Presseschau Ein Lichtblick, keine Entwarnung
Nach der Festnahme des zweiten mutmaßlichen Kofferbombers gibt es endlich mal wieder ein bisschen Lob für den BND. Katharina Schuler kommentiert das aktuelle Meinungsbild
So viele Streicheleinheiten hat der Bundesnachrichtendienst (BND) lange nicht mehr bekommen. „Exzellent“, „professionell“, „respekteinflößend“, die deutschen Zeitungen sparen nicht mit Lob für den Fahndungserfolg im Fall der beiden islamistischen Kofferbomber, die in deutschen Zügen einen Anschlag verüben wollten. „Den deutschen Terrorismusfahndern kann man zu ihren raschen Erfolgen bei der Aufklärung der gescheiterten Kofferbomben-Anschläge nur gratulieren“, heißt es etwa in der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung
(FAZ)
. „Die Sicherheitsbehörden haben gute Arbeit geleistet“, schreibt
Die Welt
.
Gelobt wird aber nicht nur die Arbeit der deutschen Geheimdienstler, sondern vor allem ihre gute Zusammenarbeit mit den libanesischen Kollegen. Aus dem aktuellen Fall könne man vor allen Dingen lernen, dass Technik alleine noch keine effektive Terroristenverfolgung ausmache, so die
FAZ
. Jede Apparatur sei vielmehr nur so gut „wie die Leute, die damit umgehen müssen – und wie die Beziehungen, die sie untereinander pflegen dürfen.“ Und auch
Die Welt
glaubt: „Vor allem hat sich einmal mehr die enge Zusammenarbeit mit ausländischen Diensten, diesmal mit denen im Libanon, ausgezahlt.“
Diesmal mit dem Libanon? Da hört man die Nachtigall allerdings sehr laut trapsen. Wir erinnern uns: Zuletzt war der BND auch wegen seiner Kooperationen in die Kritik geraten, mit dem amerikanischen Geheimdienst während des Irak-Krieges in Bagdad oder wegen des Verhörs von Gefangenen in syrischen Gefängnissen oder in Guantánamo. Alles kein Problem, wenn es der Terroristenfahndung dient? Der BND wird dieses Argument in Zukunft sicherlich dankbar aufgreifen.
Doch wie die Libanesen an ihre Informationen kommen, das interessiert die meisten nicht. Die
Neue Osnabrücker Zeitung
sieht die dortige Regierung durch den Fahndungserfolg sogar in umfassender Weise gerechtfertigt. „Auch der Libanon profitiert davon [von den Festnahmen] in Form internationalen Respekts. Sein Geheimdienst hat bewiesen, wie ernst es Beirut mit dem Kampf gegen den Terror meint.“ Ja, man geht sogar noch weiter: Nun sei klar, dass es sich lohne, die staatliche Autorität im Libanon zu stärken. „Das könnte weitere Nationen ermuntern, sich mit eigenen Soldaten an dem riskanten UN-Einsatz zu beteiligen.“ Eine Schlussfolgerung, die angesichts des bisher äußerst zögerlichen Verlaufs der Truppenaufstellung dann doch recht unrealistisch erscheint.
Nur die
Mitteldeutsche Zeitung
stimmt nicht in diese allgemeine Kooperations-Euphorie ein. Sie erlaubt sich trotz des Erfolgs einen kritischen Blick auf den libanesischen Geheimdienst. Dessen „Umtriebigkeit“ steht zwar auch für sie nicht in Frage, doch die Zeitung merkt an: „Es ist kaum vorstellbar, dass sich dieser libanesische Militärgeheimdienst von hohen ethischen Motiven im Kampf gegen den Terror leiten lässt und deshalb so eng mit deutschen Stellen kooperiert. Vielmehr „riecht der Fall nach einem Geben und Nehmen innerhalb der Geheimdienste“. Auch in Zukunft sollte also die Frage erlaubt bleiben, mit wem man so kooperiert, selbst wenn man es erfolgreich tut.
Doch nicht nur die Festnahme der beiden Verdächtigen führt zu einem gewissen Aufatmen im deutschen Blätterwald. Denn nachdem man von den beiden nun etwas mehr weiß, scheint das erste Bedrohungsszenario, dass es nämlich in Deutschland eine professionell operierende terroristische Szene gäbe, doch nicht mehr ganz so wahrscheinlich. Dass der zweite potenzielle Täter sich im Libanon selbst der Polizei gestellt habe, „spricht nicht dafür, dass hinter ihm eine machtvolle Terrorgruppe oder auch nur Unterstützerszene steckt. Das spricht auch nicht dafür, dass es sich um einen sehr hartgesottenen Überzeugungstäter handelt“, befindet die
Stuttgarter Zeitung
. Und die
Ostsee-Zeitung
schreibt: „Die beiden jungen Libanesen handelten zweifellos mit hoher krimineller Energie. Aber sie erweisen sich auch als eher amateurhafte Möchtegern-Mörder in einem Beinahe-Anschlag, in dem ein Kinderwecker als Zünder versagte.“
- Datum 25.08.2006 - 14:48 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 25.8.2006
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keine Fehler gemacht...haette ich den Leute garnicht zu getraut.
Der BND hat ja wie andere Auslandgeheimdienste auch seit dem Ende des Kommunismus ein starkes Rechtfertigungsproblem; insofern kann ihm die Bedrohung durch den Islamismus nur recht sein, selbst wenn der deutsche Auslandsgeheimdienst im Vergleich zu dem der wirklich gefährdeten Nationen wohl eher eine Statistenrolle in der Bekämpfung dieser Terrorgruppen spielen dürfte. Auch in diesem Fall scheint es denn weniger der BND gewesen zu sein, der hier irgend etwas aufgeklärt oder verhindert hätte, als vielmehr der Dilettantismus der sogenannten Teroristen und die so bewährte deutsche "Scheckbuckspionage". Natürlich ist der BND nicht sinnlos, international bedeutungslos ist er aber schon. Was den islamischen Terror selbst anbelangt, so kann man im übrigen grundsätzliche Zweifel hegen an der Realität dieses Gespenstes. Von Ben Laden hat man doch in der Tat schon lange nichts mehr gesehen, wahrscheinlich haben ihn die Amerikaner schon längst "liquidiert", und ausser dem schlimmen Attentat in Madrid und London, die relativ schnell aufgeklärt wurden,ist der Westen bis heute erstaunlich von Attentaten verschont geblieben und keineswegs in seinen demokratisch-kapitalistischen Grundfesten erschüttert worden. Insgesamt drängt sich einem immer stärker der Eindruck auf, dass der islamische Terrorismus künstlich hochgespielt wird, ähnlich wie in den 70er Jahren etwa der Linksterrorismus, um bestimte politische Ziele auf internationaler und nationaler Ebene durchzusetzen. Und um zurück zum BND zu kommen: er spielt wohl eher die Rolle eines Feigenblattes zur Unterstreichung der vermeintlichen Bedrohung, als ein wirkliches aktives Machtinstrument zur Abwehr ausländischer Bedrohungen.
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