USA Eine Ideologie packt einSeite 3/3
Fukuyamas Essay ( America at the Crossroads Democracy, Power and the Neoconservative Legacy ), Sullivans Analyse ( What I got wrong about the war ) sowie einige weitere Mea-Culpa-Aufsätze haben nun eine scharfe Antwort gezeitigt. Sie stammt von Norman Podhoretz, einer lebenden Legende des Neokonservatismus und einem ihrer Gründerväter. Nachzulesen ist sie in der September-Ausgabe des rechten Intellektuellenblattes Commentary .
Podhoretz fragt darin, ob die Bush-Doktrin tatsächlich tot sei. Nein, sei sie nicht, alles nur ein Missverständnis, eine Fehlinterpretation der Person des Präsidenten, schreibt der Altmeister. Dahinter steht die Ansicht, der ganze Neokonservatismus sei keineswegs verblichen. Allerdings ist Podhoretz die Enttäuschung anzumerken, dass sich immer mehr Weggefährten abwenden: die einen, weil sich die eigene Theorie im Nahen Osten als wirklichkeitsfremd erwiesen habe; die anderen, weil die Politik des Präsidenten nicht mehr hinreichend neokonservativ sei. Zu letzteren ist Richard Perle zu zählen, der frühere Pentagon-Berater, der dem Präsidenten weiterhin mehr Härte gegenüber den Diktatoren des Nahen Ostens empfiehlt. Zu ersteren ist David Frum zu rechnen, der einst für George Bush die Formulierung von der "Achse des Bösen" erfand und nun desillusioniert ist.
Podhoretz bestreitet den Ausgangspunkt der neokonservativen Selbstkritik, dass nämlich die Bush-Doktrin im Irak ihren Test nicht bestanden habe: "Immerhin wurde der Irak von einem der schlimmsten Tyrannen des Nahen Ostens befreit; drei Wahlen wurden abgehalten; eine vernünftige Verfassung ist verabschiedet; eine gewählte Regierung arbeitet; die Bürger genießen zuvor unvorstellbare Freiheiten. Nach welcher bizarren Arithmetik addiert sich das alles zu einem Scheitern?" Der Aufstand der irakischen Nationalisten und die Attacken der Terroristen sind für Podhoretz ein Beweis für den Erfolg der amerikanischen Strategie. Denn wären die Aufständischen überzeugt, dass "die Demokratisierung schon gescheitert sei, warum würden sie dann so intensiv kämpfen, die Demokratie zu besiegen?"
Für Podhoretz gibt es keine Veränderung der amerikanischen Außenpolitik, kein "Ende der Cowboy-Diplomatie" (
Time
). Er sieht nicht "das geringste Anzeichen" dafür, dass Bush sich von den Grundprinzipien der nach ihm benannten Doktrin entfernt habe. Allerdings übersähen jene Neokonservativen, die Bush aufgegeben hätten, eine einfache Tatsache: "dass er ein Politiker ist". Als Präsident lasse er sich ständig auf taktische Kompromisse ein. Aber die Geschichte werde in Bush dereinst einen gradlinigen Mann sehen. Bei Podhoretz gibt es keinen Machtverlust Amerikas, keine Ermüdung der Armee, keine Rückzugs-Sehnsucht der amerikanischen Bevölkerung und konsequenterweise auch keine veränderte Außenpolitik der Regierung Bush. Wer Podhoretz liest, muss annehmen: Es gibt mindestens noch zwei Neo-Konservative in Amerika. Und auf den einen kommt es an.
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- Datum 06.09.2006 - 08:22 Uhr
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