Wie politisch einseitig ist die Talkshow von Sabine Christiansen in der ARD? Die Einschätzung von Lobbycontrol, einer Nichtregierungsorganisation aus Köln, lautet: sehr einseitig. Sie "unterstützt einen neoliberal dominierten Reformdiskurs", heißt es in einer Untersuchung, die am Donnerstag vorgestellt wird.
Die Talkerin: sabine ChristiansenFoto: Marcel Mettelsiefen dpa/lbn BILD

Unternehmer und Wirtschaftsverbände hätten in den vergangenen eineinhalb Jahren 50 Vertreter schicken dürfen, die Gewerkschaften gerade einmal 16 und Sozialverbände sogar nur drei. Von den zehn Ökonomen, die unter den Gästen waren, seien neun neoliberal. Zu ihnen zählt die Organisation die Professoren Meinhard Miegel, Hans-Werner Sinn, Bernd Raffelhüschen und Paul Kirchhof. Dagegen seien prominente "linke" Ökonomen wie Peter Bofinger oder Gustav Horn nicht eingeladen gewesen, sagt Ulrich Müller von Lobbycontrol. Noch dazu seien viele Gäste mit der vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall finanzierten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft verbunden.

Der Produzent von Sabine Christiansen , Michael Heiks, sagte zu den Vorwürfen: „Eine simple Zuordnung zu Lagern und Verbänden ist grundsätzlich unsinnig. Es wird völlig ignoriert, was die Gäste unserer Diskussionssendungen tatsächlich gesagt haben."

Betrachte man jedoch die Liste der Themen des vergangenen Jahres, so werde deutlich, dass selbst ökologische und soziale Fragen von einer tendenziell neoliberalen Sichtweise aus behandelt wurden, argumentiert Lobbycontrol. "Wer kann uns den Hahn abdrehen?",  habe eine Sendung zum Thema Energie aufgemacht, Sendungen wie "Melkkuh Sozialstaat – sind wir ein Volk von Abzockern?", und "Arm durch Arbeit, reich durch Hartz IV?", stellten Empfänger von Sozialhilfe als Bedrohung des Sozialstaates dar.

Heiks dagegen hält die Methoden von Lobbycontrol für fragwürdig. "Fliegenbeine zu zählen reicht einfach nicht." Die Liste der Ökonomen spiegele beispielsweise wider, wie die wichtigsten Lehrstühle an den Universitäten besetzt seien. "Ich lasse sehr wohl über einzelne Sendungen mit mir diskutieren. Aber dann bitte über das, was gesagt wurde, und nicht nur über die Gästeliste." Außerdem kritisiert Heiks, dass Lobbycontrol den Vorwurf erhebt, die Talkshow sei sehr stark auf die Innenpolitik fixiert gewesen. "Natürlich war das so. Wir hatten die Bundestagswahl und die Debatte um Hartz IV. Wer das nicht einbezieht, geht an der Realität vorbei."

Weniger überzeugend kann Heiks hingegen begründen, warum der jüngste Armuts- und Reichtumsbericht oder die Erhöhung des Rentenalters nicht thematisiert wurden. Er verweist jedoch darauf, dass seine Redaktion in den vergangenen Monaten bewusst versucht habe, Themen anders zu setzen als noch in den Reformdebatten vor einem Jahr.

Mitarbeit: Cornelia Laufer

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