Abschiebungen Endstation Kabul
Bundeswehrsoldaten sollen auf keinen Fall in den umkämpften Süden Afghanistans - die Lage dort gilt als zu gefährlich. Trotzdem schiebt Deutschland afghanische Flüchtlinge dorthin ab.
Während sich die Regierung in Berlin um das Wohlbefinden der Soldaten sorgt, schicken die Länder ausreisepflichtige Afghanen weiter in ihre Heimat zurück - ohne Rücksicht darauf, dass sich die Situation dort in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert hat. Betroffen sind rund 11.000 der mehr als 55.000 in Deutschland lebenden Afghanen.
Im Juni 2005 hatten die Innenminister grundsätzlich die "Rückführung" aller afghanischen Flüchtlinge beschlossen. Zunächst wurden nur Straftäter und alleinstehende Männer abgeschoben. Im Juni dieses Jahres hat Hamburg, wo besonders viele Afghanen leben, als erstes Bundesland aber nun damit begonnen, auch afghanische Familien mit Kindern zur Rückkehr aufzufordern. Den Ausreisewilligen bietet die Stadt an, die Reisekosten zu übernehmen sowie maximal 1500 Euro „Reintegrationshilfe" pro Person zu zahlen. Notfalls sollen die betroffenen Afghanen aber auch gegen ihren Willen ausgewiesen werden.
Flüchtlingsorganisationen warnen bereits vor einer Abschiebewelle. Und die Zahlen deuten darauf hin: Während nach Angaben des Nürnberger Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in den vergangenen fünf Jahren nur 821 Afghanen freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrten, wurden allein in Hamburg seit Juni schon 2600 afghanische Flüchtlinge zur Ausreise aufgefordert. 490 haben die Stadt inzwischen verlassen. 73 von ihnen wurden abgeschoben.
Die Innenminister hatten ihre Entscheidung vor einem Jahr damit begründet, dass sich die Lage in Afghanistan seit dem Sturz des Taliban-Regimes im Oktober 2001 stabilisiert habe. Heute sei es dort wieder sicher. Das Auswärtige Amt kam jedoch bereits im vergangenen November zu einer ganz anderen Einschätzung: Das Land sei „kein sicheres Herkunftsstaat", hieß es in einem Lagebericht.
Viele Afghanen klagen aus diesem Grund auch gegen die Ablehnung ihres Asylantrags. Vor den Verwaltungsgerichten führen sie oft die Sicherheitslage in ihrer Heimat an. Doch nach Angaben des BMI liegt die Erfolgsrate der Klagen bei weniger als 10 Prozent. Im März betonte ein Sachverständiger des Nürnberger Migrationsamts in einem solchen Verfahren vor dem Berliner Oberverwaltungsgericht, Afghanen könnten sich in ihrem Land „unter Wahrung einiger Sicherheitsregeln" frei bewegen. Die Gefahr in der afghanischen Hauptstadt werde überschätzt. In Kabul sei die Bedrohung, so der BAMF-Mitarbeiter, geringer als in deutschen Großstädten.
Auch für die Hamburger Behörden ist der Bürgerkrieg in Afghanistan seit 2001 definitiv beendet. Die Gewalt, so Innensenator Udo Nagel, richte sich gegen die ausländischen Soldaten, nicht gegen die eigene Bevölkerung. Solche Einschätzung verwundert angesichts der eskalierenden Lage am Hindukusch. Erst am Montag starben bei einem Bombenanschlag auf einen Markt in der Provinz Helmand 17 Menschen - weit und breit waren keine ISAF-Soldaten zu sehen. Zuvor wurden am 4. August durch einen Anschlag gezielt 21 Zivilisten in der Provinz Kandahar getötet.
Insgesamt kamen in diesem Jahr in Afghanistan bereits mehr als 2000 Menschen durch Anschläge und Kämpfe mit den Taliban ums Leben. Unter ihnen befinden sich Aufständische, Entwicklungshelfer, afghanische Sicherheitskräfte und fast 100 Angehörige der ISAF-Schutztruppe. Die Mehrzahl dürften jedoch Zivilisten sein, die zwischen die Fronten geraten sind. Immer häufiger werden sie aber auch - wie im Irak - gezielt das Opfer von Anschlägen.
Auch in Kabul verschärft sich die Lage. Wie ein UN-Mitarbeiter ZEIT online berichtete, wird die Situation in der Hauptstadt für einheimische und internationale Angestellte der UN und von Nichtregierungsorganisationen zunehmend schwieriger. Sie dürfen sich nicht mehr zu Fuß fortbewegen, ihre Wohnungen werden rund um die Uhr bewacht. Das Klima zwischen der Bevölkerung und Ausländern habe sich deutlich verschlechtert. „Eine antiwestliche Stimmung macht sich breit", sagt der UN-Mitarbeiter. Die angespannte Lage in Kabul führte zuletzt im Mai zu blutigen Unruhen, bei denen sieben Menschen starben.
Außerhalb von Kabul, das bislang als "Insel der Stabilität" galt, ist die Situation noch weit gefährlicher. In einigen Provinzen, vor allem im Süden, herrscht wieder offener Krieg zwischen den internationalen Truppen und den Taliban-Kämpfern.
Die deutschen Behörden nehmen darauf jedoch keine Rücksicht. Weder das BAMF, die Hamburger Innenbehörde noch das Bundesinnenministerium konnten
ZEIT online
mitteilen, aus welchen Regionen die Heimkehrer stammen und ob sie nach ihrer Rückkehr Kabul in Richtung ihres Heimatortes verlassen habe. Über ihr weiteres Schicksal weiß man nichts, es scheint auch nicht weiter zu interessieren. Flüchtlingsorganisationen berichten, dass die meisten Flüchtlinge in Kabul bleiben. Aufgrund der schwierigen Wirtschafts- und Sicherheitslage wagten sie nicht, in ihre Heimatdörfer zurückzukehren. Ihre Situation sei desolat. Zwar bieten Deutschland und andere EU-Staaten denjenigen, die freiwillig zurückkehren, für einige Monate in Kabul eine Unterkunft. Die meisten wohnen jedoch danach bei Bekannten in der Hauptstadt, oftmals in Ruinen ohne Wasser und Strom.
Doch ein neuer Abschiebestopp ist nicht in Sicht. Mit wachsender Kritik an der Präsenz der Bundeswehr am Hindukusch scheint auch die Solidarität mit den in Deutschland lebenden Afghanen zu schwinden.
- Datum 01.09.2006 - 08:01 Uhr
- Quelle ZEIT online
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da kanns einem einem schon kalt den rücken runter laufen, wenn man sich die vorstehenden kommentare durchliest.
ist ein zu komplexes Thema, als man es hier in einem Kommentar abhandeln könnte.
Aber zu speziell diesem Fall, das Afghanen wieder in ihr Land abgeschoben werden, auch Familien, muss ich sagen, das man von Afghanistan wohl kaum behaupten kann ein sicheres Land zu sein. Dann könnte man auch irakische Flüchtlinge abschieben und welche aus dem Sudan / Dafhur oder Kosovo.
Warum dürfen Asylanten eigentlich nicht legal arbeiten? Sie sind ja per Gesetz dazu verdammt, dem deutschen Steuerzahler auf der Tasche zu liegen.
Schließlich kommt mit den Flüchtlingen auch ein gewisses Potenzial nach Deutschland, was aber völlig ungenutzt in Asylantenheimen untergebracht wird, nutz- und tatenlos nur darauf warten "darf" was weiter mit ihnen geschied.
Da diese Menschen per deutschem Asylgesetz nichts aus eigener Kraft zu deren Unterhalt im Gastland beitragen darf, dürfen wir uns auch nicht bescheren, das sie uns auf der Tasche liegen.
Wenigstens diejenigen die wollen und können, sollte man arbeiten lassen. Diejenigen die kriminell und straffällig werden hingegen, sofort wieder zurückschicken. Warum erst in einem deutschen Gefängnis durchfüttern? Asylantenstatus auf Lebenszeit aberkennen und "Tschüß". Allerdings vorher die Fingerabdrücke nehmen und das Gesicht biometrisch regestrieren.
Das Theater um die Abschiebung verstellt meiner Ansicht nach den Blick auf das wahre Problem.
Das sogenannte Asylrecht hat sich in Anbetracht der Demographie sowie der Anzahl der Kriege und Bürgerkriege in der 2.- und 3.Welt längst überlebt und gehört schon seit vielen Jahren abgeschafft.
Das einzige, was mit diesem Recht geschaffen wird, sind Zustände wie in den Pariser Vorstädten sowie bereits in manchen deutschen Städten, d.h. nicht integrierte Parallelgeselschaften, aus denen sich sowohl Terroristen als auch gemeine Kriminelle rekrutieren.
Meiner Ansicht nach hat Deutschland/Europa die Pflicht, bei Konflikten in Europa, verfolgten Menschen Schutz zu gewähren. In der Mehrzahl der Fälle kann und sollte dies im gefährdeten Land selbst geschehen. In den seltenen Fällen, wo dies nicht möglich ist, sollten die Flüchtlinge nach einem vorher festgelegten Schlüssel für die Dauer des Konfliktes auf sichere europäische Länder verteilt werden.
Flüchtlingskrisen in Afrika, Asien, Amerika müssen auf diesen Kontinenten selbst gelöst werden, in Anbetracht des Reichtums in Europa, sollten wir allerdings mit materiellen Dingen helfen.
In Deutschland ist es zur dummen Angewohnheit verkommen, Menschen im Land zu belassen, die man getrost als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnen kann. Insbesondere die Gruppe der Türken fällt hier durch Quantität auf. Es heisst ja immer, "Wir wollten Arbeitskräfte und es kammen Menschen". Nun dem kann man entgegenhalten "Wir holten Arbeitskräfte und es blieben Sozialfälle". Aber gut. Was mich persönlich stutzig macht ist die Tatsache, das gut integrierte Familien, deren Kinder nur Deutsch sprechen und sich eingelebt (nicht eingeigelt) haben ohne Not abgeschoben werden, während man sich bei Hasspredigern, kriminellen Großfamilien, pardon, mobilen ethnischen Minderheiten aus sicheren Herkunftsstaaten schwerer tut. Wir haben eine moralische Verpflichtung Verfolgte und Kriegsversehrte aufzunehmen. Wir haben die gesetzliche (moralische) Verpflichtung, schaden von der deutschen Demokratie durch jegliche Radikalismen abzuwehren. Und wir haben die wirtschaftliche Verpflichtung und das Recht uns unsere Migranten nach uns genehmen Punkten abseits aller Multikultiideologie auszusuchen. Das wir Afgahnen in ein Land abschieben in dem praktisch noch Krieg herrscht verstehe ich nicht. Schließlich alimentiert der deutsche Staat türkische, marokanische, russische, polnische... Bürger. Herrscht bei denen Krieg.
P.S. mit Türken meine ich ausdrücklich nicht die Kurden. In Kurdistan herrscht Krieg.
Bei allem Verstaendnis fuer die Lage der Fluechtlinge aus Afghanistan ( aus dem Libanon, aus Kurdistan, aus dem Kosovo, aus dem Kongo und Burundi, aus dem Irak, aus Dafur und Aethiopien, aus Mandalay, Sri Lanka, Nepal und Timor ), die in Deutschland leben und daraus das Recht ableiten, hier nun bleiben zu koennen, sollte man auch die Probleme sehen, die sie damit der deutschen Regierung und, das sollte man ruhig mal sagen, auch der deutschen Bevoelkerung aufhalsen. Es ist eine Zumutung, dass Fluechtlinge Demonstrationen veranstalten, um die Regierung ihres Gastlandes, das sie obendrein auch noch durchfuettert, zu erpressen.
Irgendwann muss mal Schluss sein und irgendwann muss man Fluechtlingen auch mal die Einreise verweigern oder sie zurueckschicken koennen. Sonst koennte man ja gleich hingehen und die gesamte Afghanische Bevoelkerung bei uns aufzunehmen, denn, und das ist jedem klar, so, wie es jetzt in Afghanistan ablaeuft, wird es nie was, auch dann nicht, wenn Nato-Truppen sich die naechste Generation da aufhalten.
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