Lebensversicherung Zweite Hand zahlt mehr

Jeden Monat lösen fast 100.000 Menschen vorzeitig ihre Lebensversicherung auf. Ein besseres Geschäft kann der Verkauf des Vertrags an einen Second-Hand-Anbieter sein

Arbeitslosigkeit, Krankheit, Scheidung: Es gibt zahlreiche Gründe, warum Menschen sich entschließen, ihre Lebensversicherung zu kündigen. Die monatlichen Beiträge erhöhen die Fixkosten - und auf dem Konto ist schon Ebbe, das Geld wird dringend anderweitig gebraucht.

Weil sie sich es nicht mehr leisten können, kündigen jeden Monat rund 100.000 Menschen in Deutschland ihre Lebensversicherungspolicen. Davon profitieren in erster Linie die Versicherungen, die die Verträge zurücknehmen. Denn der Rückkaufswert der Policen ist zumindest in den ersten Jahren gleich Null.

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Auch Marion Sommer* hat diese Erfahrung gemacht: Die 37-jährige hatte eine kleine Schneiderei in Köln, die Geschäfte liefen nicht gut. Dann eröffnete in der Nähe ein größerer Reinigungsservice, Näharbeiten inklusive. Sommer machte ihr Geschäft dicht und beantragte Sozialhilfe, weil die Schulden drückten. Die Lebensversicherung, die die Selbstständige für ihre Altersvorsorge abgeschlossen hatte, hätte sie jedoch zunächst kündigen müssen, um mit dem Rückkaufswert ihr Konto auszugleichen. "Vom Sozialamt erfuhr ich aber auch von der Möglichkeit, die Versicherung weiterzuverkaufen. Damit zumindest ein bisschen was vom Gesparten auch für mich übrig bleibt", erzählt Sommer.

In der Tat kann der so genannte Zweitmarkt für Versicherungen ein Ausweg sein. Die Unternehmen, die Lebensversicherungen auf diesem Markt erwerben, führen den Vertrag bis zum Ende der Laufzeit, zahlen die vereinbarten Prämien und kassieren selbst nach Ablauf des Vertrags die Auszahlungssumme. "Für den Versicherten ist es allemal besser, seine Versicherung dort zu verkaufen als sie zu kündigen", sagt Lilo Blunck, Geschäftsführerin des Bunds der Versicherten. Grund dafür ist der vor allem in den ersten Jahren der Laufzeit nur geringe Rückkaufswert, den die Lebensversicherungen bei einer Kündigung erstatten: "Die Provision für den Vermittler in Höhe von mindestens 4 Prozent der gesamten Versicherungssumme wird erst einmal von den Beiträgen abgezogen. Zusätzlich kassieren die Unternehmen oft ungerechtfertigt Stornogebühren", erläutert Blunck. So kann es sein, dass bei einer Kündigung und einem Rückkauf der Police durch die eigene Versicherung manchmal nicht einmal die eingezahlten Beiträge komplett zurückerstattet werden.

Anders ist das beim Weiterverkauf: Unternehmen wie Cash Life, Partner in Life oder Life-Services können den Versicherten mehr zahlen als den Rückkaufswert. Denn sie verdienen an der Überschussbeteiligung, die am Ende der Vertragslaufzeit ausgezahlt wird. Zudem bleibt der Todesfallschutz häufig erhalten.

In der Theorie ist das Vorgehen recht einfach: Der Versicherte reicht eine Kopie seiner Police beim Ankäufer ein und füllt einen Fragebogen aus. Dann prüft das Unternehmen den Vertrag und macht ein Angebot. Dass das Ganze sich in der Praxis aber durchaus nicht so unproblematisch gestaltet, hat Marion Sommer selbst erfahren müssen: "Ich hatte das Gefühl, dass die Versicherung das nicht wollte und nur rumgemäkelt hat, wie ungünstig das alles wäre."

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