Bildung Akademikernotstand?Seite 3/3
Und noch ein Handlungsfeld eröffnen die Zahlen der Politik. Die Studie belegt nämlich, dass gerade diejenigen, die besonders auf Weiterbildung angewiesen wären, weil sie nur einen weniger qualifizierten oder gar keinen Abschluss mitbringen, kaum von den bisherigen Programmen profitieren. Auch dabei hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher. Nur drei Prozent derjenigen ohne Sekundarstufe-II-Abschluss (also ohne Abitur oder Ausbildung) nahmen an Weiterbildungsmaßnahmen teil, im OECD-Durchschnitt waren es sieben Prozent. Diese Menschen sind auch am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffen.
Der bildungspolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion, Nicolette Kressl, ist es deswegen auch besonders wichtig, dass die Politik sich den gering Qualifizierten verstärkt annimmt. Hier müssten sich aber auch die Unternehmen engagieren, die sich aus der Weiterbildung zu stark zurückgezogen hätten, sagte Kressl
ZEIT online
. Sie sprach sich für Bildungskonten aus. Der Staat müsse Qualifizierung ebenso fördern wie beispielsweise das Bausparen.
Die bildungspolitische Sprecherin der Union, Ilse Aigner, äußerte sich dagegen kritisch zu dem Bericht. Die Studie belege zunächst einmal, dass die Deutschen überdurchschnittlich gut ausgebildet seien, sagte sie. In der Tat haben in Deutschland 85 Prozent der 25- bis 34-Jährigen entweder Abitur oder eine abgeschlossene Ausbildung, OEDC-weit sind es nur 78 Prozent. Auch dürfe man sich nicht nur auf die Studierendenquote fixieren. Andere Staaten hätten mehr Hochschulabsolventen, aber eben kein System der dualen Ausbildung, das in Deutschland eine berufliche Qualifizierung auf hohem Niveau auch außerhalb der Hochschulen sichere. Auch der Deutsche Philologenverband warnte davor, nur auf die Absolventenzahlen zu starren. Die Zahl der Studienanfänger sei zwischen 2000 und 2004 von 30 auf 37 Prozent so sehr gestiegen wie noch nie zuvor, sagte der Präsident Heinz-Peter Meidinger. Quantität dürfe nicht vor Qualität gehen.
Was die Politik ganz konkret für die geplagten Hochschulen tut, wird sich im Dezember zeigen. Dann wollen Bund und Länder einen Hochschulpakt verabschieden. Mit 160 Millionen will der Bund die Lehre im kommenden Jahr unterstützen, allerdings geht das nur, wenn man sich mit den Ländern auf ein Programm verständigt, das diese einstimmig unterstützen.
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- Datum 09.09.2008 - 10:59 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 12.9.2004
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@DetlefBarkmann
Die Uni Chemnitz (Karl Marx Stadt..) ist gerade dabei ihre Geisteswissenschaften wieder zusammenzustreichen. Fein, nicht wahr, ein paar weniger "Laberer" im schönen Karl Marx Stadt?
Die Folgen sieht man, oder besser: man sieht nix: Die Chemnitzer "Studenten" kommen am Dienstag von Mutti aus den Dörfern und hauen am Donnerstag wieder nach Hause ab. "DiMiDo-Studenten" nennt man das hier. Dies trifft besonders für die Studenten der "wichtigen" Fächer zu.
Ob die mit einem solchen Studium wirklich ihren Horizont erweitern?
Da sind mir die Politikwissenschaftler ect doch viel lieber..
Weider mal genau richtig was die Politik macht: Erst führen sie Studiengebühren ein, dann jammern sie, dass zu wenig studieren. Und nunja .. wen wirds wohl wundern, die Studierendenzahlen werden wohl zukünftig noch weiter abnehmen, dank diesem genialen Schachzug, der kurzfristplanenden Landespolitiker. DANKE liebe CDU!
Wer kann sich das denn dann noch leisten, und vor allem wozu, wenn man anschliessend nur schwer nen Job bekommt und auch noch der Studikredit zurückbezahlt werden muss.
Es vor nicht allzulanger Zeit erhebliche Einschnitte in den Haushalt der Universitäten, in Bayern waren dies 7%, angesichts der steigenden Studierendenzahlen und der Ratschläge der Experten.
Die Studiengebühren sollten dieses Loch einigermaßen
verdecken, es süß schmecken lassen.
Ich kann ich keiner größeren öffentlichen Kritik innerhalb letzten Jahrezu diesem Sachverhalt erinnern.
Ich sehe auch bei der "Zeit" schweigende Zustimmung zu
einer Politik welche vorallem in diesem die Interessen, wiederum ihrer eigenen Leserschaft unterstützt.
Dies finde ich oft seltsam, da eben von dieser Seite
Wettbewerb gefordert aber hier im eigenen Interesse verhindert wird.
Tobias Blauberger
Der einzige moegliche Vergleich zwischen verschieden Laendern geht ueber vergleichbare Uniabschluesse. D.h., man muesste den Prozentsatz der deutschen Absolventen mit dem Prozentsatz von Masterabsolventen im Ausland vergleichen. Waehrend hier alle mit einem Diplom/Master abschliessen (auch nach Einfuehrung des Bachelor werden die Meisten bis zum Master weitermachen), hoeren im Ausland fast alle nach dem Bachelor auf!
Masterabsolventen in Grossbritannien (2004): 40 175
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Diplomabsolventen in Deutschland (2003): 218 100
Selbst wenn man die unterschiedlichen Einwohnerzahlen beruecksichtigt (60 Millionen in GB statt 80 Millionen in Deutschland), gibt es in Deutschland viermal so viele Akademiker wie in GB!
Der Grund sind nicht die gerade erst eingefuerten Studiengebuehren sondern die Tatsache, dass nur die Besten nach dem Bachelor zum Master/PhD zugelassen werden. Andererseits erklaert dies auch warum Uniabsolventen in Deutschland trotz geringerer Akademikerquote keinen adaequaten Arbeitsplatz finden: sie sind schlicht ueberqualifiziert. Und hier in England staunen meine britischen Kollegen immer, warum fast die Haelfte der Bewerbungen fuer qualifizierte Stellen aus Deutschland kommen...
Der Bericht vergleicht die Zahlen der Studienabsolventen und berücksichtigt nicht, dass es in Deutschland ein System der beruflichen Bildung (Ausbildungsberufe, Berufsschulen) gibt, das andere Länder so nicht kennen. Die Vergleichbarkeit der Bildungssysteme ist also in der vorliegenden Form unzureichend. Was das angebliche Fehlen der Hochqualifizierten betrifft, erinnere ich mich an einen Spiegel-Bericht vor einigen Wochen, in dem diese Hochqualifizierten über ihre Schwierigkeiten, einen angemessenen Arbeitsplatz zu finden berichteten. Statt Arbeitsplätzen werden ihnen Praktika angeboten. Unser Vizekanzler Müntefering denkt darüber nach, diese Praktikumsunsitte der Unternehmen zu begrenzen.
Es ist zwar gut, wenn möglichst viele Menschen Bildungschancen wahrnehmen, aber die Gleichung "Viele Studenten" = "Hohe Lebensqualität und Wohlstand" ist nicht bewiesen. Wäre die Nachfrage nach solchen Arbeitskräften vorhanden, würde der Bildungssektor boomen. Ausreichend Fort- und Weiterbildungsangebote gibt es jedenfalls. Große Unternehmen - und davon gibt es hier nicht wenige - sollten auch in der Lage sein, ihre Mitarbeiter selbst weiterzuqualifizieren. Offensichtlich fehlt dazu die Bereitschaft.
Alles sehr richtig beobachtet. Aber man koennte weitergehen und das alles einmal von einem anderen Standpunkt ansehen:
- Warum soviele Facharbeiter und Handwerker? Haben sich die gesellschaftlichen und oekonomischen Verhaeltnisse nicht geaendert? Wer will denn noch ausbilden? Angelernt tut es doch in vielen Faellen.
- Koennte unsere Gesellschaft nicht davon profitieren, wenn das Abitur und der Diplom-Studienabschluss vom hohen Sockel herunterkaemen. Und gleich auch den "Doktor" abschaffen.
- Weg mit dem unseligen Ausleseprozess "Hauptschule, Mittelschule, Gymnasium".
- Es muesste das Leistungsprinzip gelten. Zugang zu einer Studieneinrichtung fuer alle, wenn sie denn eine Einrichtung finden, die sie nimmt (auf Basis von Noten).
- Befreiung der Studieneinrichtungen von staatlichen Restriktionen. Mehr Vielfalt.
- Akzeptieren der Ergebnisse: Spreu und Weizen.
Konsequente Fortsetzung dieses Prozesses, keine Anspruchsberechtigung. Meinetwegen ein Schuhverkaeufer mit Studium.
Im Ergebnis eine freiere Gesellschaft.
Wozu braucht Deutschland so viele Akademiker? Sie sind für die 1 Euro-Jobs sowieso nicht zu gebrauchen. Die Technologie- und Entwicklungszentren können von den deutschen Großkonzernen leicht nach Indien, China oder Ost-Mitteleuropa verlagert werden. Dort gibt es genug billige Hochschulabsolventen.
Noch ein Vorteil! Ein ungebildetes Volk kann leichter manipulieret werden. Die deutsche Politik ist also auf dem richtigen Weg. Sie sollte nicht mehr weiter zögern und sich endlich entschließen, richtig hohe Studiengebühren einzuführen. Nur dadurch kann die Anzahl der Hochschulabsolventen, zum Wohle Deutschlands, drastisch gesenkt werden. Mit der Akademikerflut sollen sich die anderen Staaten herumschlagen.
Ich merke, ich bin bei meinem letzten Beitrag ein bisschen vom Thema abgekommen. Der Punkt ist, dass der College Abschluss von denjenigen Unis, die in Amerika das Gros der fuehrenden Koepfe produzieren, nicht nur ebenso gut, sondern viel besser ist als das so hoch gelobte deutsche Diplom. Und zwar drueckt sich das zum Beispiel darin aus, dass die Absolventen dieser Unis zu anscheinend besseren Wissenschaftlern werden als die Absolventen unserer Unis. Und das zeigen wiederum die Zahlen.
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