Sonny Crockett und Ricardo Tubbs führen ihre Knarren und ihre Anzüge vor der Skyline Miamis spazieren© Universal Pictures BILD Die achtziger Jahre fanden in Miami statt. Dort pulsierte die Zeit wie elektronische Bongos. Von dort färbte Miami Vice die Welt glamourös und grell neu ein, überstrahlte sie eine dreiviertel Stunde lang wie ein Regenbogen: Hellblaue Wände mit grellgrünem Muster, blütenweiße Lamborghinis, rosa Flamingos und ein Cop, der neben Weiß und Schwarz immer mindestens einen Pastellton tragen musste.

Der Cop Sonny Crockett, gespielt von Don Johnson, sprengte den bis dahin gültigen Charakter eines Serienhelden: Ex-Footballstar, Vietnamveteran, geschieden mit einem Sohn, ein machohafter Frauenheld mit großem Herz, innerlich zerrissen, letztlich ein cholerischer Spieler, der die Gefahr zum Existieren brauchte. Ohne seine Wutanfälle war keine Folge zu überstehen, seine Hände gehörten einfach an den Kragen des Verhörten, seine wütende Faust auf den Tisch und immer schrie er dazu „Ver-dammt!“ Er war der amerikanische Vorreiter des Schimanski – ähnlich aufbrausend, aber charmanter, lässiger. Ein Cowboy, trinkend und rauchend, der an die Ziele seiner Arbeit glaubt, sie dennoch trotz aller Aufopferung nicht erreichen kann.

Auch Crocketts Abteilung schillerte schrill. Sein Partner war der etwas überdrehte afroamerikanische New Yorker Ricardo Tubbs, den Miami eine verbitterte Miene lehren sollte. Er trug nicht wie sein Partner pastellfarbene Sakkos, sondern graublaue Anzüge von Armani. Tubbs war das bremsende Element des Gespanns, wenn in Crockett wieder einmal der Furor losbrach.

Switek und Zito, das Abhör- und Verstärkungsteam, lieferten dazu die Zoten und den Trash: Sie trugen Hawaiihemden und fuhren einen rosagrünen Van mit einem drei Meter großen Plastikinsekt auf dem Dach. Die Frauen, Gina und Trudy, ermittelten meist undercover auf dem Strich – falsche Nutten im Achtziger-Jahre-Look. Sie kämpften gegen die Unterdrückung ihres Geschlechts und brachten eine Spur Feminismus in die Serie, auch wenn sie sich nur allzu klischeehaft nachts gerne mit den gutaussehenden Kollegen vergnügten.

Den Kontrast zu diesem ausgeflippten Team von Miami Vice bot Castillo, der Lieutenant, den Edward James Olmos spielte. In seinem schwarzen Anzug und mit dem vernarbten Gesicht ähnelte er einem Leichenbestatter. Seine Mimik wirkte wie festgefroren; wenn er etwas sagte, brummte er nur die nötigsten Weisungen.

Ergänzt wurde dieses Ensemble durch zugedröhnte Informanten und exzentrische Drogenbosse. Miami, eine Stadt der Freaks. In ihr herrschte eine Stimmung von „Anything goes“. Hier hatten die Lateinamerikaner erstmals ihren großen Auftritt auf der amerikanischen Bühne, als Darsteller des internationalen Drogenhandels. Bevor Miami nur noch als Rentnerparadies vor sich hin dümpelte, lagen hier Luxus und Gewalt nah beieinander.