Iran Nervenspannung in New York

Der jüngste Iran-Bericht der IAEA zeichnet ein düsteres Bild. Teheran setzt sich über die Frist der UN hinweg und behindert Inspektionen. Die USA drängen auf Sanktionen, Russland und China bremsen

Der seit Jahren andauernde Atomkonflikt droht damit in eine neue, noch gefährlichere Runde zu gehen. Die Vereinten Nationen hatten der Führung in Teheran bis zu diesem Donnerstag Zeit gegeben, die Urananreicherung einzustellen, da sie zum Bau von Atombomben genutzt werden kann. Iran zeigte jedoch keinerlei Bereitschaft, darauf einzugehen. "Iran hat seine Anreicherungsaktivitäten nicht ausgesetzt", heißt es in einem Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde , der in Wien vorgelegt wurde. Mit Ablauf des UN-Ultimatums begannen deshalb in New York intensive Beratungen über das weitere Vorgehen.

In ihrem Bericht vom Donnerstagabend stellt die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) fest:
- Iran hat die Anreicherung von Uran forgesetzt
- Es wird an der Installation einer zweiten, 164 Zentrifugen umfassenden Anreicherungskaskade gearbeitet (was keine große Zahl ist, aber das Sammeln von Betriebserfahrungen mit Anreicherungstechnik erlaubt). Die Kaskade könnte in den kommenden Tagen in Betrieb gehen. Um diese Arbeiten zu beobachten, wollte die IAEA Anlagen zur Fernüberwachung anbringen, was ihr von iranischen Offiziellen verwehrt wurde.
- Iran wehrt sich gegen die gegenwärtige Frequenz der Besuche von IAEA-Inspektoren in seinen Anlagen und verweigerte mehrmals den Zutritt, in einigen Fällen auch Visa
- nach wie vor verweigert Iran den Zugang zu Dokumenten, die es erlauben würden, den Hergang und den Umfang der Beschaffung von nuklearer Anreicherungstechnik zu rekonstruieren – ein schweres Problem, weil die IAEA das Netz des Atomtechnikschmuggels ebenso aufklären will wie die Reichweite und die Zielsetzung des iranischen Atomprogramms
- die iranischen Experimente zur Herstellung kleiner Plutonium-Mengen, metallischen Urans sowie nuklearmilitärisch relevanter Sprengstoffe sind nach wie vor nicht derart dokumentiert, dass ihr Umfang geschätzt werden kann.

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Nach Einschätzungen von Beobachtern dürften allerdings Wochen vergehen, bis der Weltsicherheitsrat reagiert und möglicherweise - wie in der jüngsten Iran-Resolution angedroht - Sanktionen verhängt. Russland und China, die der Resolution nach langen Verhandlungen zugestimmt hatten, haben wiederholt Vorbehalte gegen Strafmaßnahmen gegen Iran geäußert - aus strategischen Gründen, aber auch mit Blick auf eigene wirtschaftliche Interessen.

Die USA verlangten dennoch, so schnell wie möglich mit der Diskussion darüber zu beginnen, falls Teheran nicht doch noch in letzter Minute einlenke. Bereits die erste Resolution müsse ein beachtliches Signal an den Iran aussenden, dass es sich um eine ernsthafte Sache handele, sagte Außenamtssprecher Sean McCormack in Washington. Danach müsse der Druck auf die Führung in Teheran Schritt für Schritt erhöht werden.

Nach Angaben aus dem US-Außenministerium sollen am kommenden Donnerstag Vertreter der fünf Vetomächte  und Deutschlands in Berlin zusammentreffen. US-Staatssekretär Nicholas Burns werde bereits Anfang kommender Woche zu Gesprächen nach Europa reisen.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warnte Teheran vor den Folgen einer Konfrontation mit der westlichen Welt. Wenn Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) in ihrem Bericht an den UN-Sicherheitsrat feststelle, dass die Auflagen der Vereinten Nationen nicht erfüllt seien, müsse der Iran mit "Einschränkungen seiner internationalen Handlungsfähigkeit" rechnen. "Der Iran hat ein Recht auf friedliche Nutzung der Kernenergie aber kein Recht auf Atomwaffen! Hinzu kommt: Mit angereichertem Uran kann Teheran derzeit überhaupt nichts anfangen - außer, es plant den Bau der Bombe. Und eine iranische Atombombe müssen wir verhindern", betonte Steinmeier.

Bundeskanzlerin Merkel schloss weitere Verhandlungen nicht aus. "Wir haben Iran ein sehr, sehr gutes Angebot gemacht", sagte sie. "Wir werden die Tür nicht zuschlagen", es könne aber nicht so getan werden, als ob nichts gewesen wäre. Merkel warnte, eine Weigerung der iranischen Führung, auf die Forderung der Staatengemeinschaft einzugehen, werde zu Lasten der iranischen Bevölkerung gehen, da das Land große wirtschaftliche Probleme habe.

Der iranische Präsident Ahmadineschad zeigte sich am Donnerstag von den Warnungen des Westens unbeeindruckt. "Die Welt soll wissen, dass der Iran sich keinem Druck beugen und sich nicht von seinen international verbrieften nuklearen Rechten abbringen lassen wird", sagte Ahmadineschad in einer vom Fernsehen übertragenen Rede.

Gibt es noch einen Weg, die Konfrontation zu vermeiden? Lesen Sie den Kommentar von Ulrich Ladurner.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Sorgen

    Sanktionen: werden kaum Wirkung in Bezug auf die Verhinderung des Nuklearprogrammes zeigen.

    Im Gegenteil.

    (Gesellschaftliche) Prosperität wird im Iran von Religiösität getragen.

    Sanktionen - die die Teheraner Führung gelassen in Kauf nimmt, ja provoziert - verstärken die Leidensbereitschaft der überwiegend armen und ungebildeten Bevölkerung Irans.

    Ein Präventivschlag des Westens ist (Libanonkonflikt, Jahrestag 11/9, (versuchte) Terroranschläge, Peak Oil, Große Koalition, etc.alles Zufall?) eine Sackgasse.

    Wir werden wohl besser mit einer veränderten *Sicherheitslage* leben.

    Lasst uns lieber mit erstmal wieder mehr Holz verheizen und unser Geld in die Entwicklung technischer und wirtschaftlicher Innovationen fließen lassen.

    Schade, das wir hier in Europa ausgerechnet jetzt keine Köpfe mit politischen Ideen haben- Ideen die uns beflügeln und nicht den Propagandamüll der BILDZEITUNG wirken lassen.

    Goldrush

  2. Dass wir es seit 27 Jahren im Nahen Osten mit der schiitischen Revolution zu tun haben, ist die schwere Erblast einer völlig verfehlten Politik, die gleich nach dem zweiten Weltkrieg einsetzte. Den Schah bei seinen Bestrebungen zu unterstützen, die persische Geschichte völlig umzuschreiben, war sehr dumm.

    Doch während diesem Herrscher die Technologie für die zivile Nutzung der Kernenergie bereitwillig frei Haus geliefert wurde, wird es heute als ein völlig unakzeptables Streben angesehen, die Brüter-Technologie anzuwenden. Das ist zwar einerseits gut, doch andererseits absolut verlogen.

    Einen neuen Weltkrieg zu beginnen, wäre deshalb unverzeihlich.

    Natürlich sieht es für den Westen derzeit alles andere als gemütlich aus. Doch was wurde denn für den Willen der friedlichen Koexistenz schon getan? Der Versuch, die westlichen Ideale in den Nahen Osten zu exportieren ist vorerst gründlich danebengegangen. Doch die Moral von der Geschichte kann nicht sein, dass Nationen, Völker und Kulturen, die sich lieber mit sich selbst beschäftigen würden, anstatt sich mit dem Westen auf einen globalen Welthandel zu verständigen, in ihre Schranken verwiesen werden müssen.

    Die Lösung liegt deshalb in einer Selbstbesinnung. Eigenes Versagen zuzugeben gehört dazu. Sich selbst mehr anzustrengen, eine Energiewende zu schaffen, darauf käme es jetzt an, zumal sich Russland und China weitgehend emanzipiert haben.

    Appeasement - Nein Danke! Okay. Niemand sollte sich ohnmächtig hinter dem Ofen verkriechen. Allerdings müssen auch die eigenen Fehler gesehen werden, denn sonst wird aus Nervenspannung Nervenkrieg und danach die Bombe aller Bomben sowieso hochgehen.

    • eik
    • 31.08.2006 um 18:13 Uhr

    Wieder einmal zeigt es sich wie falsch unsere Koriphäen die Gesamtsitation einschätzen, wie in so vielen anderen internationalen Bereichen auch. Der Iran spielt Katz und Maus mit uns und die Zeit spielt für den Iran. Ebenso irrig ist die Annahme, durch noch mehr Kameras Terror verhindern zu können, allenfalls können wir den Terroristen besser hinterherlaufen, den den Tod verhindert man damit nicht. Wann endlich kapiert man bei uns, das das alles mit Macht zusammenhängt. Noch haben wir sie, fraglich noch wie lange, denn wir haben schon so viel Boden verspielt. Mit Reden allein kann man Frieden heutzutage nicht mehr erhalten, ob es denen paßt oder nicht, denn Worte schützen nicht vor Bomben.

  3. Die interessante Frage ist doch, was passieren wuerde,

    wenn die Mullahs im Iran die Atombombe bekommen.

    Eine Antwort ist, dass sie Israel dann noch leichter drohen koennen. Die Menschen in Israel hätten wohl keinen ruhigen Schlaf mehr. Vor allem auch deshalb weil der Iran ja Israel unverhohlen mit der Vernichtung droht.

    Der Iran kann dann in aller Seelenruhe weiter die Hisbollah und Hamas unterstützen ohne jemals selbst mit einem Konsequenzen in Form eines Angriffs rechnen zu müssen.

    Es ist denkbar dass in dieser Situation viele Menschen Israel verlassen. Vielleicht setzt der Iran ja auf diesen

    Effekt.

    Diese Vorstellung eines Atomkrieges hat nahezu ein halbes Jahrhundert den Frieden zwischen den USA und der UDSSR gesichert, obwohl es auch manachmal sehr brenzlig wurde (Kuba-Krise). Mit der Konstellation Iran und Irak ist es

    jedoch ein wenig anders, denke ich, da sich beide Gegener so nah gegenüberstehen, das dem anderen bei einem Erstschlag wohl keine Zeit zur Reaktion bleibt. Gerade dies íst ja ein wesentlicher Bestandteil der Abschreckung.

    Zum anderen basiert die Abschreckung auf der Überlegung

    dass beide Seiten rational handeln. Das bedeutet, wenn eine Seite sieht das sie unvermeidlich zerstört wird wenn sie als erste angreift, wird sie niemals angreifen.

    Nur, macht die Führung Irans zur Zeit nicht gerade den rationalsten Eindruck. Sie scheint eher geleitet von

    nationalem Groessenwahn und religioeser Verklaerung.

    Was also tun ? Ich glaube die Thinktanks in den USA und

    Europa haben die Antwort bereits herausgearbeitet:

    Verhindern dass der Iran die Atombombe erhält.

    Die nächste interessante Frage ist, was für Mittel auf

    diesem Wege erlaubt sind ? Ist ein Praeventivkrieg erlaubt ?

    (Ich glaube nein, da wir (der Westen) sonst der

    ewige Aggressor bleibt (für Jahrhunderte).

    Zudem sollten wir moralische Überlegenheit zeigen.)

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