100 Fragen Das Leben, das Universum und überhaupt
In Berlin haben Intellektuelle und Promis einen Tag lang die hundert wichtigsten Fragen der Welt beantwortet. <em>Juliette Guttmann</em> war dabei
Samstag, 09.09.2006, Bebelplatz, Berlin-Mitte. Am Ort der Bücherverbrennung soll die Freiheit der Gedanken und der Rede praktiziert werden. Doch es erweist sich gleich zu Beginn, dass Freiheit nicht die Freiheit aller ist. Wer nicht das richtige Armband trägt, hat Mühe, sich dem Geschehen angemessen zu nähern. Die Security macht ihre Sache sehr gut. In ist, wer drin ist. Glücklich, wer in amtlicher Funktion vor Ort ist, sich schriftlich vorher angemeldet hat und - noch besser - das auch beweisen kann.
Unter der Schirmherrschaft von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier beantworten 112 Wissenschaftler, Unternehmer, Philosophen, Schriftsteller, Künstler und Aktivisten in neun Stunden 100 drängende Fragen unserer Zeit. Die Antworten aller Teilnehmer können ab sofort im Internet unter
droppingknowledge.org
abgerufen und ergänzt werden.
So soll eine globale Dialogplattform entstehen, in der das Wissen der Menschheit frei verfügbar ist. Initiator Ralf Schmerberg weist zu Beginn darauf hin, dass alle, die sich nicht berufen fühlen, eine Frage zu beantworten, auch schweigen dürfen. Acht Themenblöcke fassen Fragen zu Wirtschaft und Weisheit, Bewusstsein für Andere, Politik der Gewalt, Regeln der Macht, dem menschlichen Fußabdruck, neue globale Grenzen, die tägliche Revolution und die Sicht auf das Selbst zusammen. Verlesen werden die Fragen von Hafsat Abiola und Willem Dafoe. Alle Teilnehmer antworten gleichzeitig und, für die Besucher auf dem Platz nicht hörbar, in eine Digitalkamera.
Viele inspirierende Mitglieder der globalen Familie, darunter Wim Wenders, Galsan Tschinag, Bianca Jagger, Swami Pragyapad und Masuma Bibi Russel, wurden für dieses Event an einer langen Tafel vereint. Das Schönste daran: Ganz wie zu Hause reden alle durcheinander und keiner hört dem anderen zu. Es kann kein Zweifel bestehen, alle, die hier versammelt sind, am und um den Tisch, sind die Guten. So viel Rechtschaffenheit an einem Ort zusammengeführt, macht fast schauern.
Im Verlauf des Vormittages regt die ehemalige Berliner Kultursenatorin und aktuelle Kuratorin des Hauptstadt-Kulturfonds, Adrienne Goehler, an, die Absperrgitter am Platz doch wenigstens so weit zu öffnen, dass es für das kleine, interessierte Publikum möglich ist, den Platz zu umrunden.
Auf Sitzplatz 91 sitzt, mit frisch poliertem Septumpiercing, der Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke. Wenn er sich in den Pausen erhebt, raucht er Pfeife, am Gürtel trägt er alles, was der Mensch in freier Wildbahn benötigt, darunter zum Beispiel mehr Schlüssel als ein herkömmlicher Zeitungszusteller.
Zu Beginn explodieren mehrere Rauchbomben, damit soll, so erklärt man auf Nachfrage, ein digitales Rauchzeichen des sozialen Wandels gesetzt werden. Es bleibt zu vermuten, dass der Schwefelgeruch auch aus spirituellen, reinigenden Gründen verbreitet wird. Letztlich ist hier alles
„about sharing“,
Meditation und Liebe und alle sind
„very happy“
über das Ereignis.
Donato Bayu Bay Bumacas, Aktivist von den Philippinen, leitet seine Antworten durch Gesang ein. Überhaupt sollte an dieser Stelle dem Berufszweig des Aktivisten eine große Zukunft, noch vor dem des Kapitalgebers, prophezeit werden. Sehr früh am Tage alarmiert mich die Antwort einer Teilnehmerin, dass Geld nicht alles ist. Ich bin skeptisch, aber erleichtert.
Die ausgewählten deutschen Fragebeiträge machen deutlich, dass wir trotz Pisa-Schock und Hauptschulpleite nach wie vor das Land der Dichter und Denker sind: Tom aus Berlin möchte wissen:
„Does our wealth depend on the third world being poor?“.
Vera aus Groß Nemerow wird grundsätzlicher:
„What’s after capitalism?“.
Desiree aus Berlin fragt:
„Why does it seem that life gets more and more stressful with each thing we invent to save time?“,
und Ramazon aus Köln möchte wissen:
„Why are women still at a disavantage?“.
Es ist nicht das einzige Mal an diesem Tag, dass sich die Frage aufdrängt, warum Eva Herman mit ihren nicht ganz neuen, aber dennoch ein klein wenig überraschenden Schlussfolgerungen nicht an den Tisch der freien Stimmen geladen wurde, um aus ihrem neuen Buch zu lesen. Möglicherweise wurde sie ja auch geladen, wollte aber nicht sprechen.
Ask yourself. Please begin. Round up. Thank you.
Um 15.23h sind erste Ermüdungserscheinungen unter den Antwortenden zu verzeichnen. Mit dem Hinweis, sich nicht kompetent zu fühlen, werden von mehreren Teilnehmern Antworten verweigert. Im Pressezelt hält man sich unterdessen mit Bio-Fruchtsaftgetränken und Obst hellwach.
- Datum 14.09.2006 - 05:48 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 10.9.2006
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Ich weis gar nicht was dort "rumfabuliert" wird. Die Antwort auf "Alles" heist bekanntliche "42"!
Ich habe das mega-Gebabbel aus einem Bericht im Fernsehen beobachten koennen und konnte ihm nichts brauchbares entnehmen.
wenn man sich die internetseite [ Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion ]einmal angeschaut hat wird klar, dass es ganz verkehrt war, über das event an dem platz in berlin zu berichten.
nehmen sie´s als werbeveranstaltung, um auf die seite aufmerksam zu machen. (als wären dort auf den platz tatsächlich leute hingegangen, um sich kluge antworten anzuhören...hehe. höchstens der verfasser des artikels vielleicht)
es ist auch ganz verkehrt über die antworten von einzelnen zu berichten. das interessante, das hier geboten wird ist die im netz bereitgestellte struktur.
und wenn sie sich ein paar antworten von jonathan meese angehört haben wissen sie, warum niemand leute von der straße auf diese stühle setzen wollte: wär zu langweilig gewesen.
saß dort an diesem Tisch: Überhebliche ignorante, weltfremde Schwafler, eingesperrt in ihre eigenen Elfenbeintürme. Man bemerke: Niemand kam auf die Idee, dass sie miteinander reden könnten. Wozu auch? Sie sind ja eh nicht in der Lage zuzuhören. Sie können leider nur reden. Es sind Aufziehpuppen mit einer Schnur im Hintern. Man muss nur daran ziehen und schon brabbeln sie los. Natürlich kommen die Weisen gerne von nah und fern, um mit den großen Kelle ihre Weisheiten an die geistig Armen auszuteilen und sich medienwirksam in Szene zu setzen. Jeder von ihnen hat DIE Religion, DIE Philosophie oder DIE Wissenschaft gefunden, die alle Fragen dieser Welt beantworten kann. Hurra! Ich frage mich, warum man diesen Menschen so eine Plattform gibt? Sollte es vielleicht ein Gegengewicht zum Gebrabbel des Papstes sein? Ich weiß es nicht. Das Wochenende war Fernsehtechnisch jedenfalls sehr anstrengend und am späten Abend war ich geneigt die Kiste endgültig aus dem Fenster zu werfen, als bei Christiansen die intelligente Frage "Welche Religion hat Gott?" (oder war es: Welche Unterhose trägt Gott?) von weiteren Schwaflern unqualifiziert erörtert wurde. Dazu wurden "Vertreter" einiger Religionen bzw. eine Atheistin eingeladen. Dabei fand ich es schon irgendwie bemerkenswert, dass kein Vertreter des jüdischen Glaubens eingeladen wurde, obwohl das Christentum und der Islam bekanntlich auf dem jüdischen Fundament gebaut sind. Oder wollte keiner aus der jüdischen Gemeinde kommen? Das könnte ich sehr gut verstehen und würde sogar sagen: Respekt!
PS:
Gott trägt gar keine Unterwäsche! ;-)
das ende der Grossen Utopie ein schrecklich leeres inhaltliches vakuum hinterlassen hätte, das sich in der zwischenzeit mit so vielen moraladeligen Solltes gefüllt hat so dass kein platz mehr für banale Kanns ist.
die avantgarde des 21. jahrhunderts ist rechts da die ihre obsolet gewordenen systemimmanenten axiome nicht in frage stellen wollende linke ex-avantgarde sich im angesicht des globalen paradigmenwechsels in ein ziemlich eindimensionales gut-böse zurückgezogen hat.
Warum schreiben Sie so negativ-kritisch? Das ist doch ein tolles Kommunikationsexperiment! Diese Aktion des Riesen-Runden-Tisches mit zeitgeschichtlich wichtigen Menschen sollte regelmäßig stattfinden, nicht nur in Berlin, sondern in allen Hauptstädten der Welt! Eine großartige Idee!
Man kann auch eine Kernfrage hinter allen Fragen, die in dieser Runde gestellt wurden, formulieren, welche lautet: "Warum ist die Welt so schlecht?".
Die Antwort hierauf ist:
"Weil die globale Elite es so will."
Mehr Infos hierzu:
[ Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion ]
war doch klar, dass jeder entäuscht wird, der von so einer runde etwas erwartet hat, dass verwertbar wäre.
ist aber interessant, dass es sich hier um ein internet-projekt handelt, denn das wird ja hauptsächlich für geschäftsinteressen aller art genutzt.
ist es also nicht einfach anerkennenswert, dass hier der versuch gemacht wird, menschen, die vor dem internet sitzen und eigentlich nur ihre kleinmütigen absichten verfolgen ,dazu zu bringen in größeren zusammenhängen zu denken? - im besten fall...
p.s.
ich finde es interessanter auf einen berliner platz kreative köpfe zu setzen, als den reichstag zu verhüllen...
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