USA Unbeliebtes Amerika
Fünf Jahre nach 9/11: Die kritische Haltung gegenüber den USA ist hierzulande in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Eine Betrachtung
Die besten Zeiten sind vorbei: Deutsch-amerikanische Beziehungen auf dem Tiefstand, dank George W. BushWer fünf Jahre nach dem 11. September die deutschen Klischees über die Amerikaner Revue passieren lässt, stößt auf einen gewaltigen Vorrat: Bush ein Tölpel, mit Sprachfehlern und lückenhaftem Intellekt gesegnet, ein hinterwäldlerischer Texaner, gottesfürchtig obendrein. Ein verwöhnter Tunichtgut, der nur Präsident geworden ist, weil Papa dafür sein Wort eingelegt hat. Und eine Marionette der Falken. Die wollen das Öl im Nahen Osten und das Sagen auf der ganzen Welt. Ihnen kam der 11. September durchaus zupass, den er gab ihren Plänen die Rechtfertigung – und schon hat sich Bush vom unterbelichteten Trottel in einen schneidigen Kriegspräsidenten verwandelt, um die Welt unter amerikanische Vorherrschaft zu bringen. Alles unter dem Banner der Demokratie. Und alles nur auf Lügen beruhend. Oder so.
Nun war der 11. September 2001 in der Tat ein einschneidendes Ereignis, auch für die deutsch-amerikanischen Beziehungen. In Amerika, das unilateralistisch agierte, kam viel Kritisches an: Der Ausstieg aus dem Kyoto-Prozess, die Errichtung hoher Zollhürden und die Ablehnung des Internationalen Gerichtshofes missfielen den multilateralen Europäern. Doch nach den Anschlägen in New York und Washington verließ die verbitterte Kritik an der US-Regierung zunächst einmal den öffentlichen Raum, Solidarität mit der getroffenen Nation herrschte vor. Während des Afghanistankriegs konnte man mahnende Töne vernehmen, doch eher vereinzelt.
Doch spätestens mit der Vorbereitung des Irakkrieges war das Stillhalten für die Deutschen wieder vorbei. Der Ton zog deutlich an, einen neuen Krieg wollte man nicht mehr. Dass Saddam nach Massenvernichtungswaffen streben könnte, betrachtete man entweder nicht als Möglichkeit oder leitete daraus zumindest keinen Handlungsbedarf ab. Die These von den hobbesschen Amerikanern vom Mars und den kantianischen Europäern von der Venus machte die Runde, Robert Kagan überzog damit die Feuilletons.
Seitdem geht es hoch her im transatlantischen Diskurs, nicht nur im medialen. Eine gewisse Häme ist bei vielen Deutschen nicht zu überhören, wenn sie über den schweren Stand der Amerikaner im Irak zwei Jahre nach dem ausgerufenen Sieg reden – ungeachtet dessen, dass Chaos in der Region auch den Interessen des eigenen Landes zuwiderläuft.
Mit Recht wird den USA allerhand vorgehalten: Guantánamo, Abu Ghraib, Tötung von Zivilisten im Irak, Verschleppung von Menschen zu Verhörzwecken – die Liste der Menschenrechtsverletzungen ist erschreckend. Doch in der Summe kann man die Häufigkeit und Härte, mit der die USA angegangen werden, auch als unverhältnismäßig wahrnehmen, und auch als reflexhaft. Wenn doch wenigstens die Empörung über die weitaus schlimmeren Menschenrechtsverletzungen in China und Russland laut würde!
USA – Das fremde Land
Manchmal beschleicht einen das Gefühl, die Kritik an den USA gehöre hierzulande zum guten Ton. Sie sind ein fremdes Land geworden. Noch im Jahr 2000 hatten laut einer Befragung des Pew Research Centers 78 Prozent der Deutschen ein positives Bild von den USA. Zwei Monate nach den Anschlägen empfanden laut einer Langzeitstudie des Demoskopie-Instituts Allensbach mehr als die Hälfte der Deutschen die Amerikaner als sympathisch, im April 2005 waren es nur noch 30 Prozent – und damit waren erstmals seit Erhebungsbeginn 1957 die Amerikaner mehr Deutschen unsysmpathisch als sympathisch. Der Trend gilt für fast alle Europäer, doch die Deutschen haben den größten Gesinnungswandel vollzogen. Stattdessen spielen jetzt andere die Rolle der Guten: Als besten Freund betrachteten die Deutschen 2005 zu 41 Prozent die Franzosen (1996: 18 Prozent), die Amerikaner nur noch 16 Prozent (1996: 48 Prozent). Die Distanzierung von Amerika ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Den Amerikanern wird vieles zugetraut: Mehr als ein Drittel aller Deutschen unter 30 glaubten zwei Jahre nach dem 11. September einer Forsa-Umfrage zufolge, dass die US-Regierung selbst hinter den Anschlägen steckt. Die Literatur, die solchen Argwohn anstachelt, ist ein Massenphänomen. Der frühere SPD-Minister Andreas von Bülow vermutet, das World Trade Center sei gesprengt worden, und der einschlägig bekannte Autor Mathias Böckers sieht in George W. Bush den „eigentlichen Wiedergänger Hitlers“ und schreibt von ferngesteuerten Flugzeugen, überlebenden Attentätern, Cruise Missiles im Pentagon und sehr viel Geheimdienstarbeit. Selbst der deutsche Vorzeigerechercheur Hans Leyendecker schreibt in seinem Buch „Die Lügen des Weißen Hauses“ Sätze wie: „Wolfowitz braucht die Vorstellung von der Apokalypse wie ein Junkie den Schuss.“
Besonders ein Kritiker der US-Regierung, der sich mit kritischen Betroffenheitsdokus ins Rampenlicht gerückt hat, erfreut sich in Deutschland ausgesprochener Beliebtheit: Michael Moore. Nirgends werden seine Bücher so gut verkauft wie hierzulande. Moore ist unser „Präsident der Herzen“, wie die linksradikale Jungle World titelte.
Die zwei Amerikas
- Datum 18.09.2006 - 12:20 Uhr
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die Kofferbomber 'erfolgreicher' gewesen waeren? Wenn die Kofferbomben explodiert waeren genau wie vorher schon in New York,London und Madrid ,Deutschland haette einen Haufen Tote und Verletzte zu beklagen weil ein paar 'beleidigte' Muslime sich raechen wollten fuer irgend eine dubiose Respektlosigkeit? Wie wuerde die deutsche Regierung,die Presse und auch die Bevoelkerung reagieren? Der Anschlag auf das World Tradecenter hat die USA sehr traumatisiert und man kann sehr wohl verstehen dass Muslime ziemlich misstrauisch beaeugt und sie den vermeintlichen Angreifer am liebsten in die Steinzeit zurueck bombardieren moechten.
Es ist leicht fuer anti-Amerika Palaverer zu klagen dass die US Regierung zu hart reagiert, wie kann man denn auf so eine feige Tat gemessen reagieren? Und was ist gemessen? Ich glaube nicht dass es ein Mass gibt. Die 2 moechte-gern Terroristen waren unfaehig eine funktionierende Kofferbombe zu basteln aber man kann ziemlich sicher sein dass die naechste Garnitur ihr Handwerk besser versteht. Dank dieser Verbrecher,die sich in den Mantel des Islams wickeln, kann man nicht mal mehr auf einem Bahnhof in Ruhe auf den Vorortzug warten und alle die klagen dass Kameras auf oeffentlichen Plaetzen zu viel an' BIG BROTHER' erinnern sollten mal ueberlegen was fuer Rechte wir schon eingebuesst haben weil man vor Islamisten nirgends mehr sicher sein kann.Jeder der sich ein bischen umschaut dass Deutschland nicht sicher ist vor Anschlaegen der Islamisten trotz Toleranz und Gut-Menschen Gebrabbel.
Der Anti-Amerikanismus hat nicht nur zwei, sondern sehr viele, oft grundsaetzlich unterschiedliche Gesichter.
Erstens muss da unterschied gemacht werden zwischen die "eigene", "Westliche" Varianten in Europa (und, vergiss nicht, in den USA selbst), dazu eher "halb-Westliche" Variante so wie in Russland und in Sued-Amerika, und klar nicht-Westliche, so wie die im Islamischen Kultur-Bereich.
Die Letzte Variante koennte schon eher als Anti-Westlich gelten als spezifisch Anti-Amerikanisch.
Es richtet sich nur deswegen hauptsaechlich gegen die USA, weil die USA die groesste Macht des Westens darstellen.
Zum zweiten gibt es da - so wie es im Artikel schon erwaehnt wurde - der Unterschied zwischen politische und kulturelle Varianten.
Zum dritten wuerde ich noch ein Unterschied zwischen materielle und materielle Varianten einbringen, die die bvorhetr genannt zwar verwand ist, aber jedoch nicht identisch.
Er ist also ganz unterschiedlich vom Deutschen-Hass in Europa, Russen-Hass in Ost-Europa oder Islamophobie, weil es sich dort schon eher um ein klares (obwohl oft un-wahres und ungerechtes) Stereotype handelt.
Er ist auch ganz andersartig als der Anti-Kommunismus und (klar) der Anti-Fascismus, weil es sich dort NUR um Systemen handelt, nicht aber um konkrete Volksgruppen oder Kultur-Bereiche und -Auesserungen.
Eher ist der Anti-Amerikanismus mit dem Anti-Semitismus verwand, weil dieser sich auch von grundsaetzlich unterschiedliche, und sogar oft unvereinbare Stereotypen ernaehrt (wie eine Art von "Selbstbedienungs-Laden" der Hass).
Es ist da auch nicht gerade zufaellig, das diese beide Vorurteile oft in die gleichen Umgebungen auftreten (islamistisch, rechts-extrem, und links-extrem).
Die "Bruecken", die da benuetzt werden, um diese zwei Gespenster mit einander zu verbinden, koennen
Anti-Zionismus, Anti-Modernismus, Anti-Kapitalismus, Anti-Kosmopolitanismus, Anti-Liberalismus, aber auch sogar gerade Anti-Christlich sein.
Wass am meisten erschreckt, ist das diese Unfug jetzt fast zum "guten Ton" gehoert.
Die Politik der heutigen USA und Israel, den man mit Recht scharf kritisieren und sogar verdammen kann, ist naemlich nicht die Ursache, sogar noch Mal nicht der Anlass, sondern nur eine Entschuldigung, um den Unfug freies Spiel zu geben.
Mann koennte befuerchten, dass Islamisten,
Rechts-Extremisten und Links-Extremisten sich gemeinsam heimlich freuen ueber den Bush und den Olmert.
Dass sind gerade die Gestalten und Ereignisse worauf man gewartet hat, endlich gibt es den Feind den man sich getrauemt hat.
Dass es jetzt aber den Mitten der Gesellschaft erreicht hat, gerade in Deutschland, sollte uns warnen muessen. Wenn man sich die Geschichte Ost-Roms studieren, wuerde, wuerde einem klar wedren weswegen.
Auch in damaligen Ost-Roemischen Reich, im 14e und 15e Jahrhundert, bevorzugten viele (Griechisch- und Slavisch-Ortodoxe) Buerger/innen die (noch nicht erlebte) Herrschaft der (noch unbekante) Moslimischen Tuerken uber die der (schon bekannte und naeher verwandte) Katholische "Franken" (Germanen und Romanen).
Dass sie damit ein wahl vom Fegefeuer in die Hoelle machten wurde ihnen erst nach-her klar.
Aber dann war es leider schon zu spaet.
Wir in Europa (und in Russland) mussen und davor huten, heutzutage eine aehnliche Fehler zu machen.
Ich glaube, daß Problem ist, daß man als Deutscher einen weitaus höheren moralischen Maßstab and die US-Politik anlegt als an die anderer Länder. Vielleicht liegt es an den großen US-Einfluß nach dem zweiten Weltkrieg, als das Öffentlichkeitsbild zumindest in der früheren BRD von den Rosinenbombern und dem Marschall Plan geprägt wurde. Auch wenn damals diese Politik vor allem durch das Eigeninteresse der USA gegenüber dem sich formierenden Ostblock bestimmt wurde und mitnichtn aus der Freundlichkeit des Herzen geboren war, so waren das doch bleibende, wenn auch singuläre Eindrücke. Von den Soviets oder den Chinesen erwartete man Menschenrechtsverletzungen, von den Amerikanern auf keinen Fall...
...zumindestens bis zum Vietnamkrieg (von den Franzosen als einer der letzten Kolonialkriege ausgelöst und dann clever zum Showdown der "freien westlichen Welt" gegen den Kommunismus aufgebauscht. Wer das bis heute noch glaubt, der sollte mal nachschauen, was die ersten Worte Ho Chi Minhs waren, als er zum Widerstand gegen die Franzosen aufrief. Es war nämlich nichts anderes als die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten, die er im Radio verlies. Kommunistisch geprägt wurde Nord-Vietnam erst, als die USA ihren Verbündeten aus dem 2. Weltkrieg unterstützen, sowohl mit der fast vollständigen Übernahme der Kriegskosten und Waffen. Erst dann nahmen die Nord-Vietnamesen die Hilfe Rot-Chinas dankbar an)
Die US-Außenpolitik hat sich immer linear und vor allem reagierend verhalten, was Ihnen heute, umgangssprachlich, in den Hintern beißt. Die Installation des Schahs als Alleinherrscher im Iran 1953, um die Ölinteressen der Briten zu sichern (was zur Formung der BP führte), die Unterstützung der Franzosen, die zum Vietnamkrieg führte, die Unterstützung der Mullahs in Afghanistan, die zu Osama Bin Laden führte.
Das Problem ist, daß man heutzutage, nach all diesen Fehlern und Dummheiten der amerikanischen Außenpolitik nicht mehr glauben kann (und darf). Der russichen Außenpolitik, der chinesischen und der französsichen auch nicht (Frankreichs moralische Entrüstung im Bereich Iran und Irak basierte einzig und allein auf deren wirtschaftlichen Interessen in Bezug auf Öl oder jetzt auch in Bezug auf den Bau von Atomanlagen)
Ich war am 11. September in den USA und habe drei Dinge gesehen:
A) der unglaubliche Schock einer Bevölkerung, die sich selbst sehr lange als Zentrum der Welt gesehen hat und die aufgrund einer internen Propaganda-Politik sich niemals mit den Gründen und Auswirkungen der Politik ihrer Regierungen auseinandersetzen mußte
B) Der Zusammenhalt von Individuen, wie er nur nach solch einer Attacke zusammenkommen kann
und
C) die unglaubliche (und verständliche) Wut auf alles und jeden im Nahen Osten. Knappe neun Stunden nach dem Anschlag war der von mir am meisten gehörte Satz: "We're going to turn the entire fucking Middle East into a nuclear wasteland for this."
Es war einfach für Bush, diese Sentimente auszunutzen. Und auch hier zeigt sich wieder das Unverständnis vieler Amerikaner gegenüber dem Rest der Welt. Die Bevölkerung glaubte dem Präsidenten. Wir mögen das vielleicht lachhaft finden, aber als Bush sagte, man würde jeden Diktator vom Thron stoßen und für die Demokratie kämpfen, dann nahm die Bevölkerung ihm das ab. Was kann ja auch schlecht daran sein?
Eigentlich nichts, bis auf die Tatsache, daß die USA heute noch immer jeden Diktator unterstützen, der ihnen weltpolitisch genehm ist (Saudi Arabien, Ägypten).
Der Anti-Amerikanismus heute ist glaube ich mehr als alles anderes von der Enttäuschung geprägt, die man fühlt. Die USA tun Dinge, die man Putin zutraut, die man den Chinesen zutraut...aber nicht dem Staat, der in der öffentlichen Meinung immer das Vorzeigemodell des demokratischen Selbstverständnisses war. Deshalb, so meine Meinung, ist die Reaktion auch so stark.
"So auch die Titel nach dem erneuten Sieg des Präsidenten: Oops they did it again, lästerte die tageszeitung, der Spiegel skandierte Augen zu und durch"
...aber die Zeit, die hat es schon damals besser gewusst, wie? Da waren derartige Kommentare natürlich nciht zu hören.
naja, ich hoffe, dieser ansonsten hochinteressante Artikel schließt das ihn publizierende Medium mit ein in die Kritik an der deutschen Gesellschaft. Denn es steht mittendrin in der linksintellektuell-kritischen Amerikabeäugung. Und hat ja auch recht damit.
Ich glaube Ihr Kommentar kommt der Wahrheit am naechsten.
Hallo,
Kritik - auch harte Kritik - an Amerika ist nicht nur Ausdruck irgendeines Modetrends. Um ehrlich zu sein, ich hasse Argumentationsgänge, die versuchen die Abscheu, die auch ich der gegenwärtigen amerikanischen Politik gegenüber empfinde, wegzuerklären, indem die deutsche Volksempfindlichkeit von annodazumal bis heute nachgezeichnet wird.
Die Kritik erklärt sich nicht mehr aus der (meist moralischen) Ablehnung konkreter Handlungen, sondern aus Trends und Modeerscheinungen. Jetzt ist "man" eben antiamerikanisch. Man versucht seine Identität nach dem Wegfall des feindlichen Ostblocks neu zu definieren...
Blabla ...
Die jetzige Situation im Irak wurde bereits vor Beginn des Krieges so vorausgesagt. Es ist nicht so, dass man nicht vorher gewusst hat, welche Probleme mit einem bewaffneten Demokratisierungsversuch einhergehen würden. Auch hat man im Voraus (und zu recht) geargwöhnt, dass die Legitimierung des Krieges auf Lügen basiert.
Es fällt mir schwer bei diesem Thema präzise zu argumentieren. Ich weiß nicht welche Punkte ich in welcher Reihenfolge herausgreifen und abarbeiten soll. Es sind ihrer zu viele!
Bei jedem , wirklich jedem Thema, dass die Regierung Bush angelangt hat, hat sie meiner Meinung nach das Falsche gesagt und getan - sei es in moralischer oder rein pragmatischer Hinsicht. Krankenversicherung, Bildung, die Reaktion auf den 11. September, Einwanderung, Kampf gegen Armut, Rassentrennung, Steuerpolitik, Umgang mit Menschenrechtsverletzungen, innere Sicherheit, Umweltpolitik, etc. etc. pp. etc. und so weiter ... Es gibt kein Gebiet, kein politisches Thema, das nicht gründlich verkorkst worden wäre.
Auf China zu zeigen und zu sagen "Da is alles viel Schlimmer" bringt einen auch nicht sonderlich weiter. Gerade in moralischen Fragen ist ein "Aber der da machts doch auch!" wohl kaum hilfreich.
Desweiteren gehören die Vereinigten Staaten und Deutschland -bei entsprechend grober Auflösung- zum selben Kulturkreis. Der Freien Welt, wenn man so will. Unsere Gesellschaften basieren auf einem ähnlichen moralischen Grundkonsens, der sich im wesentlichen aus "Die Würde des Menschen ist unantastbar." und "Alle Menschen sind gleich." ableiten lässt. Amerika kritisieren bedeutet für mich den Splitter im eigenen Auge anpacken, bevor ich beginne an den Augen anderer rumzufummeln. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich sehe wie Handlungen, die ich zu tiefst ablehne, mit den Werten legitimiert werden, die ich zutiefst bejahe.
Um zum Punkt zu kommen: Kritik an der gegenwärtigen Politik der Verienigten Staaten ist nicht gleich blinder Antiamerikanismus, Kritik an George W. Bush nicht gleich blindblödes Bushbashing ...
Diese Kritik ist gerechtfertigt und nötig. Sie darf sich nur nicht blind gegen alle richten, die Amerikaner sind.
Amerikaner = Dumm und ungebildet; Amerikaner = größwenwahnsinniger Texaner; etc.
Solche Voruteile sind Antiamerikanismus. Antiamerikanismus ist Rassismus und bedeutet, dass man über eine Person auf Grund ihrer "Volkszugehörigkeit" urteilt, bevor man auch nur etwas über sie weiß - und das ist falsch. Dies ist der Antiamerikanismus, der bekämpft werden sollte. Aber nicht die Kritik an der amerikanischen Politik und ihrer Vertreter.
Verrueckte Welt.Alle schimpfen auf die USA und reissen sich die Beine aus um hier einreisen zu koennen.Macht das Sinn?
Nichts gegen Herrn Pohrs geschichtlichen Abriss des deutschen USA-Bildes. Aber was verzapft er denn da in seiner Einleitung?:
* "Dass Saddam nach Massenvernichtungswaffen streben könnte, betrachtete man entweder nicht als Möglichkeit oder leitete daraus zumindest keinen Handlungsbedarf ab." - Ach, es ging damals bei den Kriegsgründen gar nicht darum, dass der böse Saddam angeblich Massenvernichtungswaffen in Massen besaß (und sie noch viel angeblicher in 45 Minuten in die WElt hinaussenden konnte)? Es ging schon immer nur darum, dass er "nach Massenvernichtungswaffen streben könnte" - könnte, wohlgemerkt, vielleicht, nicht bestimmt? Na, es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn er nicht gern welche gehabt hätte. Und ergo - war der Krieg wohl gerechtfertigt. So einfach geht das, wenn man skrupellos genug mit der Sprache spielt.
* "Eine gewisse Häme ist bei vielen Deutschen nicht zu überhören, wenn sie über den schweren Stand der Amerikaner im Irak zwei Jahre nach dem ausgerufenen Sieg reden ungeachtet dessen, dass Chaos in der Region auch den Interessen des eigenen Landes zuwiderläuft." - Die "Interessen des eigenen Landes" sind also der Maßstab, nach dem außenpolitisches Handeln zu bewerten ist? Wie schön, dass moralische Überlegungen als Leitlinie für die deutsche Politik nicht mehr so wichtig sind.
* "Mit Recht wird den USA allerhand vorgehalten: Guantánamo, Abu Ghraib, Tötung von Zivilisten im Irak, Verschleppung von Menschen zu Verhörzwecken die Liste der Menschenrechtsverletzungen ist erschreckend. Doch in der Summe kann man die Häufigkeit und Härte, mit der die USA angegangen werden, auch als unverhältnismäßig wahrnehmen, und auch als reflexhaft." - Moment mal, fehlt da nicht noch was? Wie die klitzekleine Tatsache, dass die USA (und Großbritannien und ein paar andere) unter an den Haaren herbeigezogenen Begründungen einen Angriffskrieg vom Zaun gebrochen haben? Ach ja, der war ja gerechtfertigt: Saddam könnte, siehe oben, nach Massenvernichtungswaffen gestrebt haben. Und was ist schon ein kleiner Krieg unter zivilisierten westlichen Freunden?
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