Libanon Verstreuter TodSeite 2/2
"Wir sprengen normalerweise so 25 bis 30 am Tag", sagt der deutsche Sprengstoffexperte Frank Masche, der seit 1992 für die britische Hilfsorganisation MAG (Mines Advisory Group) arbeitet. Seit dem Ende des Krieges zwischen Israel und der radikal-islamischen Hisbollah gehen Mitarbeiter des MAG-Teams von Haus zu Haus und suchen nach Streubomben-Überbleibseln und anderen Blindgängern. Demnächst sollen sie Unterstützung von 19 irakischen Sprengstoffexperten erhalten. "Wir versuchen, in zwei bis vier Tagen jeweils ein Dorf zu säubern", sagt Masche. In den vergangenen Tagen fand er nach eigenen Angaben besonders viel amerikanische M-42-Streubombenmunition.
Chris Clark, der Leiter des UN-Koordinationszentrums gegen Minen (MACC) schätzt, dass bisher 2000 der tödlichen, oft nur faustgroßen Schrapnelle von den Sprengstoffexperten zerstört wurden - ein winziger Bruchteil. "Die Lage ist viel ernster als die, die wir im Irak, in Afghanistan oder im Kosovo hatten", sagt MACC-Pressesprecherin Dalya Farran.
Nach Angaben der UN starben seit Kriegsende 13 Menschen bei Explosionen von Blindgängern; etwa 50 wurden schwer verletzt. Die meisten Opfer sind Kinder, die die kleinen Minibomben finden und aufheben, sowie Dorfbewohner, die darauf treten. Wer nicht stirbt, verliert meist Arme oder Beine.
Das UN-Koordinationszentrum hat inzwischen knapp 400 Einschlagstellen von Streubomben im Südlibanon ausgemacht. Marc Garlasco, ein Experten der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, geht davon aus, dass die Israelis "höchst unzuverlässige Munition aus der Zeit des Vietnamkriegs einsetzten. Wir haben Granaten gesehen, auf denen das Herstellungsjahr 1973 eingeprägt war."
Für Frank Masche und die anderen Minenräumer bleibt noch viel zu tun. Neben den Zehntausenden Streubombenüberbleibseln gibt es im Südlibanon noch schätzungsweise 400.000 Landminen, die meisten davon wurden von den Israelis zurückgelassen, als sie das seit 1985 besetzte Gebiet 2000 räumten.
- Datum 13.06.2008 - 13:34 Uhr
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- Quelle ZEIT online, dpa
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