OECD-Bericht Krise mit Ansage
Das deutsche Bildungssystem muss gerechter werden. Nur dann kann es auch besser werden, kommentiert .
Ja, er nervt, der jährliche Rüffel, den die deutsche Bildungspolitik von der OECD, einem Think Tank der Industrieländer, kassiert. Gut so. Denn trotz aller Anstrengungen sind die deutschen Schulen und Hochschulen im internationalen Vergleich noch immer ineffizient und ungerecht. Diesmal kritisierte die OECD vor allem die zu geringe Zahl von Hochschulabsolventen in Deutschland. Mit einem Anteil von gut 20 Prozent Akademikern an einem Altersjahrgang ist Deutschland nur Viertletztes unter 30 verglichenen Ländern.
Der Arbeitsmarkt wird die jungen Ingenieure und Soziologen noch begieriger aufsaugen als die „Akademikerschwemme“, vor der so mancher fälschlicherweise in den siebziger Jahren warnte. Wenn es der Wissensgesellschaft aber an hochqualifiziertem Nachwuchs mangelt, wird die Wirtschaft ins Stocken geraten.
Diese Krise mit Ansage kann keiner verantworten; deshalb muss mehr jungen Menschen der Weg an die Universitäten und Fachhochschulen geebnet werden. Die Hochschulen, die schon jetzt unter der Masse von Studenten ächzen, bedürfen massiver Unterstützung durch den Staat und ihnen muss die Freiheit gegeben werden, mehr eigene Geldquellen zu erschließen. Ein Schlüssel zur Steigerung der Akademikerquote liegt aber da, wo er kaum gesucht wird: in der Berufsbildung.
Gymnasiale Oberstufen an Berufsschulen und –gymnasien mit dem Schwerpunkt auf Technik oder Wirtschaftslehre sind ideal, um guten Haupt- und Realschülern den Weg zum Abitur zu öffnen. Dass damit kein Qualitätsverlust einhergehen muss, zeigt das Bildungsmusterland Baden-Württemberg, das im innerdeutschen Pisa-Vergleich stets vorn liegt. Dort wird schon jedes dritte Abitur auf diesem Weg erworben.
Auch guten Absolventen der dualen Berufsausbildung muss der Weg an die Hochschulen offen stehen. Die Bremse auf dem Weg nach oben, sind hier nämlich oftmals nicht Leistungsmängel, sondern hier wirkt eine soziale Barriere: Arbeiterkinder streben nicht so selbstverständlich wie Akademikerkinder nach der Lehre an die Uni.
Das deutsche Bildungssystem wird nur besser, wenn es gerechter wird. Und es wird nur gerechter, wenn es besser wird.
- Datum 13.09.2006 - 03:39 Uhr
- Quelle ZEIT online, 13.9.2006
- Kommentare 23
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lebt Herr Kerstan?
Bestimmt nicht in der Arbeitswelt der Bundesrepublik Deutschland des Jahres 2006.
Was ist eigentlich ein Think Tank? Die englische Umschreibung für die Steigerung des Elfenbeinturms.
korfstroem
Und woher wissen sie, dass die Ausbildung dort nicht besser ist?
Wieviele Nobelpreisträger der USA kamen ursprünglich aus Europa ? Die USA sind nämlich gross im Übernehmen woanders schon mal gut aus- und vorgebildeter Wissenschaftler. Ihnen die Früchte, den anderen die Kosten für die Grundausbildung !
Ihrer auf Bill Cosby basierenden Analyse zuwider, haben die US mehr Nobelpreise erhalten als die meisten Nationen zusammengenommen. Andere Schreiber bejammern, dass deutsche Gelehrte nach Harvard gehen. Die Frage sollte lauten: Wie viele Gelehrte kommen von Harvard nach hier? Gleichmacherei bringt keine Genies hervor.
Wir wissen alle wo die Probleme liegen. Nur aendern koennen wir nichts, da es im deutschen Charakter liegt, wenn es schlecht geht, dann doch bitte alle um sich herum in den Abgrund mitzureissen.
Das Bildungssystem wird nicht gerechter. Nicht in Deutschland.
\N
Erster Schritt zur Lösung des Problems wäre die ersatzlose Streichung der Studiengebühren - zumindest für das Erststudium. Zweiter Schritt die Abschaffung des Bafög und die Einführung eines großzügigen Stipendiensystems, das Studenten von den Eltern unabhängig macht und ihnen die Zeit läßt, die Studienzeit zum Studieren statt zum Jobben zu nutzen.
Die Bildungsfinanzierung hängt in Deutschland und
auch in den Mittelmeerstaaten vom Familieneinkommen und
damit von deren Bereitschaft ab.Beim Schulsystem gibt
es sehr gute Beispiele ,z.B die Laborschule Bielefeld,die
deutlich besser als der Durchschnitt ist,leider aber
in der Breite nicht gefördert wird.
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