Umfrage Bush verliert

Was denken Amerikaner und Europäer über den US-Präsidenten, den Islam, über die Nato und über einen Krieg gegen Iran? Gero von Randow analysiert die neuesten Umfragewerte.

Der amerikanische Präsident Bush ruiniert das Ansehen seines Landes in Europa; die Befürwortung der NATO in den europäischen Bevölkerungen erodiert; der Atomstreit mit Iran ruft auf beiden Seiten des Atlantiks größere Besorgnis hervor als die Instabilität im Irak – so große, dass im Falle des Versagens der Diplomatie eine knappe Mehrheit in den USA und immerhin eine knappe Minderheit in Europa militärische Gegenmittel befürwortet. Diese und weitere Ergebnisse finden sich in der am Mittwoch vom German Marshall Fund (GMF) veröffentlichten Studie „Transatlantic Trends 2006“.

Jahr für Jahr befragen mehrere wissenschaftliche Institute im Auftrag des GMF amerikanische und europäische Bürger, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Meinungslage auszuloten. Dies ist jetzt die fünfte Befragung, durchgeführt vom 5.6. bis zum 24.6.2006; es nahmen pro Land rund 1000 Bürger daran teil.

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Erstmals seit 2002 lehnten dieser Umfrage zufolge die Amerikaner mehrheitlich (zu 58 Prozent) die Außenpolitik ihres Präsidenten ab. In Europa sind es 79 Prozent; am schlechtesten schneidet Bush mit jeweils 85-prozentiger Ablehnung in Frankreich, Spanien und Deutschland ab.

Die sinkende Kurve der europäischen Zustimmung geht säuberlich einher mit der abnehmenden Befürwortung einer Führungsrolle der USA in internationalen Angelegenheiten. In Deutschland hatten sich 2002 noch 68 Prozent der Befragten für eine solche Rolle ausgesprochen, jetzt sind es bloß noch 43 Prozent. Eine knappe Mehrheit der Europäer (und 56 Prozent der Deutschen) sprechen sich für eine von den Vereinigten Staaten unabhängigere Sicherheitspolitik der EU aus, während ausgerechnet in NATO-treuen Ländern wie Italien, Deutschland, Polen und der Türkei die Unterstützung des Bündnisses signifikant zurückgeht. Die Türkei ist ohnehin erwähnenswert, sie droht geradezu aus dem westlichen Konsens herauszufallen und entfremdet sich der EU und der NATO zusehends.

Etwa die Hälfte der Europäer ist dafür, dass die EU ihre militärische Macht ausbaut, um mehr Einfluss in der Weltpolitik zu gewinnen. Und 30 Prozent der US-Bürger wollen, dass die EU eine starke Rolle in der internationalen Politik spielt, ein Wert, der über die Jahre einigermaßen konstant geblieben ist. Vorherrschend bleibt auf beiden Seiten der Wunsch, die transatlantischen Partner mögen zusammenarbeiten.

Der GMF fragte auch nach dem „Erwerb von Atomwaffen durch den Iran“. Darin sähen drei Viertel der Amerikaner und 58 Prozent der Europäer eine „extrem wichtige“ Bedrohung, das gilt namentlich für die Deutschen. Die Frage ist freilich problematisch formuliert, denn sie gibt nicht preis, ob die Tatsache, die Möglichkeit oder ein Szenario des Atomwaffenerwerbs gemeint ist. Im Fall Iran bekennt sich jedenfalls der größte Teil der Antwortenden in den USA zu wirtschaftlichen Sanktionen (36 Prozent), die Europäer wiederum favorisieren mit einer relativen Mehrheit von 46 Prozent wirtschaftliche Anreize.

Aber was, wenn die Diplomatie versagt? Das ist die Machtfrage; 53 Prozent der Amerikaner sehen dann militärische Mittel als die beste Antwort an, und immerhin 45 Prozent der Europäer (bemerkenswerte 40 Prozent der Deutschen) – darunter stolze 54 Prozent der Franzosen. Eine Atommacht Iran würden indessen 35 Prozent der Amerikaner, 38 Prozent der Europäer und erstaunliche 56 Prozent der Türken akzeptieren, um einen Krieg zu vermeiden. Und wer kann mit dem iranischen Problem am besten umgehen? Die Vereinten Nationen, das ist die verbreitetste Meinung, auch in den USA, wo eine relative Mehrheit von 36 Prozent dies glaubt.

Manche der Ergebnisse weichen nur unwesentlich hüben und drüben voneinander ab. Doch darunter liegen sehr unterschiedliche Weltsichten. So stimmten der Ansicht, unter bestimmten Bedingungen sei ein Krieg notwendig, um Gerechtigkeit zu erlangen, 78 Prozent der Amerikaner zu und nur 35 Prozent der Europäer (und bloß 26 Prozent der Deutschen, obwohl gerade sie es besser wissen müssten).

Doch mitnichten bilden die Amerikaner einen Meinungsblock. Gewaltig sind die Differenzen zwischen den Anhängern der Republikaner und der Demokraten, die im Spätherbst in den Zwischenwahlen miteinander konkurrieren werden. Sollen sich die Vereinigten Staaten für die weltweite Verbreitung der Demokratie stark machen? Nur 35 Prozent derjenigen, die sich den Demokraten zugehörig fühlen, bejahen diese Frage – doch 64 Prozent der republikanischen Wähler. Und auf die Frage, ob diese Mission unter Umständen auch mit militärischer Gewalt erfüllt werden soll, waren es 28 respektive 54 Prozent. Das ist eklatant.

Nun sollte man sicherlich nicht zu viel in ein solches Ergebnis hereinlesen, aber dass es unter den Demokraten eine isolationistische Tendenz gibt, ist gut belegt, und ebenfalls, dass bellizistische Vorstellungen über die amerikanische Rolle in der Welt unter den Republikanern existieren. Diese (und andere) Grundströmungen der amerikanischen Politik sind in der Geschichte schon unterschiedlich stark gewesen, doch es mag sein, dass die „Friedensdemokraten“ immer noch unter der Bürde leiden, mit eben dieser Position gegen Ende des amerikanischen Bürgerkriegs vor rund 140 Jahren die Sache der Confederates betrieben zu haben. Wem dies zu weit hergeholt erscheint, der kann immer noch über den Machismo in der US-Politik nachdenken, der von den Republikanern bei Gelegenheit mobilisiert wird, indem sie den Demokraten vorwerfen, „soft on terror“ zu sein.

Dass die gegen Bush gerichtete Position derzeit mehrheitsfähig in den USA ist, sollte im Übrigen diejenigen, die einen Krieg gegen Iran befürchten, nicht allzu optimistisch stimmen. Solange Bush Präsident ist, können ihn auch demokratische Mehrheiten, die in den kommenden Zwischenwahlen entstehen mögen, nicht davon abhalten, seinen eigenen Weg in die Geschichtsbücher einzuschlagen, denn Amerika hat nun einmal ein Präsidialsystem.

Die GMF-Studie bietet noch einiges mehr, worüber das Nachdenken sich lohnt. Etwa, dass immerhin ein knappes Drittel sowohl in den USA als auch in Europa meint, nicht bestimmte Strömungen des Islams sondern diese Religion als Ganze sei das Problem. Oder, dass mittlerweile auch in Amerika eine satte 80-Prozent-Mehrheit glaubt, der Klimawandel stelle bereits in der kommenden Dekade eine „wichtige Bedrohung“ dar. Alles in allem sind die Meinungsverhältnisse hüben und drüben so unterschiedlich nicht; doch die Unterschiede, auf die der GMF hinweist, betreffen immerhin existenzielle Fragen von Krieg und Frieden – vor allem im Fall Iran.

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Leser-Kommentare
  1. Zitieren wir mal:

    "Aber was, wenn die Diplomatie versagt? Das ist die Machtfrage; 53 Prozent der Amerikaner sehen dann militärische Mittel als die beste Antwort an, und immerhin 45 Prozent der Europäer."

    Dieses Umfrageergebnis korreliert mit der Feststellung, dass

    "Etwa, immerhin ein knappes Drittel sowohl in den USA als auch in Europa meint, nicht bestimmte Strömungen des Islams sondern diese Religion als Ganze sei das Problem."

    Dem Ganzen ist eine berauschende, noch anhaltende, Propagandaanstrengung der USA vorausgegangen, welche letzendlich von so gut wie allen möglichen westlichen Publikationen quasi mitgetragen wurde.

    Lassen wir mal das leidige Islam Thema aussen vor und betrachten die Iran-Frage.

    Am Beginn stand ja die Bemerkung von der "Achse des Bösen" (Irak, Iran, N.Korea) in GW Bushs erster Rede zur Lage der nation ("State of the Union Address").

    Am einfachsten erwies sich dabei eine Aktion gegen Irak. Im Vergleich dazu sind Handlungen gegen Iran sehr schwierig und im Falle Nordkoreas technisch gar so schwierig dass sich hier militärisches handeln praktisch verbietet.

    Gegen Irak wurde gehandelt, unter der Prämisse "Massenvernichtungswaffen" ausschalten zu müssen. Dass es diese nie gab muss jedem klar gewesen sein der den "Phony War" mitverfolgt hat.

    Da es kein effektives Material gab wurden selbst offensichtlichst getürkte Geheimdiensberichte in den Umlauf gebracht. Hier sprechen wir mal nur kurz zwei ganz aufdringliche Dinge an:

    1. Der "versuchte Einkauf von Atombombenbaumaterial" in Nigeria.

    2. Der versuchte Verkauf eines 10 Jahre alten Beitrages auf einer Webseite als neue Erkenntnisse des Britischen Geheimdienstes.

    Idiotischen rein propagandistischen Ultra-Unsinn wie Tony Blairs vor dem Britischen Unterhaus geäusserte "Irak kann binnen 15 Minuten mit Massenvernichtungswaffen zuschlagen", missachten wir mal und schütteln noch einmal verächtlich den Kopf.

    Tatsache ist, dass für keine der vielen klarsten "Geheimdienst Fehlleistungen" Köpfe gerollt sind - in der Tat kein einziger. Es sind schon viele hohe Beamte über kleinere Dinge gestolpert als in einer Frage von Krieg und Frieden unzuverlässigstes Material, oder gar offensichtliche Fälschungten und Plagiate als Fahndungserfolg eingereicht zu haben. Im Gegenteil hier: in den USA wurde sogar die Ehefrau des Diplomaten der die "Nigerianische Affäre" entlarvte, vom Weissen Haus als CIA Offizierin enttarnt.

    Damit ist hinreichend klargestellt, dass eine angebliche Existenz vom Massenvernichtungswaffen als Kriegsgrund ausfällt, wenngleich noch viele weitere Details angeführt werden könnten.

    Was war nun dann der Grund für den Irak-Krieg? Die freudige Überbringunmg der Frohbotschaft von Demokratie und Menschenrechten? Wer das glaubt darf selig werden.

    Kampf um's Öl scheint die nächste plausible Erklärung zu sein. Hier gilt aber ein anderes Prinzip: in einen Krieg geht man grundsätzlich nur dann, wenn es das Kriegsziel nicht günstiger zu Kaufen gibt. Das lässt sich hier aber ausschliessen. Der Krieg kostete runde 200-300 Mrd. US-Dollar, zusätzlich ging der Ölpreis scharf aufwärts.

    Auch Gedankenspiele hier mittel- bis langfristige Vorteile zu finden fällt äusserst schwer. Es ist in der Tat so schwer, dass hierzu keinerlei Studien auffindbar sind die in diese Richtung weisen. Derartige Thesen gäbe es zu Hauf, wenn man darüber halbwegs schlüssig Argumentieren könnte.

    Jetzt unterbrechen wir mal diese Reise und gehen zurück zum traumatischen "9/11" - natürlich nicht "9/11" 1973 als in Chile der demokratisch gewählte Allende mit Hilfe des CIA gestürzt wurde, was eventuell ca. 3000 Menschen das Leben kostete, sondern selbstverständlich "9/11" 2001, dem Anschlag auf das World Trade Center, welcher eine ähnliche Opferbilanz aufzuweisen hat.

    Längst vergessen: kurz nach dem Anschlag gab es einen Terroristen der in den USA Briefe mit anthraxhaltigem weissen Pulver verschickte, was ca. 10 Menschen das Leben kostete. Der Terrorist wurde offiziell nie gefasst. Es scheint klar zu sein, dass sich das ganze um eine inneramerikanische Angelegenheit handelte - der Rest ist Spekulation.

    Tatsache ist, das kurz danach von der US Regierung Massnahmen zum Kampf gegen potentiellen Bio-Terrorismus ergriffen wurden. Allerdings wurden in diesem Fall nicht grosse Impfstoffvorräte gegen Anthrax angelegt, was eine gewisse Logik gehabt hätte - selbst dem Irak wurden von den USA ja einmal Anthrax-Kulturen zur Verfügung gestellt.

    Nein, es wurden Pocken-Impfstoffvorräte aufgebaut. es ist hierbei zu bemerken, das geringste Mengen von Pockenviren nur noch tiefgekühlt in den USA und Russland bekannt sind.

    Die Massnahme kostete einige 100m US-Dollar, vielleicht sogar einen Milliardenbetrag. Der einzige Effekt, dieser unter rationalen Bezugspunkten widersinnigen Aktion war, dass neben einem enormen Verwaltungsaufwand auf diese Weise der pharmazeutischen Industrie grosse Aufträge zugeführt wurden. Die Pharmaindustrie ist einer der Hauptsponsoren von GW Bush und seinen republikanischen Parteigängern.

    Nun zurück zum Irak-Krieg. Dass die angeführten offiziellen, und ggf. vermuteten Gründe für den diesen Krieg keine Rolle spielten sollte klar sein. Selbst eine Bedrohung der Sicherheit Israels kann ausgeschlossen werden. Der "Koalition" der Krieger war die militärische Lage im Irak bestens bekannt, schliesslich wurde das Land ja im Rahmen der Erzwingung der, von keinerlei internationalem Recht abgedeckten, Flugverbotszone bestens bekannt. Das Land wurde laufend überflogen. Letztendlich wurden auch noch - vor Beginn des Irak Krieges - die letzten halbwegs bedrohlichen Waffen Iraks, Mittelstreckenraketen, welche die nach dem ersten Golfkrieg ermittelte Höchstreichweite (ca. 200-300km) um bis zu rund 10% überschreitenm konnten, vernichtet.

    Tatsache ist, dass der Krieg grosszügiste Kapitaltransfers zu mit GW Bush und seinen persönlichen Verbündeten Assozierten ermöglichte. An dieser Stelle muss auch noch einmal erwähnt werden, dass Firmen grundsätzlich gewinnorientiert sind, was ja per se nicht schlecht ist. Nur, als Folge dessen muss auch grundsätzlich anerkannt werden, dass politische "Spenden" daher ebenso grundsätzlich mit der Erwartung auf Verzinsung gegeben werden: "return on investment". Ein idealistisch gesinnter Grosskonzern muss per Definition eine Fiktion bleiben.

    Ein weiterer Umstand ist, dass US Wahlkämpfe heutzutage Milliardensummen verschlingen, welche sich auch wiederum für die Investoren amortisieren müssen. Ich erspare mir, hier im Detail zu spekulieren wie im einzelnen diese Milliardensummen, nebst Risikoverzinsung, halbwegs elegant transferierbar sind. Nur so viel: Militär- und Pharma eignen sich besonders gut, da relativ schwierig kontrollierbar und keine lange Planungszeit wie bei Brücken und Strassen, etc.

    Das Problem bei der Kosten-Nutzen-Rechnung eines Irak-Krieges muss zwangsläufig erhöhte Ölpreise einschliessen, welche volkswirtschaftlich schwerwiegende Auswirkungen haben können, insbesondere bei einem Land wie die USA, das weiland kurz vor dem Abgrund einer Rezession stand. Nun, da gibt es Gegenrechnungen: die Kriegsinvestitionen (Bomben, Munition, etc.) als solche haben einen gegenläufigen Effekt. Das ganze konnte ganz normal per Staatsdefizit finanziert werden.

    Natürlich muss aber auch mal analysiert werden, wem erhöhte Ölpreise nützen: nun, da sind die Saudis, die Venezolaner, und damit indirekt auch die Kubaner. Direkt bringt das aber auch Vorteile für alle die Öl fördern, respektive Anteile an Ölfeldern und -Exploration haben; womit wir mal wieder beim engsten Dunstkreis der Familie Bush und Freunde sind.

    Die kriegsverbundenen, teils höchst widersinnigen, Kapitaltransfers zu Kellog & Brown, Bechtel, etc sind bestens bekannt. Im Anschluss an "9/11" wurde übrigens auch Koloss "Homeland Security" Ministerium gegründet, welches grosse Teile seines Verantwortungsbereiches im Rahmen des "schlanken Staates" outsourct: natürlich vornehmlich zu den üblichen Verdächtigen.

    Nun betrachten wir mal ganz emotionsfrei die Iranfrage. Iran hat im Laufe des letzten Jahrhundert niemanden angegriffen. Im Gegenteil, die Iraner selbst wurden erst vor rund 20 Jahren durch die USA, respektive deren damaligen Vertreter Irak attackiert, was rund einer Million Iraner das Leben kostete.

    Die Iraner würden nach "vorherrschender Meinung" (bleibt immer abzuwägen ob die nun wohlfundiert, oder vornehmlich propagandistisch ist) in ca. fünf Jahren mal dazu in der Lage sein ein bis zwei Nuklearwaffen pro Jahr zu bauen. Nach der selben "vorherrschenden Meinung" ist innerhalb ca. der nächsten zwölf Monate der Zeitpunkt erreicht, in welchem die Fähigkeit Iraks künftig Atomwaffen zu bauen nicht mehr unterbunden werden kann. Die Logik dieses Konstruktes mal ausser Acht lassend, stelle ich fest, dass, wenn daraus ein Handlungsbedarf entsteht, dies noch in der Amtszeit von Präsident Bush sein wird.

    Natürlich ist es schlecht, wenn die Ayatollahs in den Besitz von Nuklearwaffen geraten - aber warum genau? Dies erschliesst sich mir nicht wirklich. Israel kann sich selbst verteidigen, die haben mehr als 100 Sprenköpfe. Was passiert, sollte Iran eine Atombombe loslassen, welche Reichweite würden diese haben? Nach den Gesetzen der Abschreckung, dem altbekannten Prinzip von MAD ("Mutually Assured Destruction") existiert Iran danach schlicht und einfach nicht mehr.

    Der einzige Realeffekt einer Nuklearmacht Iran wäre, dass sich diese dann halbwegs effektiv gegen einen weiteren Waffengang der Amerikaner abgesichert hätte. Wirklich bedrohliche Szenarien erweisen sich schon bald nach nur wenigen Gedankengängen als wenig realistisch; es mangelt an Zwangshagftigkeit.

    Der rationale Schluss ist: GW Bush und Dunstkreis profitieren von einem dem Angriff auf Iran folgenden Ölpreisanstieg enorm. Ob der US Präsident aufrichtige Probleme sieht, damit die Weltwirtschaft einigermassen nachhaltig zu stören, bezweifle ich. Ein globales Leitmotiv der GW Bush Politik scheint in allen Bereichen zu sein, seinen Dunstkreis und die direkte Anhängerschaft zu fördern. dies drückt sich ja nicht nur in seiner Militärpolitik aus sondern in allen Politikbereichen. Erwähnen wir hier mal einstweilen, den bis dato gescheiterten Versuch selbst die US-Sozialversicherung zu privatisieren.

    Wir wurden bislang hinreichend "informiert", dass die iranischen Atomanlagen praktisch unzerstörbar tief einbgegraben sind. Dies korreliert mit laufenden US-Informationen betreffs "bunkerbrechenden", "taktischen" Nuklearwaffen, der Notwendigkeit von deren Entwicklung und der rhetorisch zunehmenden Entstigmatisierung. Diese Waffen werden also auf jeden Fall nächstes Jahr im Irankrieg zum Einsatz kommen.

    Um bei der Rhetorik zu bleiben: innerhalb der letzten vierzehn Tage haben die USA die verbale Eskalation weiter ausgebaut und es wird systematisch versucht eine Synonymität von Iran/Islam mit Faschismus und Nazis, den bislang harschesten Feinden der Amerikaner, aufzubauen. Eine Verschärfung der Rhetorik wird sukzessive erfolgen. Inwiefern es den USA gelingen wird relativ harmlose, aber leicht aufbauschbare Scharmützel mit Iran herbeizuführen bleibt abzuwarten. Wohl wird man versuchen Iran stärker mit "Terrorismus" zu assozieren. Ob dies jeweils gelingt kann so nicht gesagt werden, es entspräche aber der üblichen Art der USA militärische Konflikte propagandistisch vorzubereiten.

    Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der kürzliche, lange vorbereitete Libanonkrieg Israels, der ja glaubwürdig weder als Verteidigungs-, Abschreckungs- oder Revanchekrieg einzuordnen ist. Dieser Krieg kam erst dann zum Stillstand, als es diplomatischen Anstrengungen gelungen ist eine vornehmliuch europäische Streitmacht zu Absicherung Israels im Südlibanon zu etablieren. Diese wird wohl im Irankrieg von gutem Nutzen sein, da Hizbollah in einem überspannenden nahöstlichen Kriegszenario tatsächlich eine gewisse Gefahr für Israel darstellen kann. Europa wurde auf jeden Fall damit erfolgreich in das Kriegsszenario eingebunden, und übernimmt nunmehr, wie es auch immer kommt, die Kosten für Israels Nordverteidigung - zusätzlich zu substantiellen Beiträgen für den Wiederaufbau Libanons.

    Es mag einigen zu zynisch und gar weithergeholt erscheinen, die Aussenpolitik der GW Bush Regierung als Kapitaltransferinstrumentarium des erweiterten Bush-Clans zu beschreiben. Tatsache bleibt, dass die Analyse, die hier nur in äusserster Kürze dargebracht worden ist, ist als einzige Theorie so ziemlich 100% wasserdicht und stringent. Es gibt keine schlüssigere Theorie, welche keine ungelenken Konstruktionen benötigt. Nach dem Prinzip des Occamschen Rasierers ist dies damit sogar zwangsläufig die wahrscheinlichste.

    Um am Ende noch ein wenig munter drauf loszuschwadronieren: Russland mit seinen Ölvorräten ist einer der Hauptnutzniesser, ob China im Austausch für die Realisation Taiwan bekommt oder grollend zusehen muss bleibt blanke Spekulation, eben so die Frage ob Tony Blairs Abnschied sich strategisch genau deswegen so in die Länge zieht.

    Die Konsequenz wird auf jeden Fall sein, dass es bergab mit der Wirtschaft geht, dass der Terror erst richtig beginnt, und dass die Bürgerrechte global weitere scharfe Einschnitte erfahren.

    Ob auf der anderen Seite als Konsequenz der Verbrauch von fossilen Brennstoffen dermassen zurückgeht und damit der kommenden Klimakatastrophe einhalt geboten wird erachte ich als wenig wahrscheinlich. Eher sollte man Slogans wie "Braunkohle ist Trumpf" und "Saubere Atomkraft" erwarten.

    • zozo
    • 17.09.2006 um 23:43 Uhr

    "Die Konsequenz wird auf jeden Fall sein, dass es bergab mit der Wirtschaft geht, dass der Terror erst richtig beginnt, und dass die Bürgerrechte global weitere scharfe Einschnitte erfahren."

    und, ich befürchte Sie haben es vergessen, den III. Weltkrieg. Und der Papst hat da leider gut mitgeholfen.

    In Ihrer Analyse haben sie den Oleoduc in Afghanistan, den die Talibanen nicht wollten im Frühjahr 2001, vergessen.

    Aber wenn das alles so stimmt kommt der Krieg noch vor den November Wahlen. Kauft Zukker, Salz, Reis, Mehl, Wurst, Kekse.

  2. Sie haben Recht. Ich werde es korrigieren. Vielen Dank, und: sorry.

    • Anonym
    • 06.09.2006 um 17:40 Uhr

    Iss ja vielleicht beruhigend zu wissen, dass dieser Präsident, mit dem die Welt klarkommen muss, mit seiner Politik nicht die amerikanische Volksseele repräsentiert - meine Hochachtung an die Mehrheit der Bevölkerung der USA! Trotzdem: die Zeit hat während der letzten 5 Jahre schon ungefähr 3 mal über derartige "Krisen" niedriger Umfragewerte im weißen Haus berichtet (im Zusammenhang mit Irakkrieg und dem Fall Palme). Das Ergebnis war stets das gleiche: im Nachhinein redet niemand mehr darüber und W wird bis zum Ende ohne Probleme Präsident bleiben, er ist quasi unabsetzbar. So etwas wie ein konstruktives Misstrauensvotum gibt es nicht. Ach ja, das Impeachment-Verfahren: in den letzten 30 Jahren nur einmal angewandt, als es um Oralverkehr im Büro ging...

    MfG

  3. Amerika ist kein Land, Amerika ist ein Kontinent! Amerikaner ist jeder der in Amerika geboren ist. Diejenige die jetzt wieder einen Krieg führen wollen, kommen aus den Verignigten Staaten von Amerika. "US Amerikaner" wäre besser.

  4. Die(wieder)den Krieg führen wollen sind Vereigniten Staatler.

    • Besser
    • 07.09.2006 um 16:37 Uhr

    "Aber was, wenn die Diplomatie versagt? Das ist die Machtfrage; 53 Prozent der Amerikaner sehen dann militärische Mittel als die beste Antwort an, und immerhin 45 Prozent der Europäer."
    Wie aufschlußreich sind solche Umfragen denn nun wirklich? Natürlich ist es sinnvoll immer zuerst Diplomatie einzusetzen, aber leider führt das oft zu nichts, sonst gäb´s gar keine Kriege mehr.

  5. gehen munter weiter wie eben der Spiegel berichtete: "Uno-Atombehörde beklagt "irreführenden" US-Bericht".
    Es wir eben auf eine Konfrontation hingearbeitet.
    Lieber kanalbauer, sie haben in vielem Recht, ich frage mich immer nur warum wir uns über iranische Zensur beklagen, da im Westen nur publiziert wird was genehm ist!
    Aber was soll's, das Leben geht weiter. Zu Anthrax sei gesagt dass es eine US Anthrax Sorte war, wie die Russen bestätigten. No chance, Mr President.
    Man kann nur hoffen dass 2008 dem Spuck ein Ende gemacht wird!

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