleitet. Merkel räumte jedoch ein, dass es keine breite Zustimmung in der
Bevölkerung zum Reformkurs der Koalition gibt. »Das Vertrauen der
Menschen in die politische Arbeit ist verbesserungswürdig«, räumte sie
selbstkritisch ein. Es gebe ein »hohes Maß an Skepsis« und »viele
Enttäuschungen«.
Dies sei vor allem auf die »Reihe harter Maßnahmen« in
den vergangenen neun Monaten zurückzuführen. Dazu gehöre der Abbau von
Steuervergünstigungen, die Erhöhung der Mehrwertsteuer oder die Rente
mit 67. Die Regierung müsse jetzt couragiert daran gehen, angesichts
der positiven Entwicklungen in der Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt
das Vertrauen der Bürger in einen langfristigen Aufschwung zu stärken.
Auch Arbeitsminister Müntefering lobte das »gute Klima« in der
Regierung. Die bisherige Arbeit könne sich sehen lassen, auch wenn
»mehr möglich« gewesen wäre. Gelegentliches »Kebbeln und Streiten«
gehörten zu einer solchen Zusammenarbeit dazu. Keine Seite habe jedoch
»die Wahrheit gepachtet«, mahnte er.
Merkel kündigte an, mögliche Mehreinnahmen für den Staat in diesem Jahr
sollten vor allem für den Schuldenabbau genutzt werden. Die
veranschlagte Nettokreditaufnahme von mehr als 38 Milliarden Euro sei
die höchste seit 1949. Von einer Senkung werde auch die Bevölkerung
etwa durch geringere Zinszahlungen profitieren.
Müntefering bekräftigte seine Vorbehalte dagegen, den voraussichtlichen
Rekordüberschuss bei der Bundesanstalt für Arbeit für stärkere
Beitragssenkungen zu verwenden. Angesichts der längerfristig ungewissen
Kassenlage dürften nicht »vorschnell« Gelder für andere Zwecke verteilt
werden.
Eine Fortsetzung der Koalition über 2009 hinaus ließ Müntefering offen. Dies
hänge vom Wahlergebnis ab: »Über mehr kann man nicht reden und muss man
auch nicht reden.« Grundlage der Regierungsarbeit bleibe der
Koalitionsvertrag, betonten Müntefering und Merkel.
- Datum 29.08.2006 - 07:19 Uhr
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